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TourismusWohnungsnot in Spanien – Ferienunterkünften droht nun das Aus

Massentourismus, Ferienwohnungen und der Mangel an Sozialwohnungen treiben die Obdachlosigkeit in Spanien in die Höhe. Nun sollen Kurzzeitvermietungen in einigen Städten erschwert werden. 11.07.2024 - 16:51 Uhr
Spanien: Laut offiziellen Statistiken ist die Obdachlosenquote seit 2012 um 24 Prozent auf rund 28.000 Menschen gestiegen. Foto: REUTERS

Madrid. Der Rentner Francisco Carrillo ist erleichtert: Nach drei Jahren im Hinterzimmer eines Theaters kann er nun in einer Wohnung in Madrid leben, die ihm von einer Wohltätigkeitsorganisation zur Verfügung gestellt wurde.

Um sich wegen Kehlkopfkrebs in der Hauptstadt behandeln zu lassen, war der 62-Jährige gezwungen, aus Jaen in Südspanien wegzuziehen. Doch die Mietpreise in Madrid waren für ihn nicht bezahlbar. „Heute Nacht werde ich wie ein Baby schlafen“, sagte er nun erleichtert. Carrillo gehört zu einer wachsenden Zahl von Spaniern, die vom Wohnungsmarkt verdrängt wird.

Der Massentourismus und die boomende Nachfrage nach Ferienwohnungen auf Plattformen wie Airbnb oder Booking.com wie auch der Mangel an Sozialwohnungen treiben die Obdachlosigkeit in Spanien in die Höhe. Laut offiziellen Statistiken ist die Obdachlosenquote seit 2012 um 24 Prozent auf rund 28.000 Menschen gestiegen.

Die Krise ist so akut, dass spanische Städte versuchen, die Vermietung von Wohnungen als Ferienunterkünfte einzuschränken oder ganz zu untersagen. Barcelona will ein Verbot für die Vermietung von Ferienwohnungen an Touristen einführen. Bis November 2028 würden die Lizenzen der derzeit 10.101 für Kurzzeitvermietungen genehmigten Wohnungen aufgehoben, kündigte Bürgermeister Jaume Collboni im Juni an.

In Cádiz schloss sich die Bürgerin Eva Orihuela einer lokalen Bewegung an, die sich für ein Verbot von Ferienvermietungen einsetzt, nachdem ihrer 88-jährigen Mutter Maria die Räumung drohte. Der örtliche Fußballverein sprang jedoch ein und kaufte ihr Haus, um es ihr zur bisherigen Miete zu überlassen. Orihuela war erleichtert, dass ihre Mutter weiterhin ein Dach über dem Kopf hat. „Aber es gibt noch viel mehr Marias“, sagt sie.

Auch die Regierung in Madrid will den Druck erhöhen, doch es wird dauern, bis sich etwas ändert. Verbraucherschutzminister Pablo Bustinduy kündigte Anfang Juli an, die Regierung werde die Lizenzen der Anbieter auf Mietplattformen wie Airbnb und Booking.com prüfen.

„Wenn ein Haus keine Lizenz für den Tourismus hat, sollte die Werbung dafür auf Internetplattformen illegal sein und daher bestraft werden“, sagte er dem Sender TVE. Wohnungsbauministerin Isabel Rodriguez erklärte, ein von der Regierung angekündigtes Register für Ferienvermietungen werde frühestens Ende 2025 fertiggestellt sein.

Junge Spanier bleiben im Elternhaus

Laut einem Bericht der Europäischen Kommission hat die Obdachlosigkeit in ganz Europa im letzten Jahrzehnt erheblich zugenommen. Dabei wird das wirkliche Ausmaß des Problems in Spanien dadurch verschleiert, dass junge Menschen wegen der Wohnungsnot bei den Eltern wohnen bleiben. Mehr als 60 Prozent der 18- bis 34-Jährigen leben noch Zuhause.

Bei der Jagd auf eine eigene Wohnung kommt erschwerend hinzu, dass ein großer Mangel an Sozialwohnungen besteht. Der Bestand in Spanien mache nur 1,5 Prozent aller Wohnungen aus, verglichen mit einem europäischen Durchschnitt von neun Prozent, heißt es in dem Bericht weiter.

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Ein Tagesschlafsaal in der Einrichtungen der Wohltätigkeitsorganisation Mundo Justo (Faire Welt), wo Obdachlose in Madrid ihren Tag verbringen können. Foto: REUTERS

Bis zu 48.000 Menschen stehen in Madrid auf der Warteliste für Sozialwohnungen. Diego Lozano vom städtischen Wohnungsamt sagt, die Stadt arbeite daran, ihren Sozialwohnungsbestand bis 2030 auf 15.000 nahezu zu verdreifachen, räumt jedoch ein, dass damit die Nachfrage immer noch nicht gedeckt werde.

Die sozialistische Regierung plant für den öffentlichen Wohnungsbau in den nächsten drei Jahren 184.000 Einheiten. Doch die Bank von Spanien schätzt, dass 1,5 Millionen weitere Wohnungen nötig sind. Das Tempo des Wohnungsbaus mit 90.000 Einheiten pro Jahr hinkt dem Nachfragewachstum hinterher und liegt nach offiziellen Angaben weit unter den 650.000 im Jahr 2008 gebauten Häusern.

rtr
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