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KonjunkturDeutsche Industrie verzeichnet erneut ein Auftragsminus

Der schwelende Zollstreit belastet die deutsche Industrie weiterhin. Allerdings sorgen auch Entwicklungen in Deutschland für Probleme in der Branche. 06.08.2025 - 10:21 Uhr Artikel anhören
Die Bestellungen fielen um 1,0 Prozent niedriger aus als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Foto: dpa

Berlin. Erneuter Rückschlag für die deutsche Industrie: Das Neugeschäft schrumpfte im Juni wegen der sinkenden Auslandsnachfrage und fehlender Großaufträge überraschend den zweiten Monat in Folge. Die Bestellungen fielen um 1,0 Prozent niedriger aus als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten dagegen einen Anstieg von 1,0 Prozent erwartet.

Bereits im Mai hatte es einen Rückgang von revidiert 0,8 (zuvor: 1,4) Prozent gegeben. „Die Gefahr besteht nun, dass sich mit den US-Zöllen weiter Gegenwind für die deutsche Industrie aufbaut“, warnte Commerzbank-Ökonom Vincent Stamer.

Die ab Donnerstag geltenden neuen US-Zölle von 15 Prozent auf Importe aus der Europäischen Union verteuern Waren „Made in Germany“ beim wichtigsten Exportkunden der deutschen Wirtschaft.

Im Juni wuchs zwar das Inlandsgeschäft um 2,2 Prozent. Dafür kamen aus dem Ausland 3,0 Prozent weniger Bestellungen an, wobei die Bestellungen aus den nicht zur Euro-Zone gehörenden Ländern um 7,8 Prozent einbrachen. „Das könnte bereits ein Indiz für die schädliche Wirkung der US-Zölle für deutsche Exporte sein“, sagte Stamer.

Allerdings sehen Experten nicht nur schwarz. „Es kann davon ausgegangen werden, dass die Industrie ihren Boden gefunden hat“, sagte der Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Privatbank, Alexander Krüger. So fällt die Bilanz im gesamten zweiten Quartal positiv aus: Der Auftragseingang lag von April bis Juni um 3,1 Prozent höher als in den ersten drei Monaten des Jahres.

Auch strukturelle Probleme belasten die Branche

Große Sprünge seien auch wegen struktureller Probleme nicht drin, sagte Krüger. Die deutsche Wirtschaft sieht sich durch teure Energie, eine hohe Steuer- und Abgabenlast sowie Bürokratie im internationalen Wettbewerb benachteiligt.

Die ab Donnerstag geltenden neuen US-Zölle von 15 Prozent auf Importe aus der Europäischen Union verteuern Waren „Made in Germany“ beim wichtigsten Exportkunden der deutschen Wirtschaft. Foto: dpa

Die Fondsgesellschaft Union Investment hält die Aussichten für die deutsche Industrie dennoch für besser als in den vergangenen Jahren. „Die Rahmenbedingungen in Europa verbessern sich“, sagte Chefökonom Michael Herzum. „Infrastrukturinvestitionen, Steuererleichterungen und Bürokratieabbau sowie Rüstungsinvestitionen dürften dem Wachstumspotenzial in Europa und insbesondere in Deutschland guttun.“

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Einen besonders starken Auftragseinbruch meldete im Juni der sonstige Fahrzeugbau, zu dem Flugzeuge, Schiffe, Züge und Militärfahrzeuge gehören: Hier fiel das Neugeschäft um 23,1 Prozent niedriger aus als im Vormonat. Auch die Rückgänge der Bestellungen in der Automobilindustrie (-7,6 Prozent) und bei den Herstellern von Metallerzeugnissen (-12,9 Prozent) beeinflussten das Gesamtergebnis negativ. Positiv wirkte sich hingegen der Anstieg bei den Herstellern von elektrischen Ausrüstungen (+23,5 Prozent) aus.

Zuletzt hellte sich das Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe auf, wie das Ifo-Institut bei seiner Juli-Umfrage herausfand. „Die Firmen bewerten ihre aktuelle Lage als merklich besser“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. „Auch ihre Erwartungen hellten sich weiter auf.“ Der Auftragsentwicklung fehle es aber weiterhin an Schwung. Trotz der jüngsten Auftragsflaute ist der Umsatz im Verarbeitenden Gewerbe im Juni gestiegen. Er legte inflationsbereinigt um 0,9 Prozent zum Vormonat zu. Für Mai wurde ein Rückgang von 1,8 Prozent gemeldet.

rtr
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