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  4. Arbeitslosenquote Februar: Zahl der Arbeitslosen steigt auf 2,62 Millionen

ArbeitsmarktZahl der Erwerbstätigen steigt auf mehr als 45 Millionen

Trotz der geopolitischen Risiken erweist sich der Arbeitsmarkt in Deutschland robust. Die Arbeitslosenquote bleibt stabil bei 5,7 Prozent.Frank Specht 01.03.2023 - 13:03 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Die Zahl der Arbeitslosen ist im Januar gegenüber dem Vormonat um 162.000 auf gut 2,6 Millionen gestiegen, wie die BA am Dienstag in Nürnberg mitteilte.

Foto: dpa

Berlin. Ohne Zuwanderer würde die Beschäftigung in Deutschland kaum noch wachsen. Der erfreuliche Zuwachs bei der Zahl der Erwerbstätigen gehe zu mehr als 95 Prozent auf Migranten zurück, sagte die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), Andrea Nahles, am Mittwoch bei der Präsentation der Arbeitsmarktdaten.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden im Januar 45,57 Millionen Erwerbstätige gezählt – 454.000 mehr als im Vorjahresmonat. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten lag im Dezember bei 34,73 Millionen, das waren nach Hochrechnungen der BA 446.000 mehr als vor einem Jahr.

Inländer haben zum Wachstum der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nur mit 14.000 Personen beigetragen. „Wenn wir inländische Potenziale motivieren wollen, dann müssen wir da noch mal mehr Kraft reinstecken“, sagte Nahles. Stellschrauben sind beispielsweise die nach wie vor hohe Teilzeitquote vor allem bei Frauen oder die Erwerbsbeteiligung Älterer.

„Im Inland bleibt zu viel Potenzial liegen – das darf nicht so bleiben“, kritisierte Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger. Die abschlagsfreie Rente ab 63 sollte sofort abgeschafft und das Renteneintrittsalter an die steigende Lebenserwartung gekoppelt werden, forderte er. „Eine flächendeckende und hochwertige Ganztagsbetreuung in Kitas und Schulen muss Priorität für die Politik werden, damit mehr Eltern wieder in Vollzeit arbeiten können.“

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Ausländer hat sich laut BA um 424.000 oder neun Prozent auf 5,13 Millionen erhöht. Der Beschäftigungszuwachs der Ausländer entfällt dabei zu 305.000 auf sogenannte Drittstaaten und zu 120.000 auf den Europäischen Wirtschaftsraum, einschließlich der Schweiz. Bei den Drittstaaten kommen die meisten Erwerbsmigranten aus Indien, der Türkei und Russland.

Mehr Perspektive für qualifizierte Fachkräfte

Große Wachstumsbeiträge bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung kommen aus den Ländern der EU-Osterweiterung mit 102.000 zusätzlichen Erwerbstätigen, den osteuropäischen Drittstaaten mit allein 70.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigten Ukrainerinnen und Ukrainern, den wichtigsten Asylherkunftsländern mit 59.000 Personen und aus den Westbalkanstaaten mit 48.000 Personen.

Ohne die ukrainischen Geflüchteten hätte die Arbeitslosigkeit im Vorjahresvergleich nur geringfügig zugenommen.

Foto: IMAGO/ZUMA Wire

„Diese Zahlen unterstreichen, dass schon heute ein Großteil der neuen sozialversicherungspflichtigen Stellen mit ausländischen Fachkräften besetzt wird“, sagte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD).

Deshalb werde die Bundesregierung mit dem neuen Fachkräfteeinwanderungsgesetz noch mehr qualifizierten Fachkräften als bisher in Deutschland eine Perspektive bieten. Das Kabinett soll noch im März über den Entwurf für die Einwanderungsreform abstimmen.

Nahles dämpfte aber Erwartungen, dass geflüchtete Ukrainer – es handelt sich zum größten Teil um Frauen – Deutschlands Fachkräfteproblem lösen können. Sie hoffe weiter, dass die Geflüchteten ihre Heimat nicht verlören und irgendwann zurückkehren könnten, sagte Nahles. Man dürfe die Fluchtbewegung „nicht nur aus den Nützlichkeitserwägungen Deutschlands“ diskutieren, betonte die BA-Chefin.

Insgesamt ist die Nachfrage nach Arbeitskräften seit vergangenem Frühsommer zwar laut BA leicht zurückgegangen. Dennoch liege der Personalbedarf nach wie vor auf einem hohen Niveau. Im Februar waren bei der Bundesagentur 778.000 offene Stellen gemeldet, 44.000 weniger als vor einem Jahr.

„Insgesamt zeigte sich der Arbeitsmarkt trotz der angespannten wirtschaftlichen Situation beständig“, sagte Nahles weiter. So ist die Zahl der Arbeitslosen im Februar leicht auf 2,62 Millionen gestiegen. Das seien 4000 mehr als im Januar und 192.000 mehr als vor einem Jahr, teilte die BA mit. Die Quote blieb stabil bei 5,7 Prozent. In der aktuellen Statistik wurden Daten bis zum 13. Februar berücksichtigt.

Lieferkettenprobleme führen zu Kurzarbeit

Ohne die ukrainischen Geflüchteten hätte die Arbeitslosigkeit im Vorjahresvergleich nur geringfügig zugenommen. Auch der geringfügige Anstieg der Unterbeschäftigung ist vor allem darauf zurückzuführen, dass hier ukrainische Geflüchtete berücksichtigt werden, die an Integrationskursen teilnehmen.

Lesen Sie hier mehr zum Thema Fachkräfte und Zuwanderung

Die Zahl der Unterbeschäftigten umfasst neben den registrierten Arbeitslosen auch Personen, die zwar dem Arbeitsmarkt grundsätzlich zur Verfügung stehen, aber aktuell beispielsweise an Fördermaßnahmen teilnehmen oder erkrankt sind.

Die Kurzarbeit ist zuletzt im Zuge der wirtschaftlichen Belastungen in Deutschland wieder gestiegen. Die aktuellsten Daten, wie viele Beschäftigte Kurzarbeitergeld in Anspruch nahmen, liegen bis Dezember 2022 vor: Nach hochgerechneten Daten der Bundesagentur erhielten in diesem Monat 183.000 Menschen Kurzarbeitergeld. Vom 1. bis 23. Februar zeigten Unternehmen für 61.000 Beschäftigte Kurzarbeit an. Erfahrungsgemäß liegt die Zahl derer, die dann tatsächlich in Kurzarbeit gehen, niedriger.

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Der wichtigste Grund für die Inanspruchnahme von Kurzarbeit seien Lieferkettenprobleme, sagte Nahles. Man sehe aber alles in allem keine dramatische Entwicklung. Zuletzt gab es Kritik am Autohersteller Mercedes, der trotz eines Rekordgewinns Kurzarbeit für sein Bremer Werk beantragt hat.

Das Bundeskabinett hatte Ende vergangenen Jahres den erleichterten Zugang zum Kurzarbeitergeld per Verordnung bis Ende Juni dieses Jahres verlängert. Auf die Frage, ob sie dies angesichts der wirtschaftlichen Erholung und der Gefahr von Mitnahmeeffekten für notwendig halte, sagte Nahles: „Das ist eine politische Entscheidung, die wir umsetzen.“

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