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Treibhausgasneutralität bis 2050 Globale Investorengruppe: EU-Klimaziel von 55 Prozent ist das Minimum

Klimaschutz ist für Investoren ein Top-Thema. Jetzt fordern internationale Investoren mehr Ehrgeiz, um eine widerstandsfähigere wirtschaftliche Zukunft zu schaffen.
15.09.2020 - 06:19 Uhr 1 Kommentar
Der Verbrauch fossiler Energien treibt die Erderwärmung voran. Quelle: dpa
Ölförderung in Texas

Der Verbrauch fossiler Energien treibt die Erderwärmung voran.

(Foto: dpa)

Berlin, München Kurz bevor die EU-Kommission ihre Empfehlung für ein neues 2030-Klimaziel vorstellt, fordern globale Investoren, die klimaschädlichen Treibhausgasemissionen gegenüber 1990 um mindestens 55 Prozent zu reduzieren. „Das ist das Mindestmaß an Ehrgeiz, das erforderlich ist, um bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen“, heißt es in einem Papier der Institutional Investors Group on Climate Change (IIGCC), das an diesem Dienstagmorgen veröffentlicht wird und dem Handelsblatt vorliegt.

Die IIGCC vertritt mehr als 250 Mitglieder aus 16 Ländern. Hauptsächlich handelt es sich dabei um europäische Pensionsfonds und Vermögensverwalter, darunter befinden sich auch die Allianz und die Fondsgesellschaft DWS. Das verwaltete Vermögen beläuft sich auf mehr als 33 Billionen Euro.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen wird am Mittwoch einen Vorschlag für ein höheres Emissionsreduktionsziel ankündigen. Das bisherige Reduktionsziel liegt bei 40 Prozent weniger Emissionen im Vergleich zu 1990.

Die Verschärfung des Klimaziels ist ein zentrales Element des Green Deals, den von der Leyen Ende vergangenen Jahres vorstellte. Gleichzeitig formulierte sie das Ziel, Europa zum ersten klimaneutralen Kontinent zu machen

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    Das Ziel sei von entscheidender Bedeutung für die künftige Wettbewerbsfähigkeit und das Wachstum Deutschlands und anderer Mitgliedstaaten, heißt es im Forderungspapier der IIGCC. Ein schwächeres Klimaziel würde nicht das notwendige Marktsignal liefern, um Investoren zu mobilisieren und die notwendigen privaten Gelder bereitzustellen, die zur Finanzierung des Green Deals erforderlich seien. Der IIGCC erinnert daran, dass die EU-Kommission allein im nächsten Jahrzehnt von zusätzlich notwendigen nachhaltigen Investitionen in Höhe von einer Billion Euro ausgeht.

    Politische Gewissheit

    „Die EU hat gezeigt, dass sie versteht, dass Klimaschutz und Wirtschaftswachstum Hand in Hand gehen, und sie hat die volle Unterstützung der Investoren bei der Schaffung einer widerstandsfähigeren wirtschaftlichen Zukunft in allen Mitgliedstaaten“, sagt Stephanie Pfeifer, Chefin der Investorengruppe. 

    Der Privatsektor brauche jedoch politische Gewissheit, um die großen Investitionen freizusetzen, die für sauberes Wachstum und eine klimaneutrale Zukunft als Grundlage einer wirklich nachhaltigen langfristigen Wirtschaftserholung nach der Coronakrise in ganz Europa nötig seien.

    Das Thema Nachhaltigkeit ist für die großen Anlagegesellschaften weltweit schon lange kein Selbstzweck mehr. Eine Reihe von Bündnissen, die sich zu Initiativen bei Umweltschutz, sozialen Standards und guter Unternehmensführung verpflichten, hat sich in den vergangenen Jahren gegründet. Das bekannteste Bündnis ist die 2017 gegründete Task Force for Climate Related Disclosures (TCFD).

    Daneben hat im Herbst des vergangenen Jahres die Net Zero Asset Owner Alliance für Aufsehen gesorgt, die sich unter dem Dach der Vereinten Nationen in New York zusammengeschlossen hatte. Hinter dem sperrigen Namen verbirgt sich eine Gruppe namhafter Investoren wie die Versicherer Allianz, Swiss Re, Munich Re und Axa. Inzwischen zählt die Gruppe etwa 20 Mitglieder, sie verwalten die gewaltige Summe von rund fünf Billionen Dollar.

    In einem nächsten Schritt sind zehn Billionen Dollar das Ziel. „Das wäre ein Fünftel der weltweiten Investments, dann wäre die Marktmacht ausreichend groß“, sagt Allianz-Chefinvestor Günther Thallinger.

    „Die Uhr tickt“

    Die Investorengruppe IIGCC, die nun die Reduktion der Treibhausgasemissionen von mindestens 55 Prozent bis 2030 fordert, ist so etwas wie die kleine europäische Schwester der Asset Owner Alliance. Auch ihr gehören namhafte Großanleger wie die Allianz, BNP Paribas oder Blackrock an.

    Ziel ist es, mit ihrer Marktmacht den energiepolitischen Wandel voranzutreiben. Der große Unterschied zu früheren Zeiten ist allerdings, dass die Finanzbranche nicht mehr nur Forderungen an Unternehmen stellt, in die sie investiert, sondern sich selbst erstmals klare Klimaziele für das Portfolio auferlegt. Auch deshalb, weil sich die Investoren verpflichtet haben, ihr gesamtes Anlageportfolio bis ins Jahr 2050 klimaneutral zu gestalten.

    Für die Finanzinvestoren sind dies gewaltige Herausforderungen. Müssen sie doch beim Umbau in Richtung Klimaneutralität auch weiterhin eine auskömmliche Rendite erwirtschaften.

    Als Aktionär und Anleihezeichner mit Billionen von Anlegergeldern lässt sich allerdings auch sehr viel Druck aufbauen. Gerade weil der Verbund IIGCC für die Allianz eine der größeren Initiativen sei, die man unterstütze, sei man am Erfolg der neuen Initiative zur Reduktion der Treibhausgase sehr interessiert, heißt es dort.

    „Es wird nicht einfach sein, Klimaneutralität zu erreichen, und die Uhr tickt“, sagt Alexander Burr, Leiter Nachhaltigkeit bei Legal & General Investment Management (LGIM). LGIM ist eine Tochter der britischen Versicherung Legal & General und verwaltet ein Vermögen von mehr als einer Billion Euro.

    „Ein Reduktionsziel von 55 Prozent bis 2030 zu setzen ist ehrgeizig, aber jetzt nicht mehr verhandelbar“, so Burr. Das Gleiche gelte für sektorspezifische Pfade zur Klimaneutralität, damit die Unternehmen ihre Strategien darauf ausrichteten und die Investoren Kapital dorthin leiteten. „Die europäischen Entscheidungsträger müssen weiterhin mutige regulatorische Schritte unternehmen und den Regierungen auf der ganzen Welt zeigen, wie man es schaffen kann, die im Pariser Abkommen festgelegten Ziele zu erreichen.“

    Jeden Tag werde deutlicher, wie unsere Gesellschaft von der Klimakatastrophe getroffen werde, meint Roelfien Kuijpers, Leiterin der Abteilung Responsible Investments bei der DWS. „Europa muss vorangehen und seine Ziele und Maßnahmen verstärken, um Wohlstand und Lebensqualität für die kommenden Generationen zu erhalten.“

    MehrDiese Maßnahmen sollen den CO2-Ausstoß in Europa radikal senken.

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    1 Kommentar zu "Treibhausgasneutralität bis 2050: Globale Investorengruppe: EU-Klimaziel von 55 Prozent ist das Minimum"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Diese ominöse Investorengruppe soll nicht soviel reden und von der Politik alles mögliche fordern, sondern es einfach nur machen.
      Die Politik ist i.d.R. wie ein Fähnchen im Wind, stimmungsgetrieben.
      Wenn die Leute eine guten Plan haben dann los.
      Die Faktenlage ist jedenfalls fraglich und komplex. Eine ernsthafte, öffentliche Diskussion wird warum vermieden?
      Klimawandel ist doch keine Erfindung der Menschheit. Wir müssen uns engagieren, unsere Infrastruktur diesem anzupassen und die auftretenden Probleme zu lösen - wie evtl. Wassermangel, steigender Meeresspiegel, etc.
      Das weltweite Klima liese sich - wenn überhaupt - nur global lösen. Hysterie ist fehl am Platze, aber das Thema ist offensichtlich mal wieder dran. Schon mehr als 30 Jahren erzählt uns der Club of Rome was vom bevorstehenden Weltuntergang vom Zusammenbrechen der Klimasysteme - bisher stimmte noch kein einziges Berechnungsmodell. Ich denke hier legt die Politik - mal wieder - falsche Schwerpunkte.

      Naturschutz ist und bleibt wichtig und wir müssen uns überlegen, wie wir mit dem ungebremsten Bevölkerungswachstum weltweit umgehen. Ansonsten erkenne ich in der politischen Landschaft nur die Bestrebungen, mit diesem Thema kurzfristig sich Stimmenvorteile zu verschaffen.

      Ich bin kein Klimaleugner oder AfD-Sympatisant, sondern versuche gesunden Menschenverstand walten zu lassen.

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