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60 Jahre H-BombeEine neue Dimension der Vernichtung

Anfang der 50er Jahre war Atom cool: Atombombentests galten als Attraktion, schönen Frauen attestierte man einen „Atombusen“. Doch nach der Zündung der ersten Wasserstoffbombe am 1. November 1952 war alles anders. 01.11.2012 - 09:28 Uhr Artikel anhören

Explosion der ersten H-Bombe im Eniwetok-Atoll in der Südsee. Der Atompilz stieg bis in 40 Kilometer Höhe auf.

Foto: dpa

New York. Das Werbeplakat von 1952 zeigt einen Flughafen, ein Kasino - und einen Atompilz. „In Las Vegas ist immer was los“, heißt es freudig in der Reklame für eine Reise in die Nähe eines Atomtestgeländes. Doch im selben Jahr wurde auf der anderen Seite der Erde ein Sprengsatz gezündet, der einen Bewusstseinswandel einleitete: Am 1. November 1952 detonierte die erste Wasserstoffbombe.

Sieben Jahre nach dem ersten Atomtest und den verheerenden Angriffen auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945 waren Atombomben fast etwas Normales. Die USA waren stolz auf „die Bombe“, feierten Frauen mit „Atombusen“ und servierten Torten mit Atompilzen aus Zuckerguss. Atom - das stand für Fortschritt und Sicherheit made in USA.

Kernwaffen
Als ihr wichtigster „Vater“ gilt der Amerikaner Robert Oppenheimer. Die ersten Atombombenexplosionen am 6. August 1945 in Hiroshima und drei Tage später in Nagasaki beendeten den Zweiten Weltkrieg in Asien.Atombomben werden mit radioaktivem Plutonium oder Uran hergestellt. Die Kettenreaktion bei ihrer Explosion setzt Energie als Hitze, Druck und Strahlung frei.In kurzer Zeit können Atomwaffen hunderttausende Menschen töten und ganze Landstriche verwüsten. Die radioaktive Strahlung verursacht gesundheitliche Langzeitschäden. Bei den Abwürfen auf japanische Städte geht man von zusammen rund 330.000 Toten aus.
Die Wasserstoff-Bombe wurde unter Leitung von Edward Teller in den USA entwickelt und erstmals 1952 auf einem Atoll im Pazifik gezündet. Ihre Sprengkraft ist um ein Vielfaches stärker als die einer Atombombe.Die H-Bombe setzt Energie aus einer unkontrollierten Kernverschmelzung (Fusion) frei. Dabei verschmelzen unter anderem Deuterium und Tritium, schwere Isotope des Wasserstoffs, zu Helium.Zur Zündung des Fusionsgemischs sind mehr als 100 Millionen Grad erforderlich. Deshalb enthält eine H-Bombe als Zünder eine Atombombe.
Neutronenwaffen vernichten Lebewesen, richten aber nur vergleichsweise geringe Materialschäden an. Beruht die Wirkung herkömmlicher Atomwaffen vor allem auf der Druck- und Hitzewelle, geben Neutronenwaffen den größten Teil ihrer Energie in Form harter Neutronenstrahlung ab.Die Strahlung führt je nach Intensität innerhalb von Minuten bis Wochen zum Tod. Gebäude oder Panzer bleiben dagegen unversehrt.Der Fallout der 1958 von dem Amerikaner Samuel Cohen entwickelten Waffe ist gering: Einen Tag nach der Explosion kann das betroffene Gebiet gefahrlos betreten werden.

Doch als die Sowjets 1949 ihre erste Atombombe zündeten, war das US-Monopol auf die ultimative Zerstörungskraft weg. Unter dem Eindruck dieser Explosion befahl Präsident Harry Truman die Entwicklung einer Bombe, die man einfach „The Super“ nannte - die erste Wasserstoffbombe.

Es war die Waffe, die endgültig in neue Dimensionen der Vernichtung vorstoßen sollte. Die Zerstörungskraft einer Atombombe konnte noch mit konventionellen Mitteln erreicht werden, wenn auch mit ungleich höherem Aufwand. Ein Inferno wie in Hiroshima war - wie der Zweite Weltkrieg zeigte - auch mit einer gewaltigen Bomberflotte möglich. Das, was die Wasserstoffbombe anrichten konnte, lag dagegen außerhalb der menschlichen Vorstellungskraft - abgesehen von der einiger Forscher und Militärs.

Entsprechend wurde die erste Bombe neuen Typs auch nicht auf dem traditionellen Testgelände in New Mexiko, sondern im Eniwetok-Atoll in der Südsee gezündet. Das liegt etwa in der Mitte der 8500 Kilometer langen Strecke zwischen Hawaii und den Philippinen.

Der Physiker Edward Teller (1908-2003) gilt als "Vater" der Wasserstoffbombe.

Foto: ap

Die Explosion von „Ivy Mike“ auf dem Inselchen Elugelab am Morgen des 1. November 1952 übertraf alles bisher Dagewesene. Der Feuerball, bei der Hiroshimabombe etwa 150 Meter groß, wuchs auf fünf Kilometer. In Bruchteilen von Sekunden wurden durch die Explosion sämtliche Elemente des Periodensystems erzeugt - und ein paar neue. Der Atompilz war gute 40 Kilometer hoch. Und das Inselchen - war weg.

„Es war ein historisches Datum - militärisch und moralisch“, sagt der Historiker Bernd Stöver. „Die H-Bombe war der Übergang vom atomaren zum thermonuklearen Zeitalter. Sie war Höhepunkt der Nuklearrüstung und zugleich der Anstoß zum Umdenken.“ Kein vernünftig Denkender konnte mehr hoffen, Kriege mit solchen Waffen auch nur zu beherrschen – von gewinnen ganz zu schweigen.

Spätestens die sowjetische Wasserstoff-Bombe „Zar“ rüttelte 1961 Politik und Militär auf. „Zar“ hatte eine Sprengkraft von fast 60 Megatonnen - 4000 Mal so viel wie die Hiroshimabombe. Würde man die gleiche Zerstörungskraft mit TNT erreichen wollen, wäre die Bombe 100 Meter dick und mehr als 1000 Meter lang. Die Druckwelle der Sowjetbombe war so stark, dass sie gleich mehrfach gemessen wurde - sie umrundete die Erde drei Mal.

Sinnlose Superbombe

„Solche Tests zeigten letztlich die Sinnlosigkeit der Superbombe“, sagt Stöver. „Ihre Wirkung war kaum abzuschätzen und es ging ja darum, ein Gebiet zu besetzen, nicht zu verwüsten.“ Das Fiasko des amerikanischen „Bravo“-Tests 1954 - dessen Wirkung viermal so groß wie berechnet war, was zur Verstrahlung der Bewohner einer nahen Inselgruppe führte - zeigte zudem, dass sich das Problem nicht in abgelegene Atolle verlagern ließ.

„Die Wolke zog um die Erde und konnte auch über Europa oder Amerika niedergehen. Die Tests waren plötzlich ganz nah“, sagt der Professor. „Für die Friedens- und die Umweltbewegung war das ein erheblicher Aufschwung.“

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Die zeigte sich auch im engsten Umfeld. In den USA wurde Robert Oppenheimer, der Vater der Hiroshima- Bombe, zum misstrauisch beäugten Rüstungskritiker. Und der Entwickler der Superbombe „Zar“ – bis heute die stärkste Waffe, die jemals gezündet wurde – ging später als der bekannteste Dissident der Sowjetunion in die Geschichte ein. Sein Name: Andrej Sacharow.

tt, dpa
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