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Digitale Revolution

Digitale Revolution Digitalisierungshelfer Corona: So wirkt sich die Pandemie global aus

Die weltweiten Lockdowns haben die Digitalisierung deutlich vorangebracht – im Kampf gegen Covid-19 oder durch die Anpassung an neue Herausforderungen. Ein weltweiter Überblick.
05.08.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
In Deutschland wird die Verbreitung des Virus mit einer App bekämpft, die schon millionenfach heruntergeladen worden ist, aber teilweise noch mit Problemen zu kämpfen hat. Quelle: Getty Images, Reuters, Imago (M)
Corona-Warn-App

In Deutschland wird die Verbreitung des Virus mit einer App bekämpft, die schon millionenfach heruntergeladen worden ist, aber teilweise noch mit Problemen zu kämpfen hat.

Quelle: Getty Images, Reuters, Imago (M)

New York, Tokio, Madrid, Bangkok, Peking, Stockholm Die Corona-Pandemie beschleunigt die Digitalisierung der Arbeitsabläufe in deutschen Unternehmen. Laut einer jüngst veröffentlichten Studie des Ifo-Instituts im Auftrag des Personaldienstleisters Randstad wollen knapp zwei Drittel der befragten Personalverantwortlichen häufiger virtuelle Konferenzen ansetzen, rund 60 Prozent wollen Meetings im Büro und Dienstreisen reduzieren. Dafür haben im zweiten Quartal 23 Prozent neue Software für die Zusammenarbeit eingeführt.

Auch andere Lebensbereiche sollen stärker digitalisiert werden, etwa Bildung oder Verwaltung. Gleichzeitig bekämpfen die Regierung und das Robert Koch-Institut die Verbreitung des Virus mit einer App, die schon millionenfach heruntergeladen worden ist, aber teilweise noch mit Problemen zu kämpfen hat.

Einen Schub für die Digitalisierung sehen unsere Handelsblatt-Korrespondenten auch in anderen Ländern der Welt – wenn auch mit teils deutlichen Unterschieden.

Südkorea

Südkorea ist eines der Musterländer, wenn es um die Beherrschung der Corona-Pandemie geht. Ohne gesetzliche Ausgangssperren und harte Geschäftsschließungen brachte das Land mit vergleichsweise sanfter sozialer Distanzierung, Tests, Hightech-Verfolgung von Infizierten und Kontaktpersonen die erste Ansteckungswelle unter Kontrolle.

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    Nach der Lockerung der Maßnahmen kam es zwar zuerst im Nachtleben und dann in Logistikzentren zu neuen Virenherden. Doch was in Korea als zweite Welle gilt, ist im globalen Vergleich sehr wenig. Die bestehenden Kontrolltechniken, die im demokratischen Ausland oft als invasiv angesehen werden, wirkten auch jetzt wieder dämpfend: Anders als andere Länder hat Südkorea keine eigene App für die Nachverfolgung von Infektionsketten entwickelt. Stattdessen hatte das Land nach früheren Epidemien den Gesundheitsbehörden den Zugriff auf Positionsdaten von Smartphones und Kreditkartendaten von Infizierten und Kontaktpersonen gewährt.

    So konnten und können die Virenjäger Infektionsketten schneller zurückverfolgen und potenzielle Erkrankte unter Quarantäne stellen. Der Erfolg: Am Montag hatten sich von 23 positiven Fällen drei in Korea angesteckt. Beim Rest handelt es sich um eingereiste Personen. Heimkehrer und Geschäftsleute müssen obligatorisch zwei Wochen in Quarantäne und sind für die Zeit über eine App mit den Behörden vernetzt.

    Auch die Digitalisierung wurde vorangetrieben. Die Schulen laufen selbst heute noch größtenteils online. So sind die Mittel- und Oberschulen nur im Schichtbetrieb geöffnet. „Unsere Kinder gehen nur eine Woche zur Schule und haben dann zwei Wochen Online-Unterricht“, berichtet eine Mutter. 

    Die Regierung will die großen Corona-Hilfsprogramme sogar nutzen, um Südkorea zu einem globalen „digitalen Powerhouse“ aufzurüsten. Dabei versucht das Land, besonders seinen Frühstart in 5G-Netzen zu nutzen, um rascher als andere Länder neue Dienste und Produkte zu entwickeln und auf dem Weltmarkt zu verkaufen.

    Japan

    Japan hat mit traditionellen epidemiologischen Methoden, ohne Apps und harte Ausgangssperren, die erste Welle unter Kontrolle gebracht. Bitten der Regierung reichten, dass Unternehmen und Menschen die Wirtschaft und Sozialkontakte runterfuhren. Im Juni brachte die Regierung dann eine Corona-Tracing-App auf den Markt, ähnlich der deutschen. Doch sie erfüllt ihren Zweck nicht.

    Wie die deutsche App soll die japanische COCOA (kurz für Covid-19-Contact App) ihre Nutzer informieren, wenn sie Infizierten nahe gekommen sind. Doch das funktioniert nur eingeschränkt: Bis Ende Juli hatten nur knapp unter zehn Millionen Nutzer die App installiert. Das entspricht nicht einmal zehn Prozent der Bevölkerung. Zweitens hinderten Softwareprobleme und wohl auch die Freiwilligkeit der Nutzung eine Zeit lang den Eintrag von positiven Fällen.

    Das Ergebnis: Ende Juli waren erst 96 Covid-19-Fälle in die App eingetragen worden. Dabei gab es landesweit bereits wieder über 1000 positive Fälle pro Tag – deutlich mehr als während des Höhepunkts der ersten Welle. Zudem scheinen die traditionellen Methoden der Zurückverfolgung von Infektionsketten wie Interviews sowie verstärktes Testen zur Eindämmung nicht mehr auszureichen. Wie in Südkorea waren Restaurants, Host- und Hostessenbars und Nachtklubs die ersten Virenherde.

    Doch in der Hauptstadt Tokio konnten Japans Clusterjäger bei 61 Prozent der 320 am Sonntag gemeldeten Fälle keine Infektionsquelle mehr identifizieren. Bisher hat die Zentralregierung davor zurückgeschreckt, wie im April den Notstand auszurufen. Aber es gibt bereits wieder erste Einschränkungen.

    Für die Wirtschaft wirkt die Coronakrise allerdings als ein kräftiger Katalysator der Digitalisierung. Bisher waren digitale Arbeitsprozesse und Telearbeit kaum verbreitet. Nun sind sie in vielen Großkonzernen Standard. Konzerne wie Hitachi und Fujitsu haben sogar bereits beschlossen, Telearbeit zur neuen Norm zu erheben – und so massiv Büroflächen abzubauen.

    Taiwan

    Taiwan hat von allen Ländern zuerst auf die Berichte aus China reagiert und schon Ende 2019 mit Schutzmaßnahmen begonnen. Dabei hat die Regierung keine spezielle App entwickelt, sondern nutzte von Beginn an den Zugriff auf Daten des Gesundheitssystems, der Immigrationsbehörden und von Mobiltelefonen zur Verfolgung von Fällen. Bei Quarantänefällen wird auch per Handy darauf geachtet, ob die Personen wirklich zu Hause bleiben.

    Wie die koreanische Methode weckt auch Taiwans direkter Zugriff auf Daten den Argwohn von Datenschützern. Aber mit diesen Methoden hat das Land einen Ausbruch bisher ohne größere Einschränkungen der Wirtschaft verhindern können. Unter 23 Millionen Einwohnern der Insel wurden seit Beginn der Pandemie nur 475 Virenträger gefunden. In den letzten Wochen wurden wieder mehr positive Tests gemeldet. Aber meistens handelte es sich um importierte Fälle, die sich im Ausland angesteckt hatten.

    USA

    Das Virus hat die USA noch immer voll im Griff. Zwar ist die Zahl der Fälle in New York, dem ersten Epizentrum, wieder deutlich zurückgegangen. Doch Corona breitet sich nun schon seit Monaten im Land aus. Bundesstaaten im Süden und im Westen des Landes, wie Florida und Texas, melden immer neue Rekorde.

    Dabei sind es längst nicht mehr nur die Großstädte, die im Fokus stehen, auch ländliche Gebiete sind mittlerweile gleichermaßen betroffen. Eine ganze Reihe von Bundesstaaten hat die Öffnung der Wirtschaft wieder zurückgefahren, um die Krankenhäuser nicht zu überlasten. Das ist für viele Bürger besonders bitter, die eigentlich gehofft hatten, dass das Schlimmste schon hinter ihnen liegt.

    US-Präsident Donald Trump bringt das in ein schwieriges Dilemma. Er muss die Infektionszahlen senken und zeigen, dass er das Virus endlich unter Kontrolle bringen kann. Das jedoch geht zulasten der Wirtschaft. Und ausgerechnet jetzt, drei Monate vor der Wahl, ist er auf gute Wirtschaftsdaten angewiesen.

    Corona-Warn-Apps haben sich in den USA nicht durchgesetzt, obwohl hier große Technologiekonzerne wie Apple, Google und Microsoft zu Hause sind. Eine Reihe lokaler Projekte war von technischen Problemen und der Debatte um Datenschutz geplagt. Zudem fehlt die Initiative der Regierung in Washington.

    Die Gesellschaft stellt sich daher auf eine lange Rezession und tiefgreifende Veränderungen ein. Gerade wird intensiv darüber diskutiert, ob und wann die Schulen und Universitäten wieder öffnen sollen und wie der Online-Unterricht zu Hause verbessert werden kann. Das führt bei Lehrern und Professoren zu großen Umbrüchen, genauso wie bei vielen Unternehmen und Finanzinstituten. Die großen Wall-Street-Häuser haben schon zu Beginn der Pandemie Heimarbeit angeordnet. Der überwiegende Teil der Banker wird in diesem Jahr nicht in die Büros zurückkehren.

    Damit sind viele Elemente des täglichen Lebens viel schneller ins digitale Zeitalter gewandert als ursprünglich angenommen. „Dinge, von denen wir geglaubt haben, dass sie drei bis fünf Jahre dauern, haben sich in wenigen Monaten etabliert“, sagte David Solomon, Chef der Investmentbank Goldman Sachs, Ende Juli auf einer Veranstaltung. „Das gilt für die Arbeit genauso wie für das Privatleben.“

    Bezeichnend ist vor allem, wie schnell sich nun auch ältere Amerikaner umgestellt haben. Eine Umfrage des Analysehauses Mojo Vision zeigt, dass sich viele nun viel stärker für neueste Technologien und Produkte interessieren als vor der Pandemie. Der Bezahldienst Paypal verzeichnete im März und April den größten Zuwachs in der Gruppe der Über-50-Jährigen. Finanzchef John Rainey bezeichnet diese Gruppe als „Silver Tech“. Sie half mit, dass der Bezahldienst Ende Juli das stärkste Quartal aller Zeiten verbuchte.

    Spanien

    Spanien liegt wie schon beim Ausbruch des Virus im März auch jetzt wieder vorn in der europäischen Statistik der meisten Neu-Infektionen. In den 14 Tagen bis Montag hatten sich pro 100.000 Einwohner 63 Menschen neu mit dem Virus infiziert. Ein wichtiger Grund für die erneut stark steigenden Zahlen in Spanien ist die mangelnde Vorbereitung der spanischen Behörden. Während Länder wie Deutschland und die Schweiz zügig eine Corona-App eingeführt haben, hat Spanien vom 23. Juni bis Ende Juli erst einmal eine eigene App namens „Radar COVID“ auf der Kanareninsel La Gomera getestet.

    Bislang sind Infizierte deshalb allein durch das persönliche Aufspüren von Kontakten identifiziert worden. Doch das funktioniert leidlich bis gar nicht: Den meisten der 17 spanischen Regionen fehlt das nötige Personal. Fernsehsender berichten von Patienten, die positiv auf das Virus getestet, aber tagelang nicht nach ihren Kontakten befragt wurden.

    Nun soll doch eine App für mehr Kontrolle sorgen. Sie ist in dem gerade abgeschlossenen Pilotprojekt deutlich effizienter gewesen als die Kontrolle via Anruf: Während die App auf La Gomera in simulierten Virusausbrüchen im Schnitt 6,4 Kontakte pro Infizierten ausfindig machte, waren es in der persönliche Kontrolle auf den Kanarischen Inseln nur 3,5 Fälle. 83 Prozent derjenigen, die sich die App auf ihr Handy geladen haben, nutzten sie auch. Mitte September soll die finale Version im ganzen Land verfügbar sein. Die Entscheidung, die App einzuführen oder nicht, fällen die 17 autonomen spanischen Regionen.

    Wegen des starken Anstiegs der der Zahl der neuen Infektionen soll eine vorläufige Version schon ab kommender Woche in zwei oder drei Regionen eingeführt werden. Welche das sind, ist noch nicht klar – vieles spricht aber für die beiden Inselgruppen der Kanaren und Balearen.

    Dagegen hat die Coronakrise in Spanien für einen ehrgeizigen Plan zur Digitalisierung des Landes gesorgt. Ende Juli hat Ministerpräsident Pedro Sánchez ein 140 Milliarden Euro schweres 50-Punkte-Programm für die kommenden fünf Jahren vorgestellt. Dazu gehört der flächendeckende Ausbau von schnellen Glasfaserleitungen – bis 2025 sollen 100 Prozent der spanischen Haushalte über Bandbreiten von 100 Megabit verfügen.

    Auch die neue Mobilfunktechnik 5G soll dann überall ausgerollt sein. Der größte Telekomkonzern Telefónica hat am vergangenen Donnerstag (30. Juni) angekündigt, im Rahmen dieses öffentlich-privaten Digitalisierungsplans bis 2025 alle Haushalte mit Glasfaserleitungen zu versorgen. 

    Spanien hat zwar schon mit die meisten schnellen Internetverbindungen in Europa. Doch die Coronakrise hat Lücken in Versorgung und Nutzung offenbart. So konnten Kinder aus bedürftigen Familien oft nicht am digitalen Unterricht teilnehmen, als die Schulen geschlossen blieben, weil sie keine Internetverbindung oder keinen Computer hatten. Sánchez will deshalb auch in die digitale Bildung von Kindern und Mitarbeitern investieren. Zudem sollen die öffentlichen Institutionen bis 2025 die Hälfte ihre Dienste über mobile Apps anbieten.

    Spanien ist eines der Länder, die am stärksten von der Coronakrise betroffen sind. Das Land erhält deshalb nach Italien die meisten Mittel aus dem europäischen Hilfsfonds. Der sieht vor, dass die Empfängerländer damit die Digitalisierung und die ökologische Wende finanzieren.

    Thailand

    In Thailand war die digitale Kontaktnachverfolgung in der öffentlichen Wahrnehmung beinahe in Vergessenheit geraten – bis ein Schreckensmoment das Land aufrüttelte. Seit Ende Mai gab es in dem südostasiatischen Land keine einzige lokale Coronavirus-Infektion mehr. Da sorgte es für große Aufregung, als Mitte Juli bekannt wurde, dass ein positiv getesteter Angehöriger des ägyptischen Militärs bei einem Kurzbesuch in einer Provinz östlich von Bangkok unterwegs war. Für Thailands Contact-Tracing-System „Thai Chana“ brachte das die Bewährungsprobe.

    Die mobile Anwendung funktioniert nicht wie in Deutschland über Bluetooth-Signale. Die Nutzer müssen sich stattdessen in einzelnen Orten wie Restaurants, Bars oder Einkaufszentren bei jedem Besuch einchecken, indem sie mit dem Smartphone einen QR-Code einscannen. Sollte an dem jeweiligen Ort ein Covid-19-Fall auftreten, werden die Besucher dann informiert und getestet. Im Fall des ägyptischen Offiziers half dieses System nach Angaben der Behörden, Hunderte potenzielle Kontaktpersonen zu identifizieren. Tests zeigten: Keiner hatte sich angesteckt.

    Aber obwohl der theoretische Nutzen von „Thai Chana“ so vorgeführt werden konnte, verliert die Anwendung angesichts der aktuell verschwindend geringen Wahrscheinlichkeit, sich in Thailand mit dem Coronavirus zu infizieren, dennoch zunehmend an Akzeptanz. In der Hauptstadt Bangkok werden die QR-Codes an den Eingangstüren von Läden und Lokalen inzwischen von den meisten Besuchern ignoriert.

    Indien

    Etwas anders sieht die Lage in Indien aus. Dort hat die Regierung ihre Corona-App „Aarogya Setu“, die ähnlich wie ihr deutsches Pendant funktioniert, mit viel Druck durchgesetzt. Sie hatte sie für Angestellte der Zentralregierung für verpflichtend erklärt. Zwischenzeitlich hieß es auch, dass die App zwingend installiert werden müsse, wenn man mit dem Zug und dem Flugzeug unterwegs ist.

    Die Vorschriften brachten mehr als 100 Millionen Downloads – und die Behörden gaben an, dass sie so Hunderte Hotspots frühzeitig erkennen konnten. Kritiker der App beklagten hingegen den Zwang – und verweisen darauf, dass die Anwendung Indiens massiven Covid-Ausbruch nicht bremsen konnte. Inzwischen zählt das Land mehr als 1,5 Millionen Fälle. Täglich kommen Zehntausende neue hinzu.

    Während die Corona-App in Indien nur einen begrenzten Effekt zeigte, kommen andere Digitalisierungsprojekte in Zeiten der Pandemie aber rasant voran. Digitale Zahlungen erlebten in dem Land in den vergangenen Monaten einen Boom. Auch der Zwang zum Homeoffice während des Lockdowns trieb die Digitalisierung in den Unternehmen voran.

    Schweden

    Schweden hat mit seinem Sonderweg bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Das Land hat bis heute keine konsequenten Kontaktbeschränkungen, Restaurants sind offen, ebenso Fitness-Studios, Friseure, im Prinzip alle Geschäfte und Einkaufszentren. Eine Maskenpflicht besteht nicht, sie sind auch gar nicht erhältlich. Die Vor- und Grundschulen bis zur neunten Klasse waren bis zum Anfang der Sommerferien weiterhin geöffnet, nur für Gymnasien und Erwachsenenbildungsstätten galt seit Mitte März der Fernunterricht.

    Auch die erschreckend hohe Zahl von Corona-Toten hat zu keinem Umdenken geführt. Seit Ausbruch der Pandemie verzeichnet Schweden mit mehr als 5700 Toten eine deutlich höhere Sterberate als die meisten anderen Länder in Europa. Dennoch glauben Anders Tegnell und seine Gesundheitsbehörde, dass sich das Land jetzt auf dem richtigen Weg befindet. Tatsächlich ist die Zahl der Neuinfizierten zuletzt gesunken, und die durchschnittliche Covid-19-Sterberate liegt seit zwei Wochen bei sieben Toten pro Tag.

    Eine Warn-App gibt es in Schweden nicht. Das ist überraschend, gilt das Land doch als digitaler Vorreiter. Doch die Gesundheitsbehörde ist der Meinung, dass eine Warn-App kaum Nutzen, aber hohe Entwicklungskosten mit sich bringt. Eine ähnlich ablehnende Haltung hat sie auch gegenüber Masken. Es würden wissenschaftliche Beweise fehlen, dass der Mund- und Nasenschutz tatsächlich etwas bewirke.

    Die Digitalisierung hat einen deutlichen Schub erhalten. Allerdings war das Land auch schon vorher gut aufgestellt. So machte es kaum Probleme, an Schulen Fernunterricht einzuführen. Auch das Arbeiten aus dem Homeoffice hat gut geklappt. Das liegt unter anderem daran, dass Schweden beim Ausbau seiner Glasfasernetze auch im internationalen Vergleich ganz vorn liegt.

    Außerdem sind die meisten Schweden seit Langem gewöhnt, alle Behördengänge digital zu erledigen: Ob Bankgeschäfte oder Steuererklärungen, ob Anträge oder Arztrezepte – alles wird bereits seit Jahren digital erledigt. Das ist möglich, weil jede in Schweden lebende Person eine individuelle Personennummer besitzt und sich so online identifizieren kann. In der Coronakrise war das ein großer Vorteil.

    China

    In China geht ohne die sogenannte Health-App vieles nicht mehr. Sie ist offiziell nicht verpflichtend, im Alltag aber inzwischen unverzichtbar. Wer in einem Hotel eincheckt, muss sie vorzeigen, viele Restaurants und Bürogebäude verlangen sie, je nach Stadt muss man sie auch im Bus vorzeigen. Um sich anzumelden, muss der Nutzer seinen Pass einscannen und Daten über seinen Gesundheitszustand eingeben.

    Die App zeigt dann verschiedene Codes an: Rot, Gelb oder Grün. Rot und Gelb bedeuten, dass der Smartphone-Besitzer in Quarantäne muss. Bei Grün ist alles in Ordnung. Auf welcher Grundlage genau die Codes zustande kommen, ist unklar und intransparent. Chaotisch ist, dass jede Stadt ihren eigenen Code hat, das heißt, wer etwa von Peking nach Hangzhou reist, muss die dortige App nutzen.

    Wie viel die App zur Bekämpfung der Pandemie beiträgt, ist zweifelhaft. Bei dem großen Corona-Ausbruch auf dem Xinfadi-Lebensmittelmarkt in Peking im Juni zeigte sich, wie wenig zuverlässig die App trackt. Behördenvertreter riefen Menschen in der Umgebung des Marktes an oder suchten sie zu Hause auf, um zu erfahren, ob sie dort gewesen und sich möglicherweise infiziert haben. Anhand der App war das offenbar nicht sichtbar.

    Einen positiven Effekt auf die Digitalisierung haben die Miniprogramme nicht. In China nutzt ohnehin bereits fast jeder sein Smartphone zum Bezahlen, zum Shoppen und zur Kommunikation. Die Health-Code-Apps sorgen nun allenfalls dafür, dass man sein Haus nun wirklich nicht mehr ohne sein Smartphone verlässt.

    Mehr: So etabliert ein Chef eine gute Homeoffice-Kultur in Zeiten von Corona

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