Labour-Regierung: Britische Pensionsfonds sollen risikofreudiger werden
London. Die britische Regierung will das Pensionsvermögen in Großbritannien von rund 1,3 Billionen Pfund (etwa 1,56 Billionen Euro) in acht Megafonds zusammenfassen. Das wurde im Vorfeld der geplanten Konsolidierung bekannt, die Finanzministerin Rachel Reeves am Donnerstagabend in der traditionellen Mansion-House-Rede vor Führungspersönlichkeiten in der Londoner City ankündigen will.
Reeves erwartet, dass Megafonds eher in der Lage sind, die Risiken geplanter Investitionen in die Infrastruktur zu schultern. Die neu gebildeten Fonds sollen mehr als bisher zum Wirtschaftswachstum in Großbritannien beitragen und jeweils ein Pensionsvermögen von mindestens 25 Milliarden Pfund verwalten.
Die Finanzministerin erläuterte ihr Vorhaben dem Finanzinformationsdienst Bloomberg. Sie wolle, sagte sie, die australischen, kanadischen und US-amerikanischen Modelle mit „Mega-Pensionsfonds nachahmen, die Größenvorteile und bessere Renditen für ihre Sparer erzielen, und dazu beitragen, das langfristige Wachstum (…) freizusetzen.“
Chronische Wachstumsschwäche
Reeves erhofft sich zudem, dass private Kapitalgeber zusätzlich etwa 80 Milliarden Pfund zu der Investitionsoffensive der Regierung beisteuern werden. Vorschreiben will die Finanzministerin den Pensionsfonds aber nicht, wo sie investieren. „Wir haben nicht vor, Pensionsfonds in die Pflicht zu nehmen“, sagte sie.
Großbritannien leidet ähnlich wie Deutschland seit Jahren unter einer chronischen Wachstumsschwäche. Der Zuwachs zum Bruttoinlandsprodukt wird wohl in den kommenden Jahren nicht über zwei Prozent hinausgehen. Das liege auch, so begründen es Ökonomen, an mangelndem Risikokapital. Denn britische Pensionsfonds legten ihre Gelder zuletzt vor allem im Ausland an.
Das will die Labour-Regierung jetzt ändern. Geplant ist, dass die 86 lokalen Pensionsfonds des öffentlichen Dienstes in England und Wales bis 2030 in acht größeren Fonds konsolidiert und dort professionell gemanagt werden. Das betrifft ein erwartetes Vermögen von 500 Milliarden Pfund und rund 800 Milliarden Pfund aus Betriebsrenten.
Etwa 26 Millionen Briten lassen ihre Betriebsrenten durch sogenannte „Master Trusts“ ihrer Arbeitgeber verwalten. Die Regierung plant für ihr Vorhaben ein gesondertes Gesetz im kommenden Jahr.
Reeves war nach der Vorlage ihres Haushalts Ende Oktober massiv kritisiert worden, weil sie die Arbeitgeberbeiträge zur staatlichen National Insurance erhöhen will. Wirtschaftsvertreter bezeichneten das als Wachstumsbremse.
Der dritte Reformanlauf
Louise Hellem, Chefvolkswirtin des Industrieverbands CBI, urteilt nun: Die geplante Pensionsreform habe das „Potenzial, gut für Investitionen und gut für Sparer zu sein“. Dagegen warnte Tom Selby von der Investmentplattform AJ Bell in London vor größeren Risiken für die Sparer. Die gingen mit den größeren Investitionsvorhaben einher.
Es ist bereits der dritte Reformanlauf für die britische Pensionsindustrie in den vergangenen Jahren. Zuvor hatten sich der frühere Premier David Cameron und zuletzt Reeves’ Vorgänger, der konservative Schatzkanzler Jeremy Hunt, daran versucht. Dabei ging es immer darum, das Sparvermögen der Briten stärker für Inlandsinvestitionen zu nutzen.
