Start-ups: Nico Rosberg will mit der TU München die Mobilitätswende schaffen
Frankfurt. Die Technische Universität München (TUM) ist für ihren Gründergeist bekannt. Auf sämtlichen Start-up-Ranglisten in Deutschland steht sie weit vorne. Deswegen zieht sie seit einigen Jahren das Interesse von Investoren auf sich. Einer von ihnen ist der Ex-Formel-1-Rennfahrer Nico Rosberg.
Er finanziert die sogenannte Studierenden-Challenge – ein Projekt, bei dem Studentinnen und Studenten Lösungen für die Mobilitätswende entwickeln. Ziel ist es, mehr Jungunternehmen an deutschen Universitäten zu gründen. TUM-Präsident Thomas Hofmann sagt: „Häufig wandern unsere Talente in die USA ab. Statt in Deutschland nehmen Studierende an vergleichbaren Programmen in den USA teil.“ Deshalb sei die Kooperation wichtig.
Anlass ist die Fußball-Europameisterschaft (EM) 2024. Die Teilnehmer des Projekts sollen Lösungen entwickeln, wie Fans umweltfreundlich zu den Spielen in München anreisen können. „Dazu gehören nachhaltige Mobilitätskonzepte, die Organisation des öffentlichen Nahverkehrs sowie Kommunikationsansätze, um Menschen für Nachhaltigkeit zu begeistern“, erklärt Rosberg.
Euro 2024: 2,5 Millionen Zuschauer allein in Berlin erwartet
Die EM ist die drittgrößte Sportveranstaltung der Welt. 2,5 Millionen Menschen aus aller Welt erwartet allein Berlin, nur einer von zehn Austragungsorten. Für das Event braucht es viel Energie, und es entstehen große Mengen an Müll und CO2. Zwar haben die Ausrichter eine Nachhaltigkeitsstrategie für das Turnier präsentiert, um die Umweltauswirkungen zu reduzieren. Aber Ideen dafür entstehen auch außerhalb der Organisation.
Die 250 Studenten etwa, die an Rosbergs Challenge in München teilnehmen, haben fünf Tage Zeit, Konzepte zu entwickeln. Anschließend stellen sie ihre Lösung einer Jury aus acht Wirtschaftsvertretern vor. Rosberg investiert einen fünfstelligen Betrag in das Projekt.
Durch Kooperationen zwischen Wissenschaft und Unternehmen lassen sich wichtige gesellschaftliche Probleme lösen. Der TUM gelingt das bereits gut. 2021 entstanden dort 114 Jungfirmen, zeigt eine von der TUM für das Handelsblatt erstellte Skala. Jüngere Daten liegen noch nicht vor.
16 Einhörner, also Start-ups mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde Euro, hat die Universität hervorgebracht. Zu den bekanntesten gehören der Mobilitätsanbieter Flix, die Luftfahrtfirma Isar Aerospace, der Flugtaxi-Entwickler Lilium sowie das derzeit wertvollste Start-up Deutschlands, das Softwareunternehmen Celonis.
Dennoch fordert TUM-Präsident Hofmann, dass Universitäten ihre Strukturen verändern. Europa stecke in einer Systemkrise, sagt er. „Ich höre oft, die nächste Generation sei nicht leistungsbereit. Mit dieser Initiative können wir widersprechen. Wir haben genügend tolle junge Leute, die etwas bewegen und verändern wollen. Wir müssen sie nur machen lassen.“
Hochschulen müssten sich wandeln, weg vom Fokus auf die klassische Lehre, hin zu Formaten, „in denen Studierende in interdisziplinären Teams ihre Neugierde, ihre Ideen und kollektive Kreativität an praxisrelevanten Herausforderungen erproben können“, sagt er – in Zusammenarbeit mit der freien Wirtschaft.
Der größte Denkfehler dabei sei die Sorge, dass die Wissenschaftsfreiheit durch Kooperationen mit der Wirtschaft eingeschränkt würde.
Das Potenzial hat auch die Bundesregierung erkannt und sich in ihrer Start-up-Strategie zur Unterstützung von Jungunternehmen in Deutschland verpflichtet.
Nico Rosberg investiert seit 2016 in Start-ups
Seit seinem Ausstieg aus der Formel 1 im Jahr 2016 investiert Rosberg in Start-ups. Die Förderung von Gründerinnen und Gründern an der TUM war der Grund, mit der Universität zu kooperieren. „Wir kennen uns durch das Greentech Festival, bei dem die TUM jedes Jahr dabei ist, schon seit Langem. Nachhaltige Transformation und Gründertum sind unser gemeinsames Thema“, sagt er. Rosberg ist Gründer des Greentech Festivals, einer Trendmesse für grüne Innovationen, die jährlich in Berlin stattfindet.
Doch der Investor übt auch Kritik. Deutsche Universitäten seien zwar im Hinblick auf ihre Forschung im internationalen Vergleich exzellent. Doch das Problem, so Rosberg: Jungen Menschen, die über eine Gründung nachdenken, fehle häufig die Flexibilität, etwa ihr Studium zu pausieren.
» Lesen Sie auch: Flix zögert beim milliardenschweren Börsengang
An der TUM ist das teilweise möglich, seit 2012 etwa durch das Gründungsfreisemester. Inzwischen wurde es ins Bayerische Hochschulgesetz aufgenommen und gilt sowohl für Studierende als auch für Wissenschaftler.
Neben seiner Rolle beim Mobilitätsprojekt ist Investor Rosberg auch Teil der sogenannten TUM Speaker Series, einer studentisch geführten Veranstaltungsreihe mit Gastrednern aus der ganzen Welt. Zu den Rednern gehören Microsoft-Gründer Bill Gates, Open-AI-Chef Sam Altman, BMW-Vorständin Ilka Horstmeier und Klimaaktivistin Luisa Neubauer.