Weltwirtschaft: IWF will bei nächsten Schulden-Gesprächen Zeitpläne diskutieren
Sao Paulo. Der Internationale Währungsfonds (IWF) will nach den Worten seiner Chefin Kristalina Georgieva bei der nächsten Gesprächsrunde über Staatsschulden im April die Zeitpläne und Planung von Umschuldungsprozessen in den Mittelpunkt stellen.
Georgieva sagte der Nachrichtenagentur Reuters vor dem Treffen der G20-Finanzminister, sie hoffe auf Fortschritte in dieser Frage, wenn der Runde Tisch, dem Schuldnerländer sowie Gläubiger angehören, im April während der Frühjahrstagung des IWF und der Weltbank in Washington zusammenkomme. Die Teilnehmer des Gremiums arbeiteten daran, bestimmte Schritte in einem Umschuldungsprozess zu definieren und dann eine „maximale Zeit“ für den Abschluss dieser Schritte festzulegen.
Trotz der langen Verzögerungen bei den laufenden Umschuldungsprozessen sieht Georgieva einige Fortschritte. So befinde sich Sambia in den letzten Zügen seiner Vereinbarung mit den Gläubigern und auch Ghana komme voran, ebenso wie Länder wie Sri Lanka, die nicht unter den Gemeinsamen Rahmen der G20 fielen.
Andere Länder, die eine Umstrukturierung benötigten, aber keine im Rahmen des Gemeinsamen Rahmens beantragt hätten wie Malawi, verzeichneten verbesserte Bedingungen und ein konstruktives Engagement Chinas, des weltweit größten staatlichen Gläubigers.
„Auch die finanziellen Bedingungen haben sich weltweit verbessert“, sagte Georgieva. Die Elfenbeinküste, Benin und andere Länder fänden bessere Bedingungen auf den Märkten vor als zuvor. Ziel sei es nun, auf dem Engagement der wichtigsten Gläubiger aufzubauen und „dieses Engagement produktiver zu machen“.
IWF-Chefin erwartet Abschluss der Kreditprüfung in Ägypten in Wochen
Der IWF hat zudem mit den ägyptischen Behörden bei der Überprüfung seines drei Milliarden Dollar schweren Kreditprogramms wichtige Fragen geklärt. Deshalb dürfte innerhalb weniger Wochen ein aufgestocktes Finanzierungspaket beschlossen werden, sagte Georgieva am Dienstag in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters am Rande eines G20-Treffens der Finanzminister in Brasilien. Georgieva machte keine Angaben zur Krediterhöhung, die Ägypten erwarten kann. Die Details würden noch ausgearbeitet. Die Gespräche seien „sehr konstruktiv“ gewesen.
Auf die Frage nach Medienberichten, wonach der IWF den Umfang des ägyptischen Darlehens in Höhe von drei Milliarden Dollar auf bis zu zwölf Milliarden Dollar aufstocken könnte, sagte Georgieva: „Wissen Sie, es ist nichts falsch daran, groß zu denken“. Georgieva verwies auf zusätzliche Herausforderungen für Ägypten durch den Krieg im Gazastreifen und die Unterbrechung des Schiffsverkehrs im Roten Meer. „Die Bedingungen haben sich nicht durch die Schuld Ägyptens verschlechtert, sondern durch einen exogenen Schock“, sagte sie. Ägyptens Wachstumsprognose für 2024 wurde vor kurzem um 0,6 Prozentpunkte auf drei Prozent gesenkt.
Georgieva wies darauf hin, dass der Verkehr im Suezkanal, der Ägypten früher 700 Millionen Dollar pro Monat einbrachte, um 55 bis 60 Prozent zurückgegangen sei. Der Tourismus sei rückläufig und Ägypten habe mit einem Zustrom von Flüchtlingen aus Somalia und dem Sudan zu kämpfen. „Die Stabilität Ägyptens ist nicht nur für Ägypten, sondern für den gesamten Nahen Osten von Bedeutung“, sagte sie. Ägyptens Ankündigung vom Freitag, dass die Vereinigten Arabischen Emirate 35 Milliarden Dollar in die Entwicklung eines wichtigen Abschnitts seiner Mittelmeerküste investieren wollen, sei ein „sehr positives Zeichen“, fügte sie hinzu. Der IWF werde auch Mittelzuflüsse aus anderen Quellen in Betracht ziehen, um Ägyptens Finanzierungslücke zu schließen.