Ukraine-Krieg: Größter russischer Luftangriff auf Ukraine seit Kriegsbeginn
Kiew, Berlin. Russland hat bei den jüngsten Angriffen auf die Ukraine nach Angaben aus Kiew eine beispiellose Anzahl Raketen eingesetzt. „Etwa 110 Raketen wurden gestartet, der größte Teil davon abgeschossen“, schrieb der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski am Freitagmorgen in seinem Telegram-Kanal.
Die Armeeführung sprach später sogar von 158 Drohnen und Raketen. Der ukrainische Oberbefehlshaber Waleryj Saluschnyj sprach von 122 Raketen und Marschflugkörpern sowie von 36 Drohnen. Das Militär berichtete auch, dass die Luftabwehr 27 Drohnen und 87 Marschflugkörper habe abschießen können. Der Angriff erfolgte dabei demnach in mehreren Wellen aus verschiedenen Richtungen und unter Einsatz strategischer Bomber.
Die bisher höchste offiziell gemeldete Zahl russischer Raketen, die an einem Tag auf die Ukraine abgefeuert worden waren, lag bei über 90. Laut Selenski sind die Schäden im zivilen Bereich groß, eine Entbindungsstation, Bildungseinrichtungen, ein Einkaufszentrum und viele private Wohnhäuser seinen getroffen worden, teilte er mit. Die Aussagen unterlegte er mit einem Video, das unter anderem ein völlig zerstörtes Einkaufszentrum zeigte. Die Angriffe trafen das Land nur wenige stunden, nachdem Selenski die Weltgemeinschaft für das nächste Jahr mit Nachdruck zum gemeinsamen Kampf gegen Russlands Aggression aufgerufen hatte.
Bei den Angriffen starben nach ukrainischen Angaben mindestens zwölf Menschen, 75 weitere wurden verletzt, wie ukrainische Medien unter Berufung auf das Innenministerium meldeten. Allein in der Stadt Dnipro gab es fünf Todesopfer unter Zivilisten und mehr als 20 Verletzte, wie die dortige Militärverwaltung mitteilte.
In Kiew setzten herabfallende Trümmer ein Wohnhochhaus in Brand. Laut Stadtverwaltung wurden mehrere Menschen verletzt. Ministerpräsident Denys Schmyhal warf Russland vor, nicht nur die Energieinfrastruktur und Militäreinrichtungen, sondern auch die soziale Infrastruktur ins Visier zu nehmen. So wurde in Dnipro laut den dortigen Behörden auch eine Geburtenklinik getroffen. Alle Patienten und Mitarbeiter konnten sich den Angaben zufolge aber retten.
Auch die Infrastruktur wurde bei den Angriffen beschädigt. Ukrainische Behörden sprachen am Freitagmorgen von Stromausfällen in vier Regionen des Landes. Betroffen davon seien der Norden und Süden des Landes, teilte das Energieministerium mit.