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KonjunkturUS-Zölle bremsen Asiens Wachstum ab – unterschiedlich stark

Asiens Schwellenländer sind von den US-Zöllen im globalen Vergleich am härtesten getroffen. Eine Konjunkturprognose zeigt nun die Folgen. Die Staaten reagieren.Mathias Peer 30.09.2025 - 02:06 Uhr Artikel anhören
Mitarbeiter in einem Schmuckgeschäft im indischen Bangalore: Impulse für die Wirtschaft. Foto: AFP

Indore. Die von US-Präsident Donald Trump verhängten Zölle bremsen das Wachstum in Asien ab. Die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) rechnet damit, dass die Wachstumsrate der Schwellenländer des Kontinents im kommenden Jahr auf durchschnittlich 4,5 Prozent sinken wird. Im vergangenen Jahr, vor Trumps Antritt zu einer zweiten Amtszeit, lag das Wachstum noch bei 5,1 Prozent.

„Die Herabstufung spiegelt in erster Linie die erwarteten Auswirkungen höherer Zölle und gestiegene Handelsunsicherheit wider“, sagte ADB-Chefvolkswirt Albert Park vor der für Dienstag geplanten offiziellen Vorstellung der Herbstprognose.

Für das laufende Jahr geht die ADB von einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 4,8 Prozent in der Region aus – das ist etwas weniger als der Wert, den die Ökonomen der Bank im Frühjahr prognostiziert hatten.

Asiens Schwellenländer sind von den US-Zöllen im globalen Vergleich am stärksten betroffen – mit Abgaben, die fast doppelt so hoch sind wie im Durchschnitt. Die Folgen unterscheiden sich in den einzelnen Ländern aber deutlich: Während die ADB-Wachstumsprognose für China für 2025 mit 4,7 Prozent unverändert bleibt, haben sich die Aussichten insbesondere für Südostasien und Südasien verschlechtert.

Modi fordert Verzicht auf ausländische Produkte

Indien wurde von den USA mit einem Zollsatz von 50 Prozent belegt. Damit hat die US-Regierung Indien im internationalen Vergleich besonders hart abgestraft. Die Bank kürzte ihre Prognose für das laufende Jahr von 6,7 auf 6,5 Prozent. Dass der Wachstumsrückgang nicht höher ausfällt, erklären die ADB-Ökonomen damit, dass US-Exporte lediglich einen Anteil von etwa einem Prozent an der Wirtschaftsleistung ausmachen.

Dennoch versucht die Regierung in Neu-Delhi gegenzusteuern: Sie senkte in diesem Monat die Mehrwertsteuer. Das soll die Bevölkerung zu höherem Konsum verleiten. Premierminister Narendra Modi rief sein Land angesichts des Handelskonflikts zudem dazu auf, sich stärker um wirtschaftliche Unabhängigkeit zu bemühen und einheimische Hersteller zu stärken. „Viele Produkte, die wir täglich verwenden, werden im Ausland hergestellt – wir werden sie loswerden müssen“, sagte er vor einer Woche in einer Fernsehansprache an die Nation. „Wir sollten Produkte kaufen, die in Indien hergestellt werden.“

Größer als in Indien sind die Auswirkungen von Trumps Zöllen in Thailand, das im vergangenen Jahr etwa ein Fünftel seiner Exporte nach Amerika schickte. Für das Land, das wie ein Großteil der südostasiatischen Staaten von Trump mit einem 19-Prozent-Zoll belegt wurde, erwarteten die ADB-Volkswirte im April noch ein Wachstum von knapp drei Prozent im laufenden Jahr. Nun kürzten sie es auf zwei Prozent.

Neben den US-Zöllen leidet das Land auch unter politischer Unsicherheit nach einer Reihe von Regierungswechseln. Anutin Charnvirakul kündigte am Montag in seiner Antrittsrede vor dem Parlament Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaft an – darunter Hilfen für von den US-Zöllen betroffene Unternehmen und eine Entlastung verschuldeter Privathaushalte. Er ist der vierte Premierminister in dem Land in nur etwas mehr als zwei Jahren.

Indonesien senkt Zinsen und erhöht Staatsausgaben

Auch andere Länder in der Region arbeiten an Konjunkturimpulsen. Die Zentralbank von Indonesien, Südostasiens größter Volkswirtschaft, verkündete in diesem Monat entgegen der Erwartung sämtlicher im Vorfeld befragter Analysten die dritte Zinssenkung in den vergangenen drei Monaten. Die Regierung legte zudem einen neuen Haushalt mit einer Ausgabensteigerung von neun Prozent vor.

Die ADB kürzt trotz der Maßnahmen die Wachstumsprognose für Indonesien in diesem Jahr leicht – von 5,0 auf 4,9 Prozent. Für Malaysia, das eine wichtige Rolle in den Lieferketten von Halbleitern spielt, ist die Korrektur größer: Die Prognose fällt von 4,9 auf 4,3 Prozent. Im Fall Singapurs wird ein Wachstumseinbruch im kommenden Jahr erwartet – von zuletzt prognostizierten 2,4 Prozent auf nur noch 1,4 Prozent. Wesentlicher Grund dafür sei der Rückgang der Auslandsnachfrage.

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Die wirtschaftlichen Schäden für Asiens Exporteure könnten aber unter Umständen noch deutlich größer ausfallen, warnt die ADB. „Handelsrisiken stellen die größten Gefahren für den Ausblick dar“, sagt Chefökonom Park. Er verweist auf eine mögliche neue Eskalation des Handelskonflikts zwischen den USA und China, der derzeit nur auf Eis gelegt ist.

In einer Modellrechnung der ADB, die von einem gegenseitigen 125-Prozent-Zoll ausgeht, würde die Wirtschaftsleistung Chinas im kommenden Jahr um 1,3 Prozent niedriger ausfallen. Andere Länder der Region wären indirekt betroffen – mit Einbußen von 0,3 Prozent. Am stärksten wäre der Analyse zufolge aber der Schaden für die USA, deren Wirtschaftsleistung um 1,8 Prozent niedriger ausfallen würde.

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