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Unwetter in Spanien„Es gibt Menschen, die mit Leichen zu Hause leben“

Nach dem katastrophalen Unwetter in Ostspanien ist die Zahl der Toten auf mehr als 200 gestiegen. Dutzende Menschen sind eingesperrt – und mancherorts besteht Angst, vergessen zu werden. 01.11.2024 - 14:13 Uhr Artikel anhören
Im spanischen Aldaia laufen die Menschen über zerstörte Fußwege und zwischen aufgetürmten Fahrzeugen. Foto: Rober Solsona/EUROPA PRESS/dpa

Madrid. Die Zahl der Toten nach den Unwettern in Spanien ist nach der Bergung weiterer Leichen am Freitag auf 205 gestiegen. Allein 202 Opfer gebe es in der Mittelmeerregion Valencia im Osten des Landes, teilte der Notdienst der Regionalregierung auf X mit. Dutzende Menschen gelten noch immer als vermisst.

Spaniens Verteidigungsministerin Margarita Robles erklärte im staatlichen Sender RTVE, dass es noch zu früh sei, das ganze Ausmaß der Unwetterkatastrophe abzuschätzen. Es gebe „immer noch Orte, in denen Autos übereinander getürmt sind mit Personen, Familien, die sich darin befinden könnten“.

In die von den Unwettern zerstörten Gebiete will Robles nun noch mehr Soldaten schicken als die bereits eingesetzten 1700. Diese Zahl werde so lange aufgestockt, wie es nötig sei für Rettungs- und Wiederaufbauarbeiten. Betroffen sind vor allem Gemeinden und Orte in der Mittelmeerregion Valencia nahe der gleichnamigen Großstadt.

Nach der Flut: Spanische Gemeinden greifen zu Selbsthilfe

Margarita Robles nannte die Ortschaften Ribarroja, Paiporta und Algemesí, in denen das Militär bisher noch nicht im Einsatz sei und in die nun Kräfte geschickt würden. Es werde keine Grenzen für Ressourcen geben. Eine konkrete Zahl, wie viele zusätzliche Soldaten etwa am Samstag dazukommen sollen, nannte sie nicht.

Die 1700 Soldaten, die aktuell bereits im Einsatz sind, wurden aus ganz Spanien herbeigeholt. „Die Armee wird in allen Ortschaften sein, die Opfer dieser Situation geworden sind“, kündigte die Verteidigungsministerin an. Erste Gemeinden wie Catarroja südlich von Valencia, die immer noch nicht wieder per Straße zu erreichen sind, greifen mittlerweile zur Selbsthilfe, um die Einwohner mit dem Nötigsten versorgen zu können.

Ersthelfer in Catarroja: Hier suchen sie nun nach Todesopfern und Menschen, die noch lebend gerettet werden können. Foto: REUTERS

Auch immer mehr Freiwillige finden sich zusammen, etwa in Valencia. Das berichtet die Zeitung „Las Provincias“. Sie sammeln demnach Spenden, die sie in betroffenen Stadtgebieten verteilen, und helfen mit Geräten ausgerüstet bei den Aufräumarbeiten. In der Stadt haben sich auch erste Anlaufstellen für Menschen gebildet, die aus umliegenden Orten oft schlammbedeckt und zu Fuß über eine Brücke in die Stadt kommen – auf der Suche nach Essen, Trinkwasser oder einem Unterschlupf, wie RTVE berichtete.

In den Medien baten heute auch Betroffene um Hilfe. Immer noch waren Straßen durch Fahrzeuge und Trümmer blockiert, manche Bewohner saßen in ihren Häusern fest. Einige Ortschaften hatten weiterhin keinen Strom, mussten ohne fließendes Wasser und eine stabile Telefonverbindung auskommen.

In Chiva entrümpeln Menschen ein von Überschwemmungen betroffenes Geschäft. Foto: Manu Fernandez/AP/dpa

„Das ist eine Katastrophe“, sagte ein Bewohner von Alfafar, einer der am stärksten betroffenen Städte im Süden Valencias, dem Fernsehsender TVE. „Viele ältere Menschen haben keine Medikamente. Viele Kinder haben nichts zu essen. Wir haben keine Milch, kein Wasser.“

Bewohner von Gemeinden wie Paiporta, wo mindestens 62 Menschen ums Leben kamen, und Catarroja nahmen kilometerlange Fußmärsche auf sich, um Lebensmittel zu besorgen. Bewohner von weniger schwer getroffenen Gebieten unterstützten die Flutopfer mit Wasser, Nahrung oder Schaufeln zum Entfernen des Schlamms.

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Feuerwehrleute an der Grenze zwischen Benetusser and Alfafar: Ein Tunnel ist durch Trümmer und Autos blockiert. Foto: Getty Images

Der Bürgermeister von Alfafar, Juan Ramón Adsuara, sagte, die Hilfe reiche bei Weitem nicht aus. „Es gibt Menschen, die mit Leichen zu Hause leben. Es ist sehr traurig. Wir organisieren uns, aber uns geht alles aus“, sagte er. „Wir fahren mit Lieferwagen nach Valencia, kaufen ein und kommen zurück, aber hier werden wir völlig vergessen.“

In den sozialen Medien organisierten Menschen die Hilfe selbst. Einige veröffentlichten Bilder von Vermissten in der Hoffnung, Informationen über ihren Verbleib zu erhalten, andere starteten Initiativen wie „Suport Mutu“ (gegenseitige Unterstützung). Damit sollten Hilfegesuche die Menschen erreichen, die Hilfe anbieten. Wieder andere organisierten im ganzen Land das Sammeln von Gütern des täglichen Bedarfs oder starteten Spendenaktionen.

dpa, ap
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