Finn Auto: Neuer Finanzchef soll Autoverleiher auf Börsengang vorbereiten
Berlin. Florian Drabeck hat Erfahrung mit erfolgreichen Börsengängen. Der Finanzexperte brachte federführend die Münchener Möbelplattform Westwing an den Kapitalmarkt, den inzwischen insolventen Solar-Autobauer Sono Motors und den Musikboxen-Hersteller Tonies.
Anfang Oktober hat Drabeck beim Münchener Auto-Abo-Start-up Finn als Finanzchef angeheuert. Seine Anstellung macht deutlich, welche Ambitionen Finn hegt.
„Finn hat große Ziele. Ich kann dazu beitragen, diese zu erreichen, weil ich diese Firmenphase schon öfter durchgemacht habe“, sagt Drabeck im Gespräch mit dem Handelsblatt. Er spielt damit auf einen möglichen Börsengang an. Zuletzt hat Drabeck als Finanzchef für den Nahrungsergänzungsmittel-Experten Quality Group gearbeitet.
Im Gegensatz zu seinen Stationen bei Sono Motors und Tonies kann sich Drabeck diesmal aber mehr Zeit lassen: „Ein Börsengang wird noch eher Jahre dauern und nicht Monate“, sagt er. Bei Sono Motors und Tonies musste es damals schnell gehen.
Umsätze von mehr als 200 Millionen Euro
Bei Finn würden auch die Investoren bisher nicht drängen, sagt Drabeck. Zu diesen gehören unter anderen Picus Capital, HV Capital, UVC Partners und Heartcore Capital. „Wir schauen schon, dass Finn dann auch mal irgendwann bereit für einen möglichen Börsengang ist“, sagt Rainer Märkle, Partner bei HV Capital. Aber die Erwartung sei sicher nicht, dass hier irgendetwas zeitnah umgesetzt werden muss. Drabeck will nun zunächst sein Team verstärken und Prozesse verbessern.
Privat- und Geschäftskunden können bei Finn ein Auto über ein Abo nutzen, die Laufzeit beginnt bei einem Monat, Versicherung, Wartung und Zulassung sind inklusive. Seit der Gründung 2019 hat die Firma mehr als 250 Millionen Dollar Eigenkapital bei Investoren aufgenommen. Hinzu kommen sogenannte Asset-Backed Securities (ABS), mit denen Finn die Autos finanziert, die zur Flotte dazugeholt werden.
Die Firma gilt inzwischen als aussichtsreicher Anwärter auf eine baldige Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar. Damit würde Finn zu einem sogenannten Einhorn aufsteigen. Von diesen erwarten sich Investoren besonders hohe Renditen, wenn es denn mal einen Börsengang oder einen Exit, also einen Verkauf an ein anderes Unternehmen, gibt.
„Florian kombiniert erstklassige Expertise mit der Kraft, Wachstum zu beschleunigen, Strukturen zu festigen und ambitionierte Ziele durchzusetzen“, freut sich Finn-Chef Maximilian Wühr über die Neubesetzung. Inzwischen kommt Finn auf jährlich wiederkehrende Umsätze von mehr als 200 Millionen Euro und geht auf 40.000 aktive Abonnements zu.
Das soll unter Drabeck weitergehen: „Wir wachsen rasant weiter und wollen das weiter profitabel tun“, sagt Wühr. Seit dem ersten Quartal schreibt die Firma schwarze Zahlen. „Uns kommt zugute, dass es gerade den Trend gibt, der weg vom Eigentum hin zum Abonnement führt“, begründet Drabeck die positive Entwicklung. Bisher könne sich Finn der allgemeinen Wirtschaftsschwäche entziehen.
BYD ja, Tesla nein
Zugleich hatte Finn zuletzt ein gutes Händchen bei der Auswahl der angebotenen Fahrzeuge. Seit Sommer gehören dazu auch Autos des chinesischen Elektroautoherstellers BYD, die dem Unternehmen zufolge stark von den Kunden nachgefragt werden. „Mit Finn erhalten interessierte Kunden sofort eine Produkterfahrung, und BYD wird am Markt schneller sichtbar“, sagt Drabeck. Das mache die Partnerschaft für BYD auch so spannend.
Im kommenden Jahr sollen sich die Abonnements auf 80.000 mehr als verdoppeln, stellt ein Sprecher in Aussicht. Bei diesen Zahlen wird es schwieriger, ausreichend Leute zu finden, die die Wagen vor die Haustür des Kunden liefern. In München wurde deswegen kürzlich die erste Abholstation eröffnet. „Das ist ein Test, der bisher optimal läuft“, sagt der Sprecher. Denkbar sei, weitere Stationen zu eröffnen.
Nach dem Rückzug aus den USA im Februar vergangenen Jahres denkt Finn inzwischen wieder über eine Expansion nach, diesmal allerdings in Europa. In den USA war die Firma drei Jahre aktiv, bevor das Geschäft geschlossen wurde. Laut Drabeck steht eine Sache fest: „Wir wollen zu einer milliardenschweren Firma werden.“