Ukraine-Krieg: Ex-General Ryan im Interview: „Es gibt für die Ukraine keine Gebiete, die nicht zurückerobert werden können“
Zwei Mitglieder der ukrainischen Armee neben einem Schild mit der Aufschrift „Region Cherson“ am Stadtrand. Die Ukraine hatte die Region kurz zuvor von den russischen Truppen zurückerobert.
Foto: dpaBerlin. Herr Ryan, die Rückeroberung Chersons durch die Ukraine wird als großer Erfolg gewertet. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einem „historischen Tag“, als sich die Russen auf die östliche Seite des Dnjepr zurückzogen. Welche Schlüsse ziehen Sie aus der Einnahme der Stadt?
Wladimir Putins Annexionserlass aus dem vergangenen September ist gescheitert, das steht nun endgültig fest. Russland ist nicht in der Lage, alle Provinzen zu sichern, wie es dem Dekret zufolge vorgesehen war. Auf politischer Ebene erhöht sich dadurch der Druck auf Putin – insbesondere von Seiten nationalistischer Hardliner, die ihre Kritik immer offener äußern.
Aus militärischer Sicht bestätigt der Erfolg die bisherige Strategie der Ukraine. Durch präzise Raketenangriffe wurden die russischen Transportrouten sowie ihre Kommando- und Kontrollzentren Schritt für Schritt lahmgelegt, während man an der Front durch den Einsatz verschiedener Teilstreitkräfte den Druck hochgehalten hat. Weitere Gebietsgewinne sind mit dieser Taktik möglich.
Aber auch über den neuen russischen Kommandeur Sergej Surowkin lässt sich nun etwas mehr sagen. Der Rückzug wurde den Russen durch die ukrainische Armee aufgezwungen. Die allermeisten russischen Soldaten wären in der Stadt gestorben oder in Gefangenschaft geraten. So aber konnte Russland seine Truppen größtenteils retten. Surowkin scheint dabei etwas fähiger zu sein als seine Vorgänger, denn der Abzug verlief deutlich geordneter als in Charkiw im September. Für die Ukraine ist das eine wichtige Erkenntnis mit Blick auf zukünftige militärische Operationen.