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KonjunkturHabeck will Wachstumsprognose für dieses Jahr verdoppeln

Die Bundesregierung wird ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr voraussichtlich auf 0,4 Prozent anheben. Dabei stützt sie sich vor allem auf eine Hoffnung.Martin Greive, Julian Olk 20.04.2023 - 15:15 Uhr Artikel anhören

Für 2024 geht das Wirtschaftsministerium aktuell von einem Wachstum von 1,6 Prozent aus.

Foto: dpa

Berlin. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) plant, die konjunkturelle Prognose für die deutsche Wirtschaft anzuheben. 2023 soll das Bruttoinlandsprodukt (BIP) demnach um 0,4 Prozent wachsen. Das geht aus der neuen Konjunkturprojektion der Bundesregierung hervor, wie das Handelsblatt aus Regierungskreisen erfuhr.

Am kommenden Mittwoch stellt Habeck die Prognose vor, über die zuerst die Nachrichtenagentur Reuters berichtet hat. Sie bildet die Grundlage für die neue Steuerschätzung im Mai.

Die Regierung würde demnach von einem doppelt so hohen Wachstum wie noch im Januar ausgehen. Für 2024 geht das Wirtschaftsministerium aktuell von einem Wachstum von 1,6 Prozent aus. Das ist etwas weniger als bei der vergangenen Prognose im Januar.

Noch handelt es sich um vorläufige Zahlen des Bundeswirtschaftsministeriums. Die Prognose wird aktuell unter anderem mit dem Finanzministerium abgestimmt und kann sich bis Mittwoch noch ändern.

Am Montag veröffentlicht das Ifo-Institut seinen wichtigen Geschäftsklimaindex. Der Frühindikator könnte bei überraschenden Ergebnissen noch zu einer Revision der Zahlen führen.

Klar ist aber: Eine Schrumpfung der deutschen Wirtschaft im Jahr 2023 wird die Bundesregierung nicht prognostizieren. Einige Konjunkturforscher hatten das in den vergangenen Monaten prognostiziert. Das Gros geht inzwischen aber von einem, wenn auch nur leichten Plus aus.

Die vier führenden Wirtschaftsforschungsinstitute hatten in ihrer gemeinsamen Prognose vor zwei Wochen ein Wachstum von 0,3 Prozent angenommen. Das Wirtschaftsministerium nutzt die Institutsprognose als Grundlage für seine eigene Vorhersage – man ist sich diesmal offenbar ziemlich einig.

Die deutsche Wirtschaft befindet sich damit weiter in mageren Zeiten. Die Energiekrise wirkt immer noch nach. Der Konsum der privaten Verbraucher bessert sich nur langsam, Unternehmen aus energieintensiven Branchen müssen die starken Anstiege der Gas- und Strompreise des vergangenen Jahrs noch immer verdauen. Im vierten Quartal 2022 war die deutsche Wirtschaft geschrumpft.

Hoffnungswert 1: Preisrückgänge

Doch inzwischen geht es wieder langsam aufwärts, und Deutschland sollte aktuell leicht wachsen. Die besseren Aussichten für das laufende Jahr hängen vor allem mit der zunehmenden Entspannung bei den Preisen zusammen. Die Energiepreise sind seit dem Sommer 2022 deutlich gesunken, das kommt jetzt zunehmend bei Unternehmen und Verbraucherinnen an.

Definition: Was ist eine Rezession?
Im üblichen Konjunkturschema ist die Rezession der Abschwung nach einem wirtschaftlichen Boom. Eine eindeutige Definition, wann eine Rezession vorliegt, gibt es nicht. Im Volksmund wird häufig von einer Rezession gesprochen, wenn das Bruttoinlandsprodukt im Durchschnitt eines Kalenderjahres sinkt.
Eine populäre technische Definition der Rezession ist hingegen, dass eine Volkswirtschaft zwei aufeinanderfolgende Quartale mit schrumpfender Wirtschaftsleistung vorweist.
Die führenden Institute definieren eine Rezession etwas komplizierter: Sie stellen die Frage, wie hoch die Wirtschaftsleistung in Deutschland im Optimalfall wäre, wenn also alle Arbeiter und Maschinen genau wie vorgesehen genutzt würden. Das ist das sogenannte Produktionspotenzial. Ist die Wirtschaft wie aktuell in der Krise, produziert sie weniger, als sie laut Potenzial eigentlich könnte. Steigt diese Unterauslastung zwei Quartale in Folge an, sprechen die Institute von einer technischen Rezession.

So geht das Wirtschaftsministerium den vorläufigen Zahlen zufolge für 2023 von einer Inflationsrate von 5,9 Prozent aus, 2024 soll sie auf 2,7 Prozent fallen. Im Januar hatte die Regierung beide Teuerungsraten noch um 0,1 Prozentpunkte höher erwartet.

Zuletzt mehrten sich die Anzeichen, dass die Entspannung bei den Preisen voranschreitet. Nach Inflationsraten von jeweils 8,7 Prozent im Januar und Februar lag die Rate im März bei 7,4 Prozent.

Ein weiteres Sinken ist wahrscheinlich, das zeigt einer der wichtigsten Frühindikatoren für die Inflation an. Die Erzeugerpreise sind im März im Vergleich zum Vormonat um 2,6 Prozent gesunken. Das liegt insbesondere an billigerem Gas, Öl und Strom: Die Energiepreise gingen im März um 7,6 Prozent zurück.

Hoffnungswert 2: China

Weitere positive Konjunkturimpulse für Deutschland kommen aus China. Nach dem Ende der strikten Null-Covid-Politik ist die chinesische Wirtschaft stärker gewachsen, als Ökonomen erwartet hatten. Im ersten Quartal 2023 stieg das BIP der Volksrepublik im Vergleich zum Vorjahr um 4,5 Prozent. Analysten hatten nur mit einem Plus von vier Prozent gerechnet. Davon könnte die stark vom Außenhandel abhängige deutsche Wirtschaft besonders profitieren.

Habeck will die Frühjahrsprojektion kommende Woche offiziell in Berlin vorlegen.

Foto: IMAGO/Future Image

China ist für Deutschland der wichtigste Handelspartner. Im Februar waren die Exporte in die Volksrepublik um 10,2 Prozent im Vergleich zum Vormonat gestiegen, während die Importe insgesamt um vier Prozent zulegten.

Hoffnungswert 3: Arbeitsmarkt

Zudem zeigt sich auch der deutsche Arbeitsmarkt weiter robust; das geht aus den vorläufigen Zahlen der Konjunkturprognose der Bundesregierung hervor. Die Arbeitslosenquote soll in diesem Jahr leicht zulegen, von 5,3 Prozent im vergangenen Jahr auf 5,4 Prozent im laufenden Jahr. Für 2024 wird dann ein Rückgang auf 5,2 Prozent prognostiziert.

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Die Löhne ziehen zudem zunehmend an und gleichen so immer größere Teile der Kaufkraftverluste durch die Inflation aus. Das stützt den Konsum.

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