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Lungenkrankheit Mehr als 43 Millionen Menschen abgeschottet: So kämpft China gegen das Coronavirus

China ergreift drastische Maßnahmen, um die Verbreitung des Virus einzudämmen. Das hat auch Auswirkungen auf die Wirtschaft und deutsche Unternehmen.
23.01.2020 Update: 24.01.2020 - 10:37 Uhr Kommentieren

Diese Branchen leiden unter dem Ausbruch des Coronavirus

Peking, Düsseldorf So etwas hat es im 1898 erbauten Hankou-Bahnhof in Wuhan noch nie gegeben. Rund 80.000 Reisende versuchten, am Donnerstag im Morgengrauen noch einen Zug zu erwischen, bevor die zentralchinesische Metropole abgeriegelt wurde. Viele waren verzweifelt, mehr als die Hälfte von ihnen wurde vom Sicherheitspersonal abgewiesen, berichtete das Wirtschaftsmagazin „Caixin“.

Die meisten hatten um zwei Uhr nachts die Mitteilung der Behörden erhalten: Um zehn Uhr morgens werde man den Verkehr aus Wuhan kappen, den Flughafen und die Bahnhöfe schließen und den Dienst der öffentlichen Verkehrsmittel einstellen, hieß es darin. Am Nachmittag begann die Verkehrspolizei dann damit, Ausfallstraßen abzusperren. Die Bürger Wuhans wurden aufgefordert, die Stadt nur aufgrund von besonderen Umständen zu verlassen.

China rüstet massiv auf im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Wuhan ist das Epizentrum für den neuartigen Krankheitserreger, der sich von Mensch zu Mensch überträgt und derzeit rasant verbreitet. Inzwischen gibt es gibt es Reisebeschränkungen für weitere zehn Städte: Huanggang, Echo, Chibi, Xiantao, Qianjiang, Zhejiang und Lichuan, Jingzhou, Xiaogan und Dangyang. Damit sind rund 43 Millionen Menschen praktisch abgeschottet.

Ab Mitternacht lokaler Zeit soll in Huanggang der öffentliche Nahverkehr eingestellt, Cafés und Läden sollen geschlossen werden. Die Stadt teilte mit, dass touristische Attraktionen wie zum Beispiel die Verbotene Stadt vorübergehend geschlossen bleiben werden. 2019 besuchten rund 19 Millionen Menschen den kaiserlichen Komplex.

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    Die deutsche Wirtschaft vor Ort ist alarmiert. In Wuhan selbst sind rund 40 deutsche Unternehmen vertreten. So hat etwa das Handelsunternehmen Metro in der Stadt vier Märkte. Als Vorsichtsmaßnahme stellt der Konzern seinen Mitarbeitern unter anderem Schutzartikel wie Mundschutz zur Verfügung. Zudem wurden die Reinigung und Desinfektion der Märkte intensiviert und Kontrollen zur Messung der Körpertemperatur von Kunden und Mitarbeitern eingerichtet, erklärte das Unternehmen.

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    Wuhan gilt als „Einwandererstadt“, rund neun Prozent der Bevölkerung sind Universitätsstudenten aus allen Teilen des Landes. Internationale Firmen wie Bosch, Siemens und Renault, aber auch chinesische Tech-Konzerne wie Tencent und Baidu unterhalten dort Werke, Büros und Forschungslabore. Mit seinen elf Millionen Einwohnern ist die Metropole größer als London oder New York und erwirtschaftete im Jahr 2018 ein Bruttosozialprodukt von fast 215 Milliarden Dollar.

    Tatsächliche Zahl der Infizierten dürfte höher sein

    Am Freitag gab es in China 900 bestätigte Fälle von infizierten Personen. Das Epizentrum mit 444 bislang bekannten Patienten befindet sich weiterhin in der Provinz Hubei und dort insbesondere in Wuhan. Experten schätzen die tatsächliche Zahl von Infizierten jedoch viel höher. Donnerstagnacht sagten das chinesische Finanzministerium und der Staatsrat der Provinz Hubei finanzielle Unterstützung in Höhe von 144 Millionen Dollar zu, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen.

    Forscher des Imperial College London gehen davon aus, dass bis zum 18. Januar bei etwa 4000 Menschen in Wuhan Symptome aufgetreten sind. Im Laufe des Donnerstages wurden auch immer mehr Fälle in den anderen Provinzen bekannt. Forscher gehen davon aus, dass das Virus eine Inkubationszeit von fünf bis sechs Tagen hat, eine Diagnose dann aber auch noch weitere vier bis fünf Tage dauern kann.

    26 Menschen starben bislang an der Krankheit, nach bisherigen Erkenntnissen handelte es sich bei den Todesopfern um ältere Menschen mit schwachem Immunsystem oder bereits durch andere Krankheiten vorbelastete Menschen. Im Ausland wurden derzeit zehn Erkrankte identifiziert: vier in Thailand, jeweils zwei in Japan, Südkorea und Vietnam sowie eine Person in den USA.

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    Auch in der Deutschen Botschaft in Peking werden besondere Vorsichtsmaßnahmen ergriffen und den Mitarbeitern etwa Desinfektionsmittel für die Hände bereitgestellt. Über die Zahl von Deutschen, die in Wuhan sind, ist dort bislang nichts Genaues bekannt. Zwar gibt es ein Meldesystem namens Elefand, über das sich Deutsche im Ausland registrieren können. Allerdings ist dieses freiwillig und wird von vielen nicht genutzt.

    Es gab bereits mehrere Krisensitzungen, an denen die Deutsche Botschaft mit Experten und Mitarbeitern des Auswärtigen Amtes in Berlin über das weitere Vorgehen beriet. Das Auswärtige Amt schätzt das Risiko für deutsche Reisende in Wuhan bislang als „moderat“ ein und hat keine Reisewarnung ausgegeben. Ein Sprecher des Ministeriums sagte am Mittwoch, dass das Virus „weit weniger gefährlich als zum Beispiel Sars“ sei. Allerdings wird auf der Webseite des Auswärtigen Amts auch dazu geraten, nicht notwendige Reisen nach Wuhan zu verschieben.

    Einen internationalen Gesundheitsnotstand erkennt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) aber noch nicht, wie sie am Donnerstagabend erklärte. Es sei zwar eindeutig ein Notstand für China, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. „Aber es ist noch nicht ein globaler Gesundheitsnotstand.“ Dazu könne es sich noch entwickeln.

    Liste deutscher Unternehmen in Wuhan:

    Webasto (Shanghai) Ltd. Wuhan Branch Metro Wuhan Hankou Store 
    Siemens Transformer (Wuhan) Co. Ltd., Energy ManagementMetro Wuhan Wuchang Store 
    Hoppecke Battery Systems (Wuhan) Co., Ltd Nanjing Phoenix Contact Co. Ltd. Wuhan Office 
    Brose Wuhan Automotive Systems Co., Ltd Netzsch Lanzhou Pumps Co. Ltd.,Wuhan Repr. Office 
    Fresenius Kabi (Wuhan) Pharmaceutical Co., Ltd.NORD (China) Power Transmission Co. Ltd. Wuhan Representative Office 
    Bosch Huayu Steering Systems (Wuhan) Co. Ltd.SCA Schucker Automation Equipment (Shanghai) Co., Ltd. Wuhan Service Centre 
    MIT (Wuhan) System Valves Co. Ltd.Schaeffler Trading (Shanghai ) Co., Ltd. Wuhan Office 
    Oemeta (Wuhan) Co., Ltd.SEW-Eurodrive (Wuhan) Co., Ltd. 
    Siemens Ltd. China, Wuhan BranchShanghai Pepperl+Fuchs Automation Trading Co., Ltd. Wuhan Office 
    T-Systems P.R. CHINA Ltd. Wuhan BranchTesa Tape (Shanghai) Co., Ltd. Rep Office Wuhan 
    AUMA Actuators (Tianjin) Co., Ltd. Wuhan Branch Balluff (Shanghai) Trading Co. Ltd. Wuhan Branch 
    Beckhoff Automation (Shanghai) Co.,Ltd. Office Wuhan Bosch Thermotechnology (Wuhan) Co., Ltd. 
    Dr. Johannes Heidenhain China Co., Ltd. Wuhan Repr. Office CB Chemistry and Biotechnology (Wuhan) Co.,Ltd 
    Festo (China) Ltd., Wuhan Branch Dongfeng Behr Thermal Systems Co., Ltd. Wuhan (DBTS) 
    HKO (China) Wuhan Jiuhko Hightemp Fibre Co., Ltd. KOKI Technik Transmission Systems (China) Co., Ltd. 
    Hörmann Beijing Door Production Co. Ltd. Wuhan Representative Office Mahle
    HYDAC Technology (Shanghai) Ltd. Wuhan Office SAP Wuhan
    Krohne Measurement Technology (Shanghai) Co., Ltd. Wuhan Office Schenker China Ltd. Wuhan Branch 
    KTB Import-Export Handelsgesellschaft mbH & Co. KG Wuhan Office Talon Measurement and Control Instrument Engineering Co.Ltd 
    Kühne + Nagel Ltd. Wuhan Branch Office Lenze Drive Systems (Shanghai) Co., Ltd. Wuhan Office 
    Metro JinJiang Cash & Carry Co., Ltd. Business Unit-Central China Quelle: DIHK, eigene Recherche

    Tedros zufolge war das zuständige Komitee in der Frage gepalten. Es hatte seine ursprünglich für Mittwoch erwartete Entscheidung um einen Tag verschoben. Mit dem Ausrufen des Notstands wären schärfere Maßnahmen zur Bekämpfung der Verbreitung des Virus verbunden gewesen.

    Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat einen besonnenen Umgang mit der neuen, in China ausgebrochenen Lungenkrankheit angemahnt. „Wir nehmen das sehr ernst, wir sind wachsam, aber mit kühlem Kopf auch gleichzeitig“, sagte der CDU-Politiker am Donnerstagabend in den ARD-„Tagesthemen“. Man stehe im täglichen Austausch mit Experten. „Ich finde eben auch wichtig, dass wir das insgesamt so einordnen, dass wir dann auch mit der nötigen Ruhe rangehen können.“

    Spahn lobte die Informationspolitik der chinesischen Regierung. Anders als bei der großen Sars-Epidemie, der vor 17 Jahren in China Hunderte Menschen zum Opfer fielen, funktioniere der Austausch der internationalen Gemeinschaft und auch China gehe transparenter als vor einigen Jahren damit um. Daher könne man sich besser darauf vorbereiten.

    Medizinische Lage wird ernster

    Die medizinische Lage vor Ort wird derweil immer dramatischer: In den Ambulanzen in Wuhan sind die Schlangen für fiebrige Patienten mehr als 100 Meter lang und winden sich von der Klinik bis auf die Straße hinaus, berichten chinesische Medien. Einige Ärzte vermuten inzwischen, dass die Zahl der Erkrankten sogar auf 6000 steigen könnte, so das Wirtschaftsmagazin „Caixin“. Die Stadt Wuhan habe für die Quarantäne 5400 Betten bereitgestellt.

    Nach Ansicht von mehreren Experten hat die chinesische Regierung im aktuellen Fall weit schneller reagiert als bei der Sars-Krise in den Jahren 2002 bis 2003. Damals wurden fast 800 Menschen von dem Virus getötet.

    Bisher ist noch unklar, wie hoch die wirtschaftlichen Schäden dieser Gesundheitskrise sind. Der chinesische Leitindex CSI300 sackte am Donnerstag um 3,1 Prozent in den Keller.

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    Nach Berechnungen der Ökonomen Jong Wha Lee und Warwick McKibbin verlor die Weltwirtschaft aufgrund der Sars-Pandemie 40 Milliarden Dollar im Jahr 2003. Aufgrund der Lehren, die man aus dieser Zeit ziehen könne, so schreiben Ökonomen der Société Générale in einer Notiz, werde Chinas BIP-Wachstum im ersten Quartal 0,1 Prozentpunkte verlieren, sollte sich die Situation bis März nicht stabilisiert haben.

    Während des chinesischen Neujahrsfestes vom 24. bis 30. Januar sind allerdings ohnehin alle Behörden und Fabriken sowie viele Läden geschlossen. Viele Börsen in Asien sind diesen Freitag, dem Silvester zum chinesischen Neujahr, nur begrenzt im Einsatz. So sind alle Börsen auf Festland-China und in Südkorea geschlossen, in Hongkong hingegen gelten verkürzte Arbeitszeiten.

    Sollte sich die neue Krankheit ähnlich gravierend entwickeln wie die Sars-Pandemie 2003, dann könnte dies „in den kommenden ein bis zwei Quartalen“ verschiedene Bereiche der chinesischen Wirtschaft belasten, heißt es in einer Studie von Ökonomen der US-Investmentbank JP Morgan. Demnach wären an erster Stelle der Tourismus und die Transportbranche betroffen. Der internationale Luftverkehrsverband Iata hatte den wirtschaftlichen Schaden der Sars-Pandemie allein für seine Branche mit zehn Milliarden Dollar angegeben.

    Viele Reise- und Tourismusunternehmen in China bieten inzwischen an, die Kosten für bereits geplante Reisen zu erstatten. So offeriert etwa die Reiseplattform Trip.com eine Rückerstattung für Tickets nach Wuhan. Auch das Disney-Resort in Schanghai hat mitgeteilt, dass Gäste ihre Eintrittskarten entweder zurückgeben oder den Termin für ihren Besuch verschieben können, zahlreiche Airlines haben Flüge nach Wuhan eingestellt.

    Mehr: Chinas Behörden greifen zu drastischen Methoden, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen: Sie kappen alle Verkehrsverbindungen aus Wuhan sowie Huanggang, Ezhou und Chibi.

    Mit Agenturmaterial.

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