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KonjunkturIfo-Index steigt zum sechsten Mal in Folge – „Sorgen der Unternehmen lassen nach“

Ukrainekrieg, gestörte Lieferketten und die anhaltend hohe Inflation belasten die deutsche Wirtschaft. Die Stimmung in den Chefetagen zeigt sich aber so gut wie lange nicht mehr. 24.04.2023 - 10:42 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Die deutsche Wirtschaft war Ende 2022 auch wegen der Energiekrise um 0,4 Prozent geschrumpft.

Foto: IMAGO/blickwinkel

Berlin. Die Stimmung der deutschen Wirtschaft hat sich im April den sechsten Monat in Folge verbessert. Das Barometer für das Geschäftsklima kletterte auf 93,6 Punkte, von 93,2 Zählern im März, wie das Münchner Ifo-Institut am Montag zu seiner Umfrage unter rund 9000 Top-Managern mitteilte.

Damit ist die Stimmung so gut wie seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 nicht mehr. Von Reuters befragte Ökonomen hatten allerdings mit einem Anstieg auf 94,0 Punkte gerechnet. „Die Sorgen der deutschen Unternehmen lassen nach, aber der Konjunktur fehlt es an Dynamik“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Führungskräfte bewerteten ihre Lage etwas skeptischer als zuletzt, ihre Geschäftsaussichten jedoch besser.

Die Stimmung in der Industrie legte leicht zu, weil es Optimismus für die Zukunft gebe. „Andererseits bewerteten die Unternehmen ihre laufenden Geschäfte deutlich schlechter“, betonte Fuest. Die Kapazitätsauslastung sei von 84,3 auf 84,5 Prozent gestiegen und liege damit über dem langfristigen Schnitt.

„Von einem durchgreifenden Aufschwung ist die deutsche Wirtschaft noch ein ganzes Stück entfernt“, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe im Reuters-Interview. Mit Blick auf die Turbulenzen der Finanzindustrie in den USA und rund um die Credit Suisse fügte er hinzu: „Das Bankenbeben hat keine Auswirkungen auf die Stimmung in den Unternehmen.“ Ansteckungseffekte seien ausgeblieben.

Im Dienstleistungssektor endete die Aufwärtsbewegung des Geschäftsklimas der vergangenen Monate, erklärte das Ifo. Die Firmen bewerteten ihre Lage etwas schlechter und zugleich nahm der Pessimismus für die kommenden Monate erstmals wieder zu.

Im Baugewerbe legte das Barometer zu

Im Bauhauptgewerbe legte das Barometer zu. Die Erwartungen für die kommenden Monate hätten sich zwar verbessert, aber die Sorgen blieben groß. „Die Einschätzung zur aktuellen Lage fiel auf den niedrigsten Wert seit Dezember 2015.“

Das sagen Ökonomen zum Anstieg des Ifo-Indexes
Das Bankenbeben hat bei der Unternehmensstimmung keine Spuren hinterlassen. Die Europäische Zentralbank kann somit die hartnäckige Inflation mit weiteren Zinssteigerungen bekämpfen. Mehr und mehr machen sich dann aber die daraus resultierenden dämpfenden Effekte bemerkbar – in den akuten Problemen der Baubranche zeigen sich diese schon heute wie unter einem Brennglas. Auch wenn die anderen Branchen die Zinsbelastungen nicht so stark zu spüren bekommen, wird die konjunkturelle Erholung dadurch insgesamt ausgebremst.
Die erneute Erholung des Ifo-Geschäftsklimas deutet darauf hin, dass die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal erneut gewachsen sein dürfte. Allerdings sollte man nicht übermütig werden. Die US-Notenbank erhöht ihre Leitzinsen bereits seit März vergangenen Jahres kräftig. In Deutschland folgten Zinserhöhungsphasen mit einer Verzögerung von durchschnittlich fünf Quartalen stets Rezessionen. Wir halten die Prognosen der meisten Volkswirte für optimistisch, dass sich die deutsche Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte deutlich erholen wird.
Die Stimmung bleibt ein gutes Stück weit im Keller. Das ist ein enttäuschendes Ergebnis, vor allem wegen der schlechteren Lagebeurteilung. Nach einer Konjunkturerholung, die diesen Namen verdient, sieht es damit weiterhin nicht aus. Zumindest scheinen die gesunkenen Materialmängel etwas Zuversicht verbreitet zu haben. Erhebliche Strukturschwächen begrenzen ohnehin Wachstumschancen. Dass die Politik der Bundesregierung für immer neue Unsicherheiten sorgt, verdüstert den Ausblick zusätzlich.

Der Einstieg in das Frühlingsquartal sei konjunkturell gelungen, sagte KfW-Chefökonomin Fritzi Köhler-Geib: „Die Wirtschaft kann im Gesamtjahr 2023 eine Schrumpfung vielleicht vermeiden, doch auch bei günstigerer Entwicklung käme sie vermutlich nur wenig über Stagnation hinaus.“

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Die deutsche Wirtschaft war Ende 2022 auch wegen der Energiekrise um 0,4 Prozent geschrumpft. Deshalb gab es Sorgen, dass die Konjunktur Anfang 2023 ebenfalls schrumpft und Deutschland im Winterhalbjahr damit in eine Rezession abrutscht.

Die meisten Fachleute blicken inzwischen aber trotz der anhaltend hohen Inflation optimistischer auf die Wirtschaft. Ökonomen gehen davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal sogar um 0,2 Prozent gestiegen sein dürfte. Die Daten dazu werden am Freitag veröffentlicht. Das Handelsblatt hatte jüngst aus Regierungskreisen erfahren, dass Wirtschaftsminister Robert Habeck die Wachstumsprognose der Bundesregierung für 2023 auf 0,4 Prozent verdoppelt.

rtr
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