Industrie: „Europas Industrieregionen verlieren, Asiens Städte gewinnen“
Düsseldorf. Herr Beckert, mit dem sogenannten „Ende der Geschichte“ und der Wandlung vieler Staaten zu Demokratien schien sich auch das Zusammenspiel von Demokratie und Kapitalismus als die dominante Gesellschaftsform verfestigt zu haben. Doch gerade sind autoritäre Systeme die erfolgreicheren Kapitalisten. War das Zusammenspiel von Demokratie und Kapitalismus nur eine Momentaufnahme?
Die seit den 1950er-Jahren populäre Vorstellung, dass sich Kapitalismus und Demokratie zwangsläufig gegenseitig befördern, war ein attraktives, aber naives Narrativ – und sehr eurozentriert.
Inwiefern?
Wenn man die Geschichte des Kapitalismus über längere Zeiträume betrachtet, ist sie sehr viel komplizierter. Wir sehen im Kapitalismus zunächst einmal große Vielfalt, zum Beispiel die unterschiedlichsten Formen von Arbeit – Lohnarbeit, Sklaverei und andere –, ebenso sehr verschiedene territoriale Ordnungen: Stadtstaaten der frühen Neuzeit, Imperien des 18. und 19. Jahrhunderts, großflächige Nationalstaaten im 20. Jahrhundert, später wieder Kleinstaaten. Ähnlich vielfältig sind die politischen Formen, unter denen der Kapitalismus sich entwickelt hat . Dazu gehörten zeitweise auch die liberal verfasste Gesellschaft und die demokratische Ordnung.