Ericsson: O2 Telefónica verringert Abhängigkeit von Huawei weiter
Berlin. Der Mobilfunkanbieter O2 Telefónica erneuert seine Partnerschaft mit dem schwedischen Netzwerkausrüster Ericsson. Die Zusammenarbeit sei für die „kommenden Jahre“ geplant, teilten beide Unternehmen mit. Damit reduziert Telefónica seine Abhängigkeiten von dem umstrittenen chinesischen Anbieter Huawei weiter.
Im Mittelpunkt der Partnerschaft steht das sogenannte Kernnetz, also die Basis des gesamten Telekommunikationsnetzes für die rund 45 Millionen Kunden des Anbieters in Deutschland, das als besonders sicherheitsrelevant gilt. Es besteht aus Servern und Glasfasertechnologien und führt die Daten der einzelnen Mobilfunkstandorte zusammen. Die einzelnen cloudbasierten Komponenten kommen von Ericsson.
Neben der Verlängerung der Zusammenarbeit haben die Unternehmen auch vereinbart, gemeinsam neue Funktionen zu entwickeln und im Netz zu implementieren.
Beide Firmen arbeiten seit 2020 beim 5G-Netz zusammen. Zu den finanziellen Details des Deals wollten sie sich nicht äußern.
„Wir werden unser Portfolio und unsere Fähigkeiten weiter in Richtung Network Slicing, Automatisierung und Programmierbarkeit entwickeln“, kündigte Mallik Rao, Technologiechef von O2 Telefónica, an. Beim Network Slicing geht es um parallel betriebene, virtuelle Netze auf Basis einer gemeinsamen, physischen Infrastruktur.
Welche neuen Fähigkeiten unter anderem gemeint sind, zeigten beide Firmen kürzlich, als sie erstmals die Software im Kernnetz während des laufenden Betriebs auf den neuesten Stand brachten. Dadurch mussten einzelne Teile des Netzes nicht mehr abgeschaltet und der Datenverkehr nicht mehr umgeleitet werden. Störungen dürften dadurch künftig seltener werden.
O2 Telefónica: Partnerschaft auch mit AWS
Ericsson ist nicht der einzige Partner von Telefónica. So werden seit Kurzem die Gespräche von rund einer Million Kunden über die Rechenzentren der Amazon-Tochter AWS gesteuert. Läuft der Start der Zusammenarbeit erfolgreich, könnten mehr Kunden in die AWS-Cloud umziehen.
Das Kernnetz spielt bei der Debatte um den Einsatz chinesischer Technologie beim 5G-Mobilfunknetz eine zentrale Rolle. Im Mai fand dazu ein Spitzentreffen mit Bundeskanzler Olaf Scholz, Innenministerin Nancy Faeser (beide SPD), Verkehrsminister Volker Wissing (FDP), Außenministerin Annalena Baerbock und Wirtschaftsminister Robert Habeck (beide Grüne) statt.
Der dabei besprochene Vorschlag sieht unter anderem vor, dass die Netzbetreiber bis Anfang 2026 zunächst ihre Kernnetze von kritischen Komponenten aus China, also von den Firmen Huawei und ZTE, befreien. Insidern zufolge ist bei Telefónica bereits jetzt kaum noch Huawei-Technik verbaut.
Im Wettbewerb der Netzwerkausrüster sieht sich der schwedische Konzern Ericsson erst einmal als Gewinner, denn das Kernnetz von O2-Telefónica-Kunden wird auf dessen Cloud-Infrastruktur betrieben: „Der neue Vertrag unterstreicht, dass O2 Telefónica die angestoßene Cloud-Transformation mit Ericsson weiterführt.“
Freenet als Ersatz für fehlende 1&1-Kunden
Auch an anderer Stelle stellt sich O2 Telefónica für die Zukunft auf. So konnten die Münchner nach intensiven Verhandlungen den Hamburger Anbieter Freenet als langjährigen Kunden für ihr 5G-Netz gewinnen. Der Vertrag sei auf zehn Jahre angelegt, teilte eine Freenet-Sprecherin mit. Weitere Details wollte sie nicht nennen. Telefónica wollte sich dazu nicht äußern. Das „Manager Magazin“ hatte zuerst über den Deal mit Freenet berichtet.
Erstpublikation: 09.06.2024, 12:36 Uhr.