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Nahost„Friedenserklärung“ unterzeichnet – Freude in Israel und Westjordanland

Die gemeinsame Erklärung soll den Krieg in Gaza beenden, unterzeichnet wird sie zunächst von den Vermittlerstaaten. Zuvor hatte die Hamas die zwanzig noch lebenden Geiseln freigelassen.Inga Rogg 14.10.2025 - 06:57 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Donald Trump begrüßt Palästinenser-Präsident Abbas: Endlich Frieden im Nahen Osten? Foto: Yoan Valat/Pool EPA/AP/dpa

Istanbul. An starken Bildern hat es dem Nahost-Friedensgipfel in Ägypten nicht gemangelt. 30 Staats- und Regierungschefs aus aller Welt und Vertreter internationaler Organisationen wie der Uno waren am Montagabend zum Badeort Sharm El-Sheikh gereist, allen voran US-Präsident Donald Trump. Der schüttelte ausgiebig die Hand von Mahmud Abbas, Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde.

Inmitten von roten Teppichen, einem Halbkreis aus Ölzweigen und Schriftzügen wie „Peace 2025“ hatte Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi die Unterzeichnung des Deals inszenieren lassen. Gastgeber al-Sisi war einer der Vermittler des Gaza-Abkommens zwischen Israel und den Palästinensern.

In Abwesenheit von Vertretern der Kriegsparteien signierten nach dem obligatorischen Gruppenfoto dann Sisi und die weiteren Vermittler das Dokument: Trump, Tamim bin Hamad Al Thani, der Emir von Katar, sowie der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan.

Nur: Was genau in dem Papier steht, wurde zunächst nicht bekannt. Am Abend veröffentlichte das Weiße Haus den Wortlaut einer gemeinsam unterschriebenen Erklärung. Dieses soll die geltende Waffenruhe auf Basis des 20-Punkte-Plans von Trump festigen. Der US-Präsident sagte, das Papier lege „eine ganze Reihe von Regeln und Bestimmungen“ fest und sei „sehr umfassend“.

„Gemeinsam haben wir erreicht, was jeder für unmöglich hielt“, sagte Trump unmittelbar nach der Unterzeichnung. „Wir haben endlich Frieden im Nahen Osten.“ Er kündigte an, dass damit die nächste Phase zu einem dauerhaften Frieden im Gazastreifen eingeleitet sei. Zahlreiche Länder hätten „viel Geld“ für den Wiederaufbau des zerstörten Gazastreifens versprochen. Mit Verweis auf die Hamas erklärte er, Gaza müsse entmilitarisiert werden.

Sisi fordert Zweistaatenlösung

Einmal mehr stellte Trump eine neue Ära der Stabilität in Aussicht. Gaza diene jetzt nicht mehr länger als Ausrede. Einer der Abwesenden war jedoch Kronprinz Mohammed bin Salman, der De-facto-Herrscher von Saudi-Arabien. Saudi-Arabien ist eine entscheidende Regionalmacht und fordert für einen Friedensschluss mit Israel einen palästinensischen Staat.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu fehlte in Sharm el-Sheikh ebenfalls. Der Regierungschef begründete seine Absage mit einem jüdischen Feiertag, der am Montagabend begann. Auch Vertreter der Hamas fehlten.

Im Rahmen des Nahost-Gipfels in Ägypten haben die USA, Katar und die Türkei sowie das Gastgeberland die Vereinbarung über eine Waffenruhe zwischen der Hamas und Israel formell besiegelt. Doch viele Details bleiben vorerst unklar.

Im Gegensatz zu Trump betonte Sisi die Zweistaatenlösung. Die Palästinenser hätten ein Recht auf einen unabhängigen Staat an der Seite von Israel. Dies sei der einzige Weg, um den Frieden zu festigen, sagte der Ägypter.

Sisi kündigte an, im November zusammen mit Deutschland eine Wiederaufbaukonferenz zu organisieren. Bundeskanzler Friedrich Merz war ebenfalls nach Sharm el-Sheikh gereist. Außer dem CDU-Politiker nahmen aus Europa die Staats- und Regierungschefs aus Frankreich, Großbritannien, Italien, Ungarn, Griechenland, Zypern und Norwegen sowie EU-Ratspräsident António Costa an dem Gipfeltreffen teil, um Trump ihre Unterstützung zu signalisieren.

„Mein Leiden ist zu Ende, ich bin zu Hause“

Zuvor hatte die Hamas am Montagmorgen die letzten noch lebenden zwanzig Geiseln freigelassen – unter ihnen vier Deutsche: Alon Ohel und Rom Braslavski sowie die Zwillingsbrüder Ziv und Gali Berman.

Der 24-jährige Ohel und der 21-jährige Braslavski waren am 7. Oktober 2023 von einem Musikfestival in der Nähe des Gazastreifens verschleppt worden. Die 27-jährigen Zwillingsbrüder Gali und Ziv Berman verschleppte die Hamas aus Kfar Aza, einem Kibbuz nahe dem Gazastreifen.

Gali Berman (M.) nach seiner Freilassung: vor zwei Jahren von der Hamas verschleppt. Foto: AP

Insgesamt verschleppten die Hamas und andere Militante an jenem Tag um die 250 Israelis und ausländische Landarbeiter. Rund 1200 Israelis, die meisten von ihnen Zivilisten, und Ausländer fielen den Massakern der Islamisten zum Opfer.

Ohel Braslavski erlitt während des Überfalls der Hamas auf das Musikfestival lebensbedrohliche Verletzungen. Splitter drangen in seinen ganzen Körper ein, wodurch er am rechten Auge erblindet sein soll.

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Die ersten Bilder der Armee zeigten Ohel zwar schmal und blass, doch er konnte stehen und gehen. Auf einem Bild hört er aufmerksam einer Soldatin zu, die ihm anschließend eine Sonnenbrille aufsetzt. Zusammen mit seinen Eltern flog ihn die Armee in ein Krankenhaus. Dabei hielten die Eltern ein Papier in die Kamera. Darauf stand in Hebräisch geschrieben: „Mein Leiden ist zu Ende, ich bin zu Hause.“

In Ramallah, Palästinensische Gebiete: Familien von Palästinensern, die in israelischen Gefängnissen inhaftiert sind, trösten sich gegenseitig. Foto: Ayman Nobani/dpa

Ohel, der aus Nordisrael stammt, ist ein begabter Pianist. Sein großer Traum war es, Musik zu studieren und professioneller Jazzpianist zu werden.

Für die Geiseln beginnt der lange Weg der Genesung

Rom Braslavski stammt aus Jerusalem. Er arbeitete als Sicherheitsmann auf dem Musikfestival. Dabei half der damals 19-Jährige vielen jungen Besucherinnen und Besuchern des Festivals, den Fängen der Hamas und des Palästinensischen Islamischen Dschihad (PIJ) zu entkommen. Nach stundenlangem Einsatz verschleppten ihn Kämpfer des PIJ, die noch radikaler sind als die Hamas. Bilder gab es zunächst keine von ihm.

Eine der Überlebenden des Überfalls sagte später über Braslavski: „Er rettete mich, nachdem ich in beide Arme geschossen worden war. Ein großartiger 19-jähriger Junge mit einem wunderbaren Lächeln.“

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Die Zwillingsbrüder Berman sind die Urenkel einer Familie aus Dessau und Berlin. Die beiden Tontechniker sind leidenschaftliche Fußballspieler und Fans von Borussia Dortmund und Liverpool sowie des israelischen Klubs Maccabi Tel Aviv. In einem auf Facebook veröffentlichten Video erklärte der Klub: „Wir warten auf euch auf dem Fußballplatz.“

Während der Geiselhaft sollen die Bermans voneinander getrennt worden sein. Auf einem ersten von der Armee veröffentlichten Bild ist zu sehen, wie sich die beiden umarmen. Beide scheinen in relativ guter Verfassung zu sein.

Groß war auch die Freude in Ramallah im besetzten Westjordanland. Die israelische Regierung ließ am Montag 250 zu lebenslangen Haftstrafen verurteilte sowie 1700 weitere Palästinenser frei. Ursprünglich wollte Israel viele der Gefangenen erst nach der Übergabe der sterblichen Überreste von 28 Geiseln freilassen.

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In Bussen brachte das IKRK die Gefangenen nach Ramallah, wo sich Familienangehörige und Hunderte von Palästinensern auf einem zentralen Platz versammelt hatten. Wie in Tel Aviv brach auch in Ramallah Jubel aus, als die Busse den Platz erreichten.

Einige der Gefangenen, die graue Jogginganzüge trugen, sahen blass und schmal aus. Unter ihnen befanden sich auch Minderjährige und Palästinenser, die Israel monatelang ohne Anklage festgehalten hatte.

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