Google: Alphabet-Bewertung fällt nach Apple-Aussage um 60 Milliarden Dollar
Düsseldorf. Ein Satz genügte, um Milliarden zu bewegen: Apple-Dienstechef Eddy Cue legte in einem US-Kartellverfahren offen, dass die Google-Suchanfragen im Safari-Browser von Apple im April erstmals rückläufig waren. Anleger werteten das als Warnzeichen, dass die Dominanz von Google im Suchgeschäft gefährdet sein könnte. Die Google-Mutter Alphabet verlor binnen eines Handelstags 7,5 Prozent an Wert – umgerechnet rund 60 Milliarden Dollar.
Der zentrale Satz von Cue am Mittwoch lautete: „Das hat es in 22 Jahren nicht gegeben.“ Anleger reagierten empfindlich, da Googles Werbegeschäft bis heute stark von der Dominanz in der Internetsuche abhängt.
Dabei betonte Cue zugleich, dass Apple weiter auf Google als Standard-Suchmaschine setzt. Das Unternehmen habe kein Interesse daran, eine eigene Suche zu entwickeln. Vielmehr spreche man mit neuen Anbietern von Künstlicher Intelligenz (KI), um deren Dienste ergänzend in Safari zu integrieren. Ein Bruch mit Google ist laut Apple nicht vorgesehen.
Die Bemerkung bestätigte Ängste von Google-Aktionären, die es schon länger gibt: Google könnte sein lukratives Werbegeschäft durch KI verlieren. Der Tech-Konzern dominiert seit Jahrzehnten die Internetsuche und kann entsprechend gezielt Werbung bei den Suchergebnissen setzen. Allein 2024 erlöste der Konzern damit fast 200 Milliarden Dollar.
Bestimmter Grund für Cues Bemerkung
Analyst Dan Salmon von New Street Research rät dazu, die Daten nicht überzubewerten. Er verweist auf strukturelle Gründe, die den Rückgang der Safari-Suchanfragen erklären könnten: So habe Safari laut Branchendienst Statcounter in den vergangenen sechs Monaten rund einen Prozentpunkt Marktanteil verloren – von 18,2 Prozent im November 2024 auf 17,2 Prozent im April 2025.
Hinzu komme ein weiteres Phänomen, so Salmon: „Wir sehen zunehmend, dass Google Nutzer in Safari aktiv in die eigene App lenkt – auch das dürfte zum Rückgang bei Safari beitragen.“ Anders ausgedrückt: Apple-Kunden könnten vermehrt die Google-App für das Suchen nutzen – anstatt über Safari zu gehen. Das könnte den von Cue beschriebenen Rückgang erklären.
Die Bemerkung machte Cue aus einem bestimmten Grund. Apple wird von dem US-Justizministerium angeklagt, die Google-Suche in ihrer Vormachtstellung zu festigen. Jährlich erhält der iPhone-Konzern knapp 20 Milliarden Dollar von Google, wie im Rahmen des Verfahrens öffentlich wurde, damit dessen Suchmaschine als Standard auf Safari eingestellt ist.
Die Zahlungen würden weniger werden, wenn Google seine Dominanz in der Suche verlieren würde, wie Cue in der Anhörung sagte: „Ich habe schlaflose Nächte, wenn ich darüber nachdenke.“
Mit solchen Äußerungen wollen Cue und Apple eines erreichen: die marktbeherrschende Stellung von Apple und Google herunterspielen. Stattdessen betont Cue die heranwachsende Konkurrenz durch KI. „Verrückt, wie das klingt, könnte man in zehn Jahren kein iPhone mehr brauchen“, sagte Cue. Das iPhone ist das mit Abstand wichtigste Apple-Produkt und der Treiber für die hohen Milliardengewinne.
Google bietet neue KI-Lösungen für Werbekunden
Mit dem neuen Werbeprodukt AI Max for Search geht Google strategisch in die Offensive, um dem zunehmenden Druck durch Konkurrenten wie ChatGPT, Meta AI und Perplexity standzuhalten. Die neue Lösung wird ab Ende Mai weltweit in einer Beta-Version ausgerollt.
Wie auch der Rivale Meta versucht Google, die Arbeit von Werbeagenturen zu übernehmen. Mittels KI erstellt der Konzern passgenaue Werbeanzeigen für Kunden, die auf die eigene Plattform zugeschnitten sind. Im Zentrum steht die Zielgruppe kleiner und mittelgroßer Unternehmen, die keine großen Marketingressourcen besitzen. Künftig sollen sich komplexe Werbekampagnen mit nur einem Klick erstellen lassen, wirbt Google.
Google ist schon heute der größte Anbieter auf dem Markt für Onlinewerbung. AI Max soll in der Lage sein, Werbeanzeigen auch auf die KI-Suche von Google zuzuschneiden.
In Deutschland werden seit März KI-generierte Zusammenfassungen vor der klassischen Trefferliste mit weiterführenden Links ausgespielt. AI Max soll Google helfen, diesen Schritt besser zu monetarisieren. Analyst Salmon betont den strategischen Wert dieser Entwicklung: „AI Max verändert heute noch nicht grundlegend den Wettbewerb um Nutzerverhalten – aber es hat große Auswirkungen darauf, wie Google die abgefangenen Suchanfragen monetarisieren kann.“
Mit Material von der Agentur dpa