Beschäftigung: Arbeitslosigkeit in Deutschland dürfte weiter steigen
Berlin. Auf dem deutschen Arbeitsmarkt ist keine Wende zum Besseren in Sicht. Darauf deuten Indikatoren des Münchner Ifo-Instituts und des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hin. „Die Lage am Arbeitsmarkt bleibt schwierig“, sagt Ifo-Ökonom Klaus Wohlrabe. „Die Arbeitslosigkeit wird wohl weiter leicht ansteigen.“
Das Ifo-Beschäftigungsbarometer sank im März auf 92,7 Punkte – nach 93,0 Zählern im Februar. Der Indikator beruht auf den Personalplanungen von rund 9000 Unternehmen und wird monatlich exklusiv für das Handelsblatt berechnet.
Insbesondere die Industrie baut weiter Arbeitsplätze ab. Nach Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) gab es im Dezember im verarbeitenden Gewerbe 105.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse weniger als ein Jahr zuvor.
Metallbranche baut in großem Stil Personal ab
Die Metall- und Elektroindustrie klagt über eine unverändert schlechte Auftragslage und eine weiter geringe Auslastung. Allein in der industriellen Schlüsselbranche sind seit September 2023 – dem Höchststand seit der Coronakrise – mehr als 100.000 Arbeitsplätze verloren gegangen. Jedes zweite Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie will seine Investitionen in Deutschland weiter reduzieren, fast ein Drittel rechnet laut Dachverband Gesamtmetall mit weiterem Personalabbau.
Auch die Dienstleister sind noch vorsichtiger bei der Personalplanung geworden, tendenziell wollen mehr Firmen Stellen streichen als neue Mitarbeiter einstellen. Gleiches gilt im Handel, auch wenn sich die Stimmung in den Personalabteilungen dort im Vergleich zum Vormonat etwas verbessert hat. Das Baugewerbe plant laut Ifo vorerst keine größeren Änderungen im Personalbestand.
Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland lag im Februar nur noch knapp unter der Marke von drei Millionen. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wächst kaum noch, und die Chancen, Arbeitslosigkeit durch die Aufnahme eines neuen Jobs zu beenden, sind so schlecht wie selten zuvor.
Entsprechend skeptisch beurteilen auch die regionalen Arbeitsagenturen in Deutschland die Lage. Auf ihren Einschätzungen beruht das monatliche IAB-Arbeitsmarktbarometer. Es ist im März zum siebten Mal in Folge gesunken – um 0,3 Punkte auf 98,2 Zähler.
Die Nürnberger Experten gehen von einer weiter steigenden Arbeitslosigkeit aus. „Perspektivisch stehen große Investitionspakete im Raum, aber die Arbeitsmarktaussichten für die nächsten Monate sind trüb“, sagt IAB-Experte Enzo Weber mit Blick auf die von Union und SPD auf den Weg gebrachten Schulden- und Infrastrukturpakete.
Die Beschäftigungskomponente des Arbeitsmarktbarometers ist erstmalig außerhalb der Zeit der Coronapandemie unter die neutrale Marke von 100 Punkten gerutscht, was auf ein Ende des Beschäftigungsbooms hindeutet. „Die Arbeitsagenturen gehen aktuell nicht mehr davon aus, dass die Beschäftigungsgewinne in Bereichen wie Pflege oder Erziehung die Verluste der Industrie überkompensieren werden“, sagt Weber.