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IFA Erst Panik, dann Boom: Wie die Elektronikbranche von Corona profitiert

Arbeiten, entspannen, kochen: Alles passiert zu Hause. Das beschert der Elektronikbranche eine Sonderkonjunktur. Wie lange die anhält, ist aber offen.
04.09.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Dieses Jahr sind bei der IFA die ruhigen Töne angesagt: Nur ein paar hundert Fachbesucher dürfen aufs Gelände. Quelle: Reuters
Eingang der Messe Berlin

Dieses Jahr sind bei der IFA die ruhigen Töne angesagt: Nur ein paar hundert Fachbesucher dürfen aufs Gelände.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Man muss kein Corona-Leugner sein, um Masken lästig zu finden, unter dem Stoff wird es warm und stickig. Wer sich damit nicht abfinden mag, für den gibt es Abhilfe.

Der Elektronikkonzern LG Electronics hat einen Luftreiniger mit Gebläse entwickelt, der sich vors Gesicht schnallen lässt – das, so das Versprechen, beim Atmen helfen soll. Nach medizinischem Personal sollen bald auch Privatnutzer den „PuriCare Wearable Air Purifier“ kaufen können.

In der Corona-Pandemie haben sich die Bedürfnisse der Verbraucher stark verändert. Die wichtigsten Werte seien nun Sicherheit, Unterhaltung und Bequemlichkeit, sagte Merlin Wulf, Marketingdirektor von LG Deutschland, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz auf der IFA in Berlin.

Damit wird auch eine Maske, die an den Mundschutz der „Storm Trooper“ in den „Star Wars“-Filmen erinnert, zu einem Produkt, für das sich vielleicht Durchschnittsnutzer interessieren.

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    Ob das Gerät ein Hit wird, ist offen. Klar ist aber: Die Corona-Pandemie hat vielen Herstellern von Unterhaltungselektronik, Haushaltsgeräten und IT eine Sonderkonjunktur verschafft. „Wenn Menschen mehr Zeit daheim verbringen, steigt der Bedarf an Technik, die das Leben produktiver, unterhaltsamer und angenehmer macht“, sagte Kai Hillebrandt, Aufsichtsratschef des Ausrichters GFU. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz in Deutschland um 5,3 Prozent auf 20,3 Milliarden Euro, wie die GFU ermittelt hat.

    Die IFA hat ein Hygienekonzept, um die Besucher vor Ansteckungen zu schützen. Quelle: Reuters
    Reinigung von Sitzen

    Die IFA hat ein Hygienekonzept, um die Besucher vor Ansteckungen zu schützen.

    (Foto: Reuters)

    Für die Messe haben die Marketingabteilungen daher ihre Botschaften auf die Bedürfnisse jener Verbraucher abgestimmt, die das nötige Budget haben, um ihr Zuhause zu verschönern oder die Heimkino-Ausstattung aufzurüsten. Allerdings nur vor einem kleinen Publikum, darf die IFA doch nur in einem Kleinformat stattfinden. Auch das ist eine Folge der Pandemie.

    Webcams besonders gefragt

    Nach einem Boom sah es zwischenzeitlich nicht aus. Während der Corona-Pandemie haben die Nutzer nach Einschätzung des Marktforschers GfK verschiedene Phasen durchlaufen, die sich an der Nachfrage nach bestimmten Elektronikprodukten ablesen lassen.

    Erst Panik, als das öffentliche Leben plötzlich stillstand: In dieser Zeit kümmerten sich Unternehmen wie Privatnutzer um dringende Bedürfnisse. Dazu zählt aus Sicht der Technologiebranche die Ausrüstung für Homeoffice und Homeschooling.

    Während der Ausgangsbeschränkungen waren besonders Webcams gefragt: Ein Plus von 300 Prozent verzeichnete der Marktforscher GfK. Auch die Nachfrage nach Monitoren (+120 Prozent), Druckern (+68 Prozent) und Tastaturen (+61 Prozent) war hoch, ebenso Notebooks (+62 Prozent). Viele PC-Modelle sind weiter ausverkauft oder nur mit mehreren Wochen Lieferfrist zu bekommen.

    Nach einigen Wochen folgte die Anpassung an die Situation. „Dadurch, dass die Leute viel mehr zu Hause sind, legen sie auch viel mehr Wert auf ihre direkte Umgebung, weil es andere Unterhaltung wie Theater, Oper oder Sportveranstaltungen nicht mehr gibt“, sagt Stefan Streit, Marketingchef des chinesischen Elektronikherstellers TCL.

    Davon profitieren beispielsweise die Hersteller von Fernsehern, Tablets und Spielekonsolen, deren Geräte für ein alternatives Unterhaltungsprogramm sorgen. Auch Kühlschränke und Gefriergeräte seien gefragt – gekocht wird derzeit nun mal zu Hause.

    Viele Verbraucher seien vorsichtiger geworden beim Investieren, bilanziert Streit. „ Im Vergleich zu anderen Branchen dürfen wir aber nicht klagen.“

    „Die Stunde des Marketings“

    Ob ein Dampfreinigungsgerät für die Wäsche, ein unauffälliger Dunstabzug oder ein Projektor für hochauflösende Bilder im Heimkino – großartig anders als im Vorjahr klingt das Programm der IFA nicht.

    „Natürlich ist nicht wegen der Pandemie eine bewusste Neuentwicklung erfolgt“, sagt Matthias Ginthum, Marketingchef von BSH Hausgeräte, das zu Bosch gehört. Dafür seien die Zyklen zu lang. „Aber es gibt Features, die in der derzeitigen Situation besonders gefragt sind.“

    Der größte Hausgerätehersteller in Europa beobachtet derzeit beispielsweise eine große Nachfrage nach Waschmaschinen mit speziellen Reinigungsprogrammen, aber auch nach Küchenmaschinen für die Zubereitung von Smoothies oder Kuchen.

    Dabei handele es sich nicht allein um Nachholbedarf, der aus den Ausgangsbeschränkungen im Frühjahr resultiere, betont Ginthum: „Wir stellen fest, dass es eine Verschiebung zu bestimmten Produktsegmenten gibt.“

    Darauf stellt sich BSH, das stark auf Vernetzung setzt, ein: bei Produktion und Vertrieb, aber auch bei der Vermarktung. „Trotz der Einschränkungen gibt es eine Kaufkraft, die sich den Weg bahnt. Das ist die Stunde von Marketing und Vertrieb, Angebote zu machen“, sagt Ginthum.

    Ob der Corona-Boom anhält, ist indes schwer zu sagen. Die GFU erwartet im zweiten Halbjahr für den deutschen Markt weiteres Wachstum, unter anderem, weil Verbraucher noch einige Anschaffungen nachholen.

    Prognosen sind in dieser besonderen Situation aber schwierig, wie in der Branche alle betonen. So ist kaum abzusehen, wie sich eine zweite Infektionswelle auf die Wirtschaft und das Konsumklima auswirken würde. Dagegen hilft noch nicht einmal eine elektronische Maske.

    Mehr: Wie die IFA mit der Corona-Pandemie umgeht

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