Wirtschaftswachstum: Führende Institute machen Hoffnung: Konjunkturprognosen fallen deutlich besser aus
Für den vorsichtigen Optimismus haben die Institute denselben Grund.
Foto: IMAGO/Jochen EckelBerlin. Drei führende deutsche Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihren Ausblick für die deutsche Wirtschaft verbessert. Das Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) geht gar davon aus, dass es nächstes Jahr zu keiner Schrumpfung kommt.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde voraussichtlich um 0,3 Prozent zulegen, geht aus der am Donnerstag veröffentlichten Prognose hervor. Noch im September hatten die Kieler mit einem Rückgang von 0,7 Prozent gerechnet.
Bereits am Mittwoch hatte das Ifo-Institut seine Prognose angehoben. Die Münchener erwarten mit minus 0,1 Prozent zwar noch eine Rezession im kommenden Jahr. Zuvor waren sie aber von einem dreimal so großen Rückgang ausgegangen.
Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) hat seine BIP-Prognose für das kommende Jahr zwar deutlich nach unten korrigiert. Die Essener waren im Herbst noch von einem Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent ausgegangen. Jetzt rechnen auch sie für 2023 mit einem Rückgang um 0,1 Prozent, wie sie ebenfalls am Donnerstag mitteilten.
Der Grund, warum das für die weitere Entwicklung trotzdem eine gute Nachricht ist: Im Gegensatz zu den anderen führenden Instituten war das RWI davon ausgegangen, dass die hohen Energiepreise noch am Ende des laufenden Jahres bei den Haushalten ankommen und so den Konsum und damit die Konjunktur belasten.
Jetzt gehen die Essener Forscher hingegen wie die anderen Institute davon aus, dass sich dieser Effekt größtenteils erst im kommenden Jahr zeigen wird. Deshalb korrigierten auch sie ihre Prognose für das BIP 2022 nach oben: Sie rechnen nun mit einem Wachstum von 1,8 Prozent und nicht wie noch im Herbst von 1,1 Prozent.
Weniger Inflation erwartet
Grund für den vorsichtigen Optimismus der Institute ist ebenjener privater Konsum. „Die Aussichten für die Konjunktur haben sich – bei hoher Unsicherheit – etwas aufgehellt“, erklärten die Forscher aus Kiel.
„Die Großhandelspreise für Gas und Strom sind in den vergangenen Monaten deutlich gesunken – auch wenn sie sich nach wie vor auf hohem Niveau befinden“, hieß es. Zudem würden die durch die hohen Energiekosten entstehenden Belastungen der privaten Haushalte und Unternehmen über Preisbremsen abgefedert.
Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser erklärte: „Die verfügbaren Einkommen wachsen immer noch stärker als die Preise.“ Das hänge vor allem mit den staatlichen Transfers zusammen. Die Bundesregierung hat beispielsweise eine Energiepreispauschale ausgezahlt. In den nächsten Wochen werden Gas- und Strompreisbremse folgen.
Die verfügbaren Einkommen der Konsumenten wachsen wohl immer noch stärker als die Preise.
Foto: IMAGO/Jochen TackDas spiegelt sich auch in den revidierten Inflationsprognosen der Institute wider. In der Kieler Analyse sieht das so aus: Dort rechnet man mit einer Inflationsrate im kommenden Jahr von 5,4 Prozent. Im Herbst hatten die Ökonominnen und Ökonomen noch 8,7 Prozent prophezeit.
„Größtes Risiko ist die Inflationsentwicklung“
Auch das Ifo hat seine Inflationsaussicht ein gutes Stück zurückgefahren. Die Münchener rechnen nur noch mit 6,4 Prozent Teuerung im kommenden Jahr, zuvor hatten sie 9,3 Prozent prognostiziert. Auch das RWI erwartet für 2023 nur 5,8 Prozent Inflation. Das hängt vor allem mit dem erwarteten Rückgang der Energiekosten zusammen.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde voraussichtlich um 0,3 Prozent zulegen, geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten Ausblick des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) hervor.
Foto: dpaDass dadurch jede Gefahr der Inflation gebannt wäre, verneint das Ifo aber. Denn die Kerninflationsrate – in der die Energie herausgerechnet wird – soll höher ausfallen als bislang erwartet. Die Prognose für die Kerninflation 2023 liegt jetzt bei 5,8 Prozent und damit 1,3 Prozentpunkte höher als beim Ausblick im Herbst. Das wäre ein deutliches Zeichen, dass die Energiepreise sich auf andere Güter noch über einen längeren Zeitraum überwälzen würden.
Entwarnung geben die Ökonominnen und Ökonomen daher nicht. „Der deutschen Wirtschaft steht ein schwaches Winterhalbjahr bevor“, schrieben die Kieler Forscher mit Blick auf die weiterhin erwartete technische Rezession im laufenden Winterhalbjahr. Deutschland bewege sich „im Kriechgang durch die Energiekrise“.
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Auch RWI-Konjunkturchef Torsten Schmidt sagt: „Das größte Risiko für die konjunkturelle Entwicklung Deutschlands ist derzeit die Inflationsentwicklung. Auch der Krieg gegen die Ukraine bleibt ein beträchtlicher Risikofaktor.“