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Tiny House

Urlaub im fahrbaren Minihaus: Das liegt etwa in der Türkei voll im Trend.

(Foto: dpa)

Urlaub 2021 Zwischen Tiny House und Luxus-Refugium: Der neue Tourismus nach Corona

Ferienhaus statt Bettenburg: In Urlaubsländern am Mittelmeer zeigt sich schon jetzt, was Urlauber nach der Pandemie wollen. Die Touristikbranche wartet mit neuen Konzepten auf.
13.05.2021 - 12:25 Uhr Kommentieren

Istanbul, Athen, Paris, Madrid Neuinfektionen, Quarantäne, Ausgangssperre: Wer ist nach 15 Monaten Pandemie und Dauer-Lockdowns nicht urlaubsreif? Die Tourismusbranche, die durch den Corona-Crash in Existenznöte geraten ist, hofft jedenfalls auf einen Post-Covid-Boom. 

Anzeichen dafür gibt es: Die Flugbuchungen ziehen zum Beispiel wieder an. Doch die Corona-Pandemie hat die Urlaubsgewohnheiten von Millionen Menschen auf der Welt nachhaltig verändert. Finca statt Ballermann?

Beispiele aus vier Urlaubsländern zeigen, was Feriengäste jetzt wollen – und wie die Reisebranche darum kämpft, einen neuen Milliardenmarkt aufzubauen.

Frankreich

Sophie Gouraud hat keine Sorge, dass ihr das Coronavirus die Sommersaison verdirbt. „Auf dem Frankreichmarkt ist mehr als die Hälfte unserer Häuser für den Sommer schon vermietet“, erklärt die Frankreichchefin der internationalen Gruppe OYO Vacations Homes, zu der die Marke Belvilla gehört.

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    Seit dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 explodiert die Nachfrage für ganz neue Urlaubskonzepte in Frankreich. Statt eines Hotelklubs wünschen nun viele Gäste eine Privatvilla mit Zusatzservices. Der Trend geht vom Hotel zum Luxus-Airbnb. Gefragt sind Häuser mit Pool und Barbecue, die auch noch Hotelservice bieten. 

    Die Franzosen waren schon immer Fans von Ferienhäusern, nun verstärkt sich diese Tendenz. Seit dem vergangenen Jahr sind Häuser in den Bergen, auf dem Land und am Meer gefragt.

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    „Neu ist, dass 80 Prozent der Reservierungen von Franzosen sind“, erklärt OYO-Managerin Gouraud. Vorher seien es nur 50 Prozent gewesen.

    Auch die Luxushotel-Gruppe Relais & Châteaux folgt dem Trend und bietet 500 Adressen mit Hotelservice in aller Welt an. „Die Kunden haben hier denselben Service wie in unseren Hotels“, erklärt Philippe Gomberg, Präsident der Gruppe.

    Häuser in der Natur, mit atemberaubendem Ausblick auf Meer und Berge oder dem Charme der jeweiligen Region seien angesagt. Und nicht nur das: Zum Service solcher Luxus-Refugien gehören DJs, Fotografen für die Ferienfotos, Köche, Surf- oder Yogakurse. Das Angebot reicht im Sommer von charmanten Häusern für 2000 Euro bis zu Luxusvillen für 25.000 Euro die Woche.

    Spanien

    Der klassische Spanienurlauber lässt sein Geld nicht mehr nur Hotels in Marbella, auf Gran Canaria oder am Ballermann. Sondern auch auf einem kleinen Zeltplatz mitten in der katalanischen Provinz.

    „Zu Ostern war der Nationalpark Delta del Ebro in Katalonien bereits übersät mit Campingwagen“, sagt Oriol Anguera-Torrell, Dozent und Tourismus Forscher an der Universität von Barcelona. „Die Branche wird in diesem Sommer sicher zu 100 Prozent ausgelastet sein.“

    Während die Zahl der Übernachtungen im vergangenen Jahr in Spanien insgesamt um 69 Prozent gegenüber 2019 einbrach, sind sie in Herbergen auf dem Land nach Angaben des Nationalen Statistik-Instituts (INE) nur um 46 Prozent gesunken. Experten gehen davon aus, dass die Trendverschiebung Bestand hat. „Touristen suchen jetzt Sicherheit und Vertrauen“, sagt Oriol Anguera-Torrell von der Universität Barcelona.

    Der Experte geht davon aus, dass sich der Tourismus auf dem Land und in den klassischen Urlaubsdestinationen schneller erholen wird als in den großen Städten. Dort machen einige Hotels aus der Not eine Tugend und vermieten ihre Zimmer monatsweise – inklusive Reinigungsservice für die Zimmer, Parkplatz, Fitnessstudio oder Pool.

    Ein Beispiel ist die Hotelkette Silken, die Zimmer unter dem Schlagwort „Co-living“ anbietet. Die Preise variieren zwischen 750 und 1500 Euro pro Monat.

    Die Experten der Business and Tourism School CESAE in Madrid gehen davon aus, dass in diesem Jahr auch das Luxussegment deutlich profitieren wird. „Die Kunden werden bereit sein, mehr für private Dienstleistungen, exklusive Produkte und Vorteile zu bezahlen, die den Kontakt mit anderen Gästen oder Passagieren reduzieren.“

    Währenddessen locken die Balearen, ein klassisches Urlaubsziel der Deutschen, Urlauber in diesem Sommer mit einer Covid-Versicherung, die die Kosten für eine verspätete Heimreise übernimmt, falls sich Touristen auf den Balearen mit dem Virus anstecken und in Quarantäne müssen. Die Kosten für die Versicherung übernehmen die Balearen.

    Griechenland

    In diesem Jahr hofft die Branche, die Besucherzahlen gegenüber dem Vorjahr zu verdoppeln.

    Allerdings waren die Einnahmen aus dem Fremdenverkehr in Griechenland 2020 auch von 18,2 Milliarden auf 4,3 Milliarden Euro gesunken. Beim Comeback sollen neue Konzepte helfen. Jetzt komme es darauf an, „ein Konzept zur umfassenden Nachhaltigkeit des griechischen Tourismus zu entwickeln“, meint Yiannis Retsos, Präsident des Verbandes der griechischen Tourismusunternehmen (Sete).

    Griechenland müsse seine spezifischen Stärken als Reisedestination stärker hervorheben, meint auch Ioanna Dretta, Chefin von Marketing Greece, einer von Sete und anderen Tourismusverbänden getragenen PR-Initiative. „Der Fokus wird in der Post-Covid-Ära auf einer Individualisierung des Urlaubs liegen, auf Freizeitaktivitäten und auf weniger bekannten, noch nicht erkundeten Orten“, sagt Dretta.

    Die Urlauber kehren nach der Pandemie dem Massentourismus den Rücken. Quelle: mauritius images / Gaia Moments / Alamy
    Ferienhaus-Idyll in Griechenland

    Die Urlauber kehren nach der Pandemie dem Massentourismus den Rücken.

    (Foto: mauritius images / Gaia Moments / Alamy)

    Dass der Trend von den großen Bettenburgen weg zu individuelleren Konzepten geht, spürt man auch in der griechischen Immobilienbranche. Makler berichten von steigender Nachfrage nach Ferienimmobilien. „Viele frühere Luxushotel-Urlauber liebäugeln jetzt mit einer eigenen Immobilie“, sagt Georg Petras, Griechenlandchef des deutschen Vermittlers Engel & Völkers. Auch Renditeobjekte sind zunehmend gefragt: Ausländische Käufer investieren jetzt massiv in griechische Ferienimmobilien, die sich für Kurzzeitvermietungen eignen.

    Die Pandemie habe viele Urlauber „zu klugen Reisenden gemacht“, die bei der Auswahl ihrer Destination Umweltgesichtspunkte einbeziehen, sagt Randy Durband, Chef des Global Sustainable Tourism Council. Vor allem Urlauber der Altersgruppe unter 35 achten bei der Hotelbuchung zunehmend auf die Aspekte Nachhaltigkeit und Klimaschutz, meint Durband. „Grüne Geschäftspraktiken“ und Profitabilität seien keineswegs unvereinbar, unterstreicht Eleni Andreadis, die in der griechischen Hotelgruppe Sani-Ikos für nachhaltiges Wirtschaften zuständig ist.

    Türkei

    Die Türkei ist weltweit bekannt für große Hotels an langen Sandstränden. Und die großen Bettenburgen an der Riviera standen 2020 monatelang leer. Mit der Pandemie hat sich nun die „Tiny-House“-Bewegung durchgesetzt: Urlaub in Miniferienhäusern auf einem Anhänger, mit denen man an fast jedem Ort übernachten kann.

    Türkische Hersteller solcher Häuschen berichten, dass sie kaum noch mit der Produktion nachkommen. Galip Önmez, Chef des Minihausbauers Yako Groups, erklärt, bis 2017 habe er nur sporadische Bestellungen erhalten. „Wenn ich das Pandemiejahr 2020 mit den Vorjahren vergleiche, liegt die Nachfrage jetzt mindestens 20-mal höher.“

    Die für das Land wichtigen Deviseneinnahmen aus dem Tourismus sind im Jahr 2020 um zwei Drittel auf rund zwölf Milliarden Dollar gesunken. Die Zahl der Touristen sank um über 70 Prozent. Auch konnten Türkinnen und Türken wegen der weltweiten Restriktionen nicht ins Ausland reisen.

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    Stattdessen kauften sie Grundstücke im eigenen Land und lösten einen Immobilienboom aus. Selbst die Kaufpreise für Äcker ohne Baugenehmigung haben sich teilweise verdreifacht. Ein Haus darf man auf diesen landwirtschaftlichen Flächen nicht bauen – ein Tiny House auf einem Anhänger montiert darf da schon stehen.

    Die Kaufpreise für die rund 15 Quadratmeter großen Minihäuser sind entsprechend gestiegen. Je nach Ausstattung werden in der Türkei umgerechnet zwischen 15.000 und 30.000 Euro dafür fällig. Viele würden mit dem Ziel investieren, das eigene Tiny House später zu vermieten, sagt Önmez. „Wir glauben, dass Tiny Houses ein wichtiger Bestandteil des türkischen Tourismus werden.“

    Mehr: Urlaub von der Pandemie – welche Länder bald die Einreise erleichtern.

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