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Chinas Wirtschaft erholt sich

Ein Arbeiter auf einem Gerüst auf einer großen Baustelle in Nantong.

(Foto: dpa)

Konjunktur Chinas Wirtschaft wächst wieder – doch die Erholung hat auch Makel

Nach dem heftigen Einbruch im ersten Quartal hat Chinas Wirtschaft in den vergangenen drei Monaten wieder zugelegt. Doch nicht überall geht es aufwärts.
16.07.2020 - 15:28 Uhr Kommentieren

Peking Chinas Wirtschaft erholt sich schneller als erwartet. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist im vergangenen Quartal um 3,2 Prozent überraschend stark gewachsen, wie die Nationale Statistikbehörde am Donnerstag mitteilte. Im ersten Quartal war sie noch um 6,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum geschrumpft.

Es war das erste Mal seit Beginn der offiziellen Verkündung der Quartalszahlen im Jahr 1992, dass die Wirtschaft der Volksrepublik ein Minuswachstum verzeichnet hatte. Die 3,2 Prozent Wachstum zwischen April und Juni sind dennoch die zweitniedrigste Rate seit Beginn der Aufzeichnungen. Und im ersten Halbjahr bleibt insgesamt ein Rückgang des Wachstums von 1,6 Prozent, wie die Statistikbehörde weiter mitteilte.

Für die Weltwirtschaft ist die Erholung in China eine gute Nachricht. Die Corona-Pandemie hatte im Reich der Mitte ihren Ursprung, seitdem ist das Land dem Rest der Welt ein paar Wochen voraus.

Nach einem kompletten Stillstand der Wirtschaft im Februar fuhr die Volksrepublik ihre Wirtschaft in den darauffolgenden Monaten langsam wieder hoch. Andere Länder, die sich jetzt langsam wieder öffnen, können also Hoffnung schöpfen – auch, weil sie von den Konjunkturimpulsen in China profitieren könnten.

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    „Die chinesische Wirtschaft befand sich im zweiten Quartal auf einem schnellen Erholungskurs“, schreibt Alicia Garcia-Herrero, Chefökonomin für den asiatisch-pazifischen Raum bei der französischen Investmentbank Natixis in einer Analyse.

    Der größte Teil des Aufschwungs finde jedoch in der Produktion statt, angeführt vor allem von den staatlichen Unternehmen. Auch der externe Sektor habe in diesem Quartal einen wichtigen Beitrag zum Wachstum geleistet.

    Schwache Binnennachfrage

    Allerdings sind die jüngsten Anzeichen der wirtschaftlichen Erholung mit Vorsicht zu genießen. Zwar wuchs die Produktionsseite – ebenfalls am Donnerstag veröffentlichte Daten zeigen, dass die Industrieproduktion um 4,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum angestiegen ist.

    Auch die Exporte und Importe Chinas machten Anfang der Woche einen guten Eindruck. Sie lagen im Juni erstmals wieder im Plus. Die Ausfuhren, in US-Dollar berechnet, stiegen um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, die Einfuhren um 2,7 Prozent.

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    Doch die Binnennachfrage ist weiterhin schwach. Im Juni kauften chinesische Verbraucher erneut weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Einzelhandelsumsatz ging laut den am Donnerstag veröffentlichten Zahlen um 1,8 Prozent zurück – und lag damit noch unter den Durchschnittserwartungen der Experten.

    Die Börsen auf dem chinesischen Festland gaben nach einer Rally heftig nach – was von Beobachtern aber weniger auf die enttäuschenden Nachfragezahlen zurückgeführt wurde. Vielmehr hatten wohl dämpfende Äußerungen in der chinesischen Staatspresse den Kurssturz verursacht – ein Zeichen, dass der chinesischen Regierung der Kursanstieg zu stark geworden war. Zuvor hatten auch staatlich gestützte Fonds bereits Aktien abgestoßen oder von entsprechenden Plänen berichtet.

    „Es ist die Geschichte einer von staatlichen Konjunkturprogrammen geleiteten Erholung, die sich sehr stark auf die industrielle Seite konzentriert“, sagte Rodrigo Catril, Analyst bei der National Australia Bank. „Der Verbraucher ist nach wie vor sehr zurückhaltend.“

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    Weil die Konsumnachfrage gering ist, liegt es auch nahe, dass Teile der Produktion noch gar keinen Abnehmer gefunden haben. „Uns liegt keine Aufschlüsselung des Wirtschaftswachstums nach Komponenten des Bruttoinlandsprodukts (BIP) vor. Wir vermuten, dass ein Teil der Industrieproduktion, der nicht für Infrastrukturprojekte verwendet wurde, in die Kategorie der Lagerbestände aufgenommen wurde“, schätzt Iris Pang, China-Chefökonomin bei der ING Bank.

    Kein Konjunkturfeuerwerk wie nach der Finanzkrise 2008

    Die chinesische Regierung hat bislang nur vergleichsweise zurückhaltende Maßnahmen ergriffen, um die Wirtschaft zu stützen – und diese erfolgten vor allem aufseiten der Produktion. Wenig wurde dafür getan, dass der Konsum sich im Land wieder stabilisiert. Dabei beruhte Chinas Wirtschaftswachstum in den vergangenen Jahren immer stärker auf der Binnennachfrage durch chinesische Verbraucher.

    Laut einer aktuellen Schätzung von Christine Wong, Professorin am Ostasien-Institut an der National University of Singapore, betrugen die fiskalischen Konjunkturhilfen der chinesischen Regierung bislang sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

    Sie bleiben damit weit hinter dem zurück, was nach der Finanzkrise 2008/2009 eingesetzt wurden. Die chinesische Regierung hatte damals ein riesiges Konjunkturpaket in Höhe von 13 Prozent des damaligen Bruttoinlandsprodukts aufgelegt.

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    Die Stützungsmaßnahmen nach der Coronakrise konzentrieren sich vor allem auf die Angebotsseite der Wirtschaft. Unternehmen wurden Teile der Sozialversicherungsbeiträge und bestimmte Steuern erlassen, und es wurden ihnen Nachlässe auf Mieten und Stromrechnungen gewährt. Die chinesische Zentralbank führte dem Geldmarkt durch mehrere Zinssenkungen Liquidität zu, und Banken wurden dazu angehalten, Unternehmen leichter Kredite zu geben und bei der Fälligkeit von Verbindlichkeiten ein Auge zuzudrücken.

    Diese Maßnahmen, verbunden mit der Aufforderung an Unternehmen, ihre Mitarbeiter nicht zu entlassen, sollen zwar auch dabei helfen, die Arbeitslosigkeit nicht noch stärker steigen zu lassen. Doch direkte Maßnahmen zur Unterstützung der Konsumenten gibt es nur wenige.

    Einige lokale Regierungen vergaben Gutscheine, die den Konsum anregen sollten. Die Wertbons wurden dabei unsystematisch unters Volk gebracht. Wer einen haben wollte, musste schnell sein. Doch das eigentliche Problem lösen die Bons nicht: Chinesische Verbraucher sind verunsichert, viele haben ihren Job verloren.

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    Die Arbeitslosigkeit könnte noch zu einem großen Problem werden, Hunderttausende kleine und mittelgroße Unternehmen sind bereits pleitegegangen, viele stehen kurz davor. Laut am Donnerstag veröffentlichten offiziellen Zahlen liegt die Arbeitslosenquote schon jetzt bei 5,7 Prozent. Das ist für China ein hoher Wert, Experten schätzen die wahre Rate jedoch weit höher ein.

    Denn die von den chinesischen Behörden ausgegebene Zahl ist sehr ungenau. Zum einen zählen dort nur diejenigen Arbeitslosen mit, die auch ein Wohnsitzrecht, eine sogenannte Hukou, haben. Die Millionen Wanderarbeiter Chinas, die die Krise besonders hart getroffen hat, zählen aber nicht dazu.

    Hohe Dunkelziffer bei den arbeitslosen Wanderarbeitern

    Zudem gibt es wenig Anreize, sich überhaupt arbeitslos zu melden, denn nur für einen sehr kleinen Teil der Arbeitslosen gibt es staatliche Hilfen. „Eines der schwächsten Elemente des sozialen Sicherheitsnetzes Chinas ist sein Arbeitslosenversicherungssystem“, schreiben die Ökonomen Nicolas Lardy und Tianlei Huang vom Peterson Institute for International Economics aus Washington in einer aktuellen Analyse.

    Die Hunderte Millionen Menschen, die auf dem Land arbeiten, und der größte Teil der rund 300 Millionen Wanderarbeiter – sie alle bekommen keine Arbeitslosenhilfe. Wenn ihr Einkommen wegbricht, gehen sie an ihre Ersparnisse.

    Zudem ist fraglich, wie nachhaltig die Erholung ist. Nicht nur besteht die Gefahr von weiteren Wellen, in denen sich das Virus ausbreitet. Chinas Hauptstadt Peking bekam erst kürzlich einen Eindruck davon, als es zu einem starken Anstieg von Neuinfizierten kam und die örtliche Regierung die Stadt in Teilen lahmlegte.

    Auch die sich verschlechternden Beziehungen zwischen China und den USA tragen zur Unsicherheit bei. Als sich die USA und China während des Handelsstreits gegenseitig mit Strafzöllen überzogen, zog das auch die chinesische Wirtschaft stark in Mitleidenschaft.

    Eine als „Phase One Deal“ bezeichnete Einigung hatte die Lage kurz beruhigt, es sollte aber eigentlich schon längst an einem Folgeabkommen gearbeitet werden. US-Präsident Donald Trump sagte kürzlich jedoch, er habe zurzeit kein Interesse daran, mit China zu reden.

    Mehr: Talfahrt an Chinas Börse: Größter Ausverkauf seit dem Corona-Crash.

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