Hirnforscher zur Digitalisierung: „Wir müssen unsere Kinder schützen“
Je später man mit dem Medienkonsum anfängt, desto besser.
Foto: HandelsblattUlm. Es gibt durchaus Hochschulprofessoren, die auch Entertainer-Qualitäten mitbringen. Aber Manfred Spitzer, ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik Ulm, ist ein Ausnahmetalent. Im Kampf gegen die Schattenseiten des Internets läuft der 57-Jährige mittlerweile zu Hochform auf – manchmal schrill, immer pointiert. Muss er auch sein: Er legt sich schließlich mit Apple, Google, Facebook & Co an.
Herr Professor Spitzer, nach dem Erfolg Ihres letzten, durchaus umstrittenen Buches „Digitale Demenz“ heißt Ihr neues Werk nun „Cyberkrank“. Welche Krankheiten diagnostizieren Sie?
Die „digitale Revolution“ provoziert geistige wie körperliche Schäden in Hülle und Fülle. Die Krankheitsbilder reichen von Depressionen bis zu Suchtsymptomen und von Schlaflosigkeit über Bluthochdruck bis zu Krebs.
Internetkonsum löst Krebs aus, nicht Ihr Ernst, oder?
Es geht um chronischen Stress, der sich letztlich aus dem Gefühl des Kontrollverlustes speist, in diesem Fall der Angst, die digitalen Angebote nicht mehr zu beherrschen. Chronischer Stress regelt Verdauung, Wachstum und das Immunsystem runter und erhöht damit zwangsläufig die Wahrscheinlichkeit einer Krebserkrankung.