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Nahost-Konflikt Israels Luftwaffe greift Haus von Hamas-Chef an – EU-Länder wollen am Dienstag beraten

Die israelische Luftwaffe hat das Haus des Hamas-Chefs beschossen. Die massiven Raketenangriffe auf Israel aus dem Gazastreifen gehen weiter.
16.05.2021 Update: 16.05.2021 - 11:37 Uhr Kommentieren
Israels Luftwaffe hat das Haus des Hamas-Chefs beschossen. Quelle: Reuters
Jihia al-Sinwar

Israels Luftwaffe hat das Haus des Hamas-Chefs beschossen.

(Foto: Reuters)

Tel Aviv, Gaza, Brüssel, Berlin Nach massiven Raketenangriffen aus dem Gazastreifen hat Israels Luftwaffe das Haus des Hamas-Chefs Jihia al-Sinwar im Süden des Küstengebiets beschossen. Das Gebäude in Chan Junis habe als „militärische Infrastruktur der Terrororganisation Hamas“ gedient, teilte die israelische Armee am Sonntag mit. Das Militär hatte der Führungsriege der im Gazastreifen herrschenden, islamistischen Palästinensergruppe Hamas zuvor mit gezielter Tötung gedroht.

Militante Palästinenser im Gazastreifen beschossen in der Nacht den Großraum Tel Aviv sowie weitere israelische Ortschaften mit zahlreichen Raketen. Seit Beginn der Eskalation am vergangenen Montag feuerten sie nach Armeeangaben rund 2900 Raketen auf Israel ab. Israels Armee unternahm demnach mindestens 650 Angriffe in dem dicht besiedelten Küstengebiet.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza wurden dort bislang 174 Menschen getötet und 1200 verletzt. Wie der Rettungsdienst Magen David Adom mitteilte, kamen in Israel durch den Raketenbeschuss der vergangenen Tage zehn Menschen ums Leben, Hunderte wurden verletzt.

Der UN-Sicherheitsrat in New York wollte am Sonntag über die Lage beraten. Berichten zufolge wollte sich ein US-Gesandter mit hochrangigen israelischen Politikern treffen. Die Außenminister der EU-Länder treffen sich am Dienstag zu einer außerordentlichen Videokonferenz. Das teilte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell am Sonntag auf Twitter mit. Borrell verwies in diesem Zusammenhang auch auf eine inakzeptable Zahl ziviler Opfer. Man werde sich abstimmten, wie die EU am besten dazu beitragen könnte, dass die Gewalt ein Ende nehme, so der EU-Chefdiplomat.

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    Union und FDP fordern stärkere Vermittlung von EU und Deutschland

    Außenpolitiker der Union und FDP haben die EU und Deutschland zu einer stärkeren Vermittlung im Nahost-Konflikt aufgerufen. „Angesichts der US-Zurückhaltung sollte die EU eine aktivere Rolle übernehmen“, sagte Unions-Fraktionsvize Johann Wadephul der Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag. „Frau von der Leyen will eine geopolitische Kommission führen. Das verlangt jetzt Handlungsfähigkeit.“

    Wadephul betonte wie der FDP-Außenpolitiker Bijan Djir-Sarai die deutsche Solidarität mit Israel. „Die Lösung der Konflikte im Nahen und Mittleren Osten bleibt eine zentrale Aufgabe für die internationale Diplomatie“, sagte der außenpolitische Sprecher der Liberalen zu Reuters. „Dabei sollten Deutschland und die gesamte EU sich eng mit der US-Administration koordinieren und deren Verhandlungsbemühungen unterstützen.“ Ersetzen könne die EU die Führungsrolle der USA aber nicht. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hatte zuvor einen Dreistufenplan zur Deeskalation des Konflikts gefordert.

    Der CDU-Politiker Wadephul forderte zudem Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock auf, ihre Position gegenüber Israel zu klären. Er zweifele nicht an ihrer Aussage, an der Seite Israels zu stehen. „Doch Kanzlerkandidatin Baerbock muss ihre missverständlichen Aussagen zu Rüstungslieferungen an Israel klarstellen“, sagte er. „Leider kann man die Existenz Israels nur mit militärischen Mitteln sichern.“ Das zeige sich gerade jetzt, deshalb müsse Deutschland verlässlich sein. Die Grünen hatten wiederholt etwa die deutschen U-Boot-Lieferungen an Israel kritisiert.

    In zahlreichen deutschen Städten waren am Samstag Menschen auf die Straße gegangen, um entweder ihre Solidarität mit den Palästinensern oder mit den Israelis zu bekunden. In mehreren deutschen Städten war es in den vergangenen Tagen zu Angriffen auf Synagogen und weiteren antisemitischen Vorfällen gekommen.

    Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern war vor gut einer Woche eskaliert. Er spitzte sich während des muslimischen Fastenmonats Ramadan und nach der Absage der palästinensischen Parlamentswahl zu.

    Als Auslöser gelten Polizei-Absperrungen in der Jerusalemer Altstadt, die viele junge Palästinenser als Demütigung empfanden. Hinzu kamen Auseinandersetzungen von Palästinensern und israelischen Siedlern im Jerusalemer Viertel Scheich Dscharrah wegen drohender Zwangsräumungen sowie heftige Zusammenstöße auf dem Tempelberg (Al-Haram al-Scharif). Die Anlage mit Felsendom und Al-Aksa-Moschee ist die drittheiligste Stätte im Islam. Sie ist aber auch Juden heilig, weil dort früher zwei jüdische Tempel standen. Die islamistische Hamas hat sich zum Verteidiger Jerusalems erklärt.

    Israel attackiert Führungsriege der Hamas

    Der Konflikt mit der Hamas weitete sich in den vergangenen Tagen aus: Im Westjordanland gab es gewaltsame Zusammenstöße von Palästinensern mit israelischen Sicherheitskräften. Mehrere Menschen starben. Zwischenfälle ereigneten sich zudem an Israels Grenzen zum Libanon und zu Syrien. Aus beiden Ländern wurden Raketen auf Israel abgefeuert, die keine Schäden anrichteten.

    Der Gaza-Konflikt griff auch auf arabischgeprägte Orte im israelischen Kernland über. In mehreren Städten kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Juden und arabischen Israelis. Dies schürte Sorgen vor einer weiteren tiefen Spaltung der Gesellschaft.

    Nach Angaben der israelischen Armee wurden zuletzt Büros und Häuser wichtiger Hamas-Mitglieder attackiert. Auch das Haus von Al-Sinwars Bruder Mohammed, ebenfalls ein ranghohes Hamas-Mitglied sei angegriffen worden. Als Teil der fortwährenden Angriffe auf das unterirdische Tunnelnetzwerk der Hamas, der sogenannten Metro, seien 30 weitere Ziele bombardiert worden. Außerdem habe die Luftwaffe Dutzende Waffenlager und Raketenabschussrampen beschossen. Binnen 24 Stunden habe die Luftwaffe 90 Ziele militanter Palästinenser angegriffen. Nach palästinensischen Angaben waren es die bisher schwersten Luftangriffe im Gazastreifen.

    In der Stadt Gaza wurden nach Augenzeugenberichten fünf Häuser zerstört. Man befürchte viele Tote und Verschüttete unter den Trümmern. Das Gesundheitsministerium in Gaza teilte am Sonntag mit, in der Stadt seien über Nacht mindestens 26 Menschen getötet und 50 verletzt worden.

    Israels Luftwaffe hatte am Samstag nach Angaben eines dpa-Reporters zudem ein 14-stöckiges Hochhaus im Gazastreifen zerstört, in dem Medienunternehmen wie Associated Press (AP) ihre Büros hatten. Berichten zufolge wurden die Bewohner zuvor telefonisch aufgefordert, das Gebäude zu verlassen. Die Nachrichtenagentur AP reagierte entsetzt. Die israelische Armee teilte bei Twitter mit, Kampfjets hätten ein Hochhaus angegriffen, in dem der Militärgeheimdienst der islamistischen Hamas über „militärische Ressourcen“ verfügt habe. Ein Sprecher des militärischen Hamas-Arms drohte Tel Aviv daraufhin mit einer „Antwort, die die Erde erschüttern lässt“.

    Ein schnelles Ende des Konflikts scheint fern. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, der Militäreinsatz gegen die Hamas werde „so lange wie nötig weitergehen“. Man müsse zunächst die Infrastruktur der islamistischen Hamas zerstören. „Uns stehen noch schwere Tage bevor, aber wir werden sie gemeinsam durchstehen und siegen“, sagte der 71-Jährige. Angesichts der Gewalt telefonierte US-Präsident Joe Biden mit Netanjahu und mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas.

    Mehr: Angriffe auf jüdische Einrichtungen: Seehofer droht harte Strafen an

    • dpa
    • rtr
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