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Coronakrise US-Arbeitslosenquote sinkt – doch im Mittelstand rollt die Pleitewelle los

Der Jobmarkt in den USA sendet uneinheitliche Signale: Er zeigte sich zuletzt stärker als erwartet. Dennoch sind viele Unternehmen in Gefahr. Ökonomen und Investoren drängen auf neue Staatshilfen.
07.08.2020 - 15:44 Uhr Kommentieren
Die Arbeitslosenquote in der Stadt liegt bei 18,3 Prozent und damit mehr als vier Mal so hoch als vor der Krise. Quelle: AFP
New York City

Die Arbeitslosenquote in der Stadt liegt bei 18,3 Prozent und damit mehr als vier Mal so hoch als vor der Krise.

(Foto: AFP)

Denver, Washington Der Arbeitsmarkt ist im Juli stärker gewachsen als von Experten erwartet. 1,8 Millionen neuen Jobs wurden geschaffen, die Arbeitslosenquote fiel auf 10,2 Prozent, wie die Regierung am Freitag mitteilte. Doch es geht langsamer mit der Erholung voran als noch im Juni.

Sie ist gedämpft, weil eine ganze Reihe von Bundesstaaten die Öffnung der Wirtschaft wieder zurückschrauben musste. Bars und Fitness-Studios mussten zum Beispiel in Kalifornien, dem größten Bundesstaat des Landes, wieder schließen. Weitere Einschränkungen könnten in den kommenden Wochen an vielen Orten folgen.

Die USA steuern auf fünf Millionen gemeldete Corona-Infektionen zu. Damit leben mehr als ein Viertel der 18,4 Millionen international positiv getesteten Menschen im reichsten Industrieland der Welt. Noch immer ist unklar, ob der US-Kongress ein fünftes Konjunkturpaket verabschieden wird.

Seit März hat der Kongress rund 2,5 Billionen US-Dollar bewilligt, um die Wirtschaft anzukurbeln. Das aktuelle Paket soll zwischen einer Billion und drei Billionen US-Dollar kosten. Ökonomen und Anleger würden das begrüßen. Schließlich ist die Wirtschaft noch weit von den guten Zeiten vor Ausbruch der Pandemie entfernt. Allein im März und April wurden aufgrund des Shutdowns 22 Millionen Jobs vernichtet.

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    Kleine Läden und Restaurants gehen pleite

    Während Washington um frische Hilfen ringt, zeichnen sich langfristige Schäden der Pandemie ab. Besonders stark sind kleine und mittelständische Unternehmen betroffen. Gerade in New York, Amerikas größter Metropole, sind die Folgen besonders deutlich spürbar.

    Über 2800 Unternehmen in New York City haben seit Anfang März dauerhaft geschlossen, zeigt eine Studie des Bewertungsportales Yelp. Das sind so viele wie in keiner anderen Stadt. Etwa die Hälfte der Schließungen gibt es in Manhattan, wo Bürogebäude seit Monaten leer stehen und damit auch die Kunden wegbleiben.

    Die Wohlhabenden sind schon vor Monaten in ihre Ferienhäuser geflüchtet. Touristen bleiben aus: Sie gehen in diesem Jahr lieber zelten oder bleiben zu Hause. Besucher aus Übersee dürfen aufgrund der Reisebeschränkungen ohnehin nicht ins Land.

    Der Bank Street Bookstore, eine der letzten verbleibenden Kinderbuchhandlungen der Stadt, gibt Ende des Monats auf. 50 Jahre war die Buchhandlung an der 107. Straße im Geschäft, überlebte eine Reihe von Krisen, doch Corona ist anders. Der Shutdown Mitte März „gepaart mit den Herausforderungen und den Kosten, die mit den Abstandsregelungen verbunden sind, haben uns zu dieser schwierigen Entscheidung bewegt“, erklärt Besitzerin Caitlyn Morrissey.

    Sie verschickte Bücher per Post und darf seit ein paar Wochen sogar wieder vier Kunden gleichzeitig in den Laden lassen, wenn sie vorher einen Termin reservieren. Doch es reichte nicht, um in der neuen Normalität zu überleben.

    Viele andere werden folgen, fürchtet die einflussreiche Organisation Partnership for New York City, die die Interessen der großen Unternehmen der Stadt vertritt. Sie rechnet damit, dass bis zum Ende der Krise jeder Dritte der insgesamt 240.000 Mittelständler der Stadt permanent schließen wird.

    Schon jetzt wurden durch die Schließungen von Restaurants, Bars, Reinigungen, Friseuren, Einzelhändlern und von anderen kleinen und mittelständischen Betriebe 520.000 Stellen vernichtet, wie aus einem aktuellen Bericht der Organisation hervorgeht.

    Die Stadt im März einem beispiellosen Lockdown zu unterziehen, bei dem diese weitgehend zum Erliegen kam, war dabei noch der einfache Part. „Es wird deutlich schwieriger werden, die Wirtschaft wieder hochzufahren und die Schäden zu reparieren“, warnen die Autoren der Studie.

    Die Arbeitslosenquote in der Stadt liegt bei 18,3 Prozent und damit mehr als vier Mal so hoch als vor der Krise. Eine Million Haushalte haben Probleme, genügend Essen auf den Tisch zu bekommen und Miete zu bezahlen. Schwarze und Latinos seien am stärksten betroffen.

    Milliarden an Steuereinnahmen fehlen

    Die Region um New York City hatte im vergangenen Jahr eine Wirtschaftsleistung von 2,1 Billionen Dollar – zehn Prozent des gesamten Landes. In diesem Jahr könnten es gut 13 Prozent weniger sein, weshalb der Stadt auch Milliarden Dollar an Steuereinnahmen fehlen.
    So wie New York geht es vielen Städten in den USA. Vor wenigen Monaten hätte er sich das aktuelle Wirtschaftsklima „nie vorstellen können“, sagt Zack Rybarczyk, Bezirksmanager im Nordwesten der Hauptstadt Washington. Die jüngsten Schließungen zeigten nur die „Spitze vieler Unternehmen, die vor der Entscheidung stehen, ob sich das Weitermachen lohnt“.

    Überall leiden kleine und mittelständische Unternehmen. Sie stehen für 44 Prozent der amerikanischen Wirtschaftsleistung und stellen knapp die Hälfte aller Jobs in der Privatwirtschaft. Doch während große Unternehmen Zugang zum Kapitalmarkt haben, der seit März auch noch mit beispiellosen Maßnahmen von der US-Notenbank Federal Reserve gestützt wird, bleibt den kleinen Firmen diese Finanzierungsoption verwehrt. Viele haben zudem deutlich weniger Reserven, um eine lange Krise zu überleben.

    Rund acht Millionen Kleinunternehmer haben Notfallkredite angefragt, die mit 360 Milliarden US-Dollar gefördert werden. Doch die zuständige Behörde verteilt deutlich niedrigere Kredite als üblich – aus Angst, dass das Geld ausgeht.

    Im März wurde bereits das 700 Milliarden Dollar schwere „Paycheck Protection Programm“ (PPP) auf den Weg gebracht, die Gelder waren jedoch in wenigen Tagen verteilt. Die Rückzahlung wurde zudem nur erlassen, wenn die Unternehmen den Großteil der Mittel für Löhne verwendeten.

    Prominente CEOs schreiben Brandbrief

    „Eine zweite Entlassungswelle hat begonnen“, ist das Fazit einer Umfrage der Cornell University, die den Arbeitsmarkt in der letzten Juli-Woche untersuchte. Daraus geht hervor, dass Unternehmen rund die Hälfte der zunächst entlassenen Mitarbeitern in den vergangenen Monaten wieder eingestellt haben. Dies war eine zentrale Bedingung der Trump-Regierung, um an Staatshilfen zu kommen.

    Nun jedoch wurden ein Drittel der Mitarbeiter erneut entlassen, weitere 26 Prozent gehen davon aus, dass sie in Kürze ihren Job verlieren könnten. Bezeichnend auch: Die Job-Verluste waren unabhängig von den Infektionszahlen, die in einigen Bundesstaaten wie Texas und Kalifornien zuletzt dramatisch angestiegen waren.

    „Das zeigt, dass die Kündigungswelle vielmehr mit der schlechten wirtschaftlichen Lage insgesamt zu tun haben“, heißt es in dem Report. Zudem dürften in vielen Fällen auch die gewährten Staatshilfen aufgebraucht sein.

    Die Pleitewelle der Kleinunternehmer besorgt auch die Großkonzerne. „Einzelhändler, Restaurants, Berater oder Produzenten stehen vor dem finanziellen Ruin. Das wird dazu führen, dass der wirtschaftliche Abschwung noch Jahre länger dauern wird als nötig“, heißt es in einem Brief an den Kongress, der von über 100 Unternehmenschefs unterzeichnet wurde, darunter auch die CEOS von Microsoft und Mastercard.

    Angestoßen hatte die Initiative der frühere Starbucks-Chef Howard Schultz, der sich für eine Präsidentschaftskandidatur interessiert hatte, aber sich schließlich dagegen entschied. Die Gruppe drängt auf ein Hilfspaket, das Firmen „bis weit in 2021 hinein“ Sicherheiten gibt und an weniger Bedingungen geknüpft wird.

    Bis Anfang September könnte es eine zweite Pleitewelle geben, was zu einem Dominoeffekt führen könnte, befürchten die CEO. „Dies ist ein Schlüsselmoment, um zu zeigen, dass Kapitalismus für alle Amerikaner funktioniert, vor allem jene, die unverschuldet in die Krise geraten sind.“

    Diane Swonk, Chefökonomin der Beratungsfirma Grant Thornton, geht davon aus, dass „Obdachlosigkeit und Nahrungsmittelunsicherheit in den kommenden Monaten auf den höchsten Stand seit der großen Depression steigen werden.“

    Ob man auf dem Capitol Hill zeitnah vorankommt, ist zweifelhaft. Bereits vergangene Woche lief eine Sonderhilfe aus, über die Arbeitslose 600 Dollar pro Woche bekommen konnten. Demokraten und Republikaner einigten sich bislang nicht auf eine Verlängerung.

    Auch ist umstritten, ob das Paket staatliche Beihilfen für Wohnen, Essen und die Logistik von Briefwahlen enthalten soll. Einzig in einem Punkt zeichnet sich ein Konsens ab: Beide Parteien wollen Schecks in Höhe von 1200 Dollar an bedürftige Haushalte verschicken.

    Trump droht damit, ein Hilfspaket im Alleingang zu verabschieden. Doch nach jetzigem Stand würde das Weiße Haus lediglich verplante Gelder neu verteilen, statt zusätzliche Mittel zu bewilligen.

    Mehr: Konjunktureinbruch – was Deutschland und die USA unterscheidet.

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