Russland: Wagner-Experte analysiert Amnestie-Deal: „Prigoschin wird sich kaum lammfromm in Belarus niederlassen“
Wagner-Experte: Prigoschins Vorstoß wirkte auf mich eher wie ein intensiver Appell an die Autorität als eine tatsächliche Rebellion."
Foto: dpaBerlin. Herr Lechner, Sie forschen seit Jahren zur Wagner-Gruppe und deren Chef Jewgeni Prigoschin. Haben Sie die Entwicklungen der vergangenen Tage kommen sehen?
Nein. Auf mich wirkte Prigoschins Vorstoß eher wie ein intensiver Appell an die Autorität als eine tatsächliche Rebellion. So wird in einem System der Angst oder einem Feudalsystem Politik gemacht. Man erhebt sich, zeigt seine Gefährlichkeit und erhält dann Zugeständnisse. Ich denke, dass Prigoschin den Lauf der Dinge überschätzt hat, und ihm sind die Entwicklungen aus der Hand geglitten. Er hat seine Hand überspielt.
Prigoschins Ziel war also nicht, das Regime anzugreifen, sondern seine Situation innerhalb des Regimes zu verbessern?
Ich denke, das war es, was er anfangs versucht hat. Niemand weiß, was in Prigoschins Kopf vorgeht. Ob er also tatsächlich versuchen wollte, Putin selbst zu stürzen oder diesen nur davon zu überzeugen, Prigoschins Feinde im Verteidigungsministerium – Minister Sergej Schoigu und Generalstabschef Waleri Gerassimow – zu beseitigen. Viele der Wagner-Aktionen der vergangenen Tage sahen ziemlich gut geplant aus.