Softbank-Tochter: Größter Börsengang des Jahres: Chipspezialist Arm startet Rückkehr an den Aktienmarkt
Arm hat eine Schlüsselstellung in der globalen Elektronikindustrie inne.
Foto: BloombergSan Francisco, Tokio. Der Chipkonzern Arm ist ein heimlicher Riese der globalen Technologiewelt. Ob iPhone oder Samsung Galaxy, kein modernes Smartphone kommt ohne die Entwicklungen der Firma aus Großbritannien aus. In der Nacht auf Dienstag hat Eigentümer Softbank den Countdown zu dem für September erwarteten Börsengang offiziell eingeleitet.
Zum Volumen und Preis der Aktienplatzierung an der Technologiebörse Nasdaq gab es zunächst keine Angaben. Es dürfte jedoch die größte Emission seit zwei Jahren werden.
Aus dem nun veröffentlichten Börsenprospekt (hier im Original) werden Details des Geschäfts von Arm deutlich. Daraus wird klar: Der Chipdesigner ist hochprofitabel. Das Unternehmen erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr, das im März endete, einen Nettogewinn von 524 Millionen Dollar bei einem Umsatz von 2,68 Milliarden Dollar. Im Vorjahr waren es 549 Millionen Dollar Gewinn bei Erlösen von rund 2,7 Milliarden Dollar gewesen
Der Chipkonzern beschäftigt nur rund 6000 Angestellte. Das Unternehmen hat jedoch eine Schlüsselstellung in der globalen Elektronikindustrie inne. Konzerne wie Apple, Google und Qualcomm zählen zu den wichtigsten Partnern und Kunden von Arm. Im Geschäftsjahr 2023 wurde die Technologie von Arm in mehr als 30 Milliarden Chips verwendet, teilte das Unternehmen mit.
Mit dem Börsengang könnte Arm eine höhere Bewertung erreichen als der Elektroautobauer Rivian, der zum Aktiendebüt im November 2021 auf eine Marktkapitalisierung von 70 Milliarden Dollar kam. Der Chipkonzern könnte zum Start sogar wertvoller werden als der Fahrdienstleister Uber, der beim Gang auf das Börsenparkett im Jahr 2019 mit 75 Milliarden Dollar bewertet wurde.
Quasi-Monopol für Smartphone-Chips
Der japanische Technologieinvestor Softbank unter Leitung von Masayoshi Son hatte Arm im Jahr 2016 für 32 Milliarden Dollar gekauft. Softbank hatte kürzlich einen 25-prozentigen Anteil von seinem unter anderem von Saudi-Arabien unterstützten Vision Fund zurückgekauft. Der Deal bewertete Arm mit rund 64 Milliarden Dollar. Zum Start könnte Softbank zehn bis 15 Prozent seiner Anteile an dem Chipdesigner an die Börse bringen, berichtete „Nikkei“.
Vorschau: Was die Chipnachfrage über die Weltkonjunktur verrät
Arm hält ein Quasi-Monopol für die Architektur von Smartphone-Chips. Im Börsenprospekt schreibt das Unternehmen: „Wir gehen davon aus, dass rund 70 Prozent der Weltbevölkerung Arm-basierte Produkte nutzt.“ Seit der Übernahme durch Softbank ist die Produktion solcher Chips um rund 70 Prozent gestiegen.
Allerdings kehrt Arm genau zu einem Zeitpunkt an die Börse zurück, an dem die globale Smartphone-Branche und auch die Chipindustrie eine Flaute erleben. Die Pandemie sowie der neue Mobilfunkstandard 5G hatten global die Smartphone-Absätze getrieben. Dieser Zyklus endet nun.
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Weltweit werde der Smartphone-Absatz in diesem Jahr um rund sechs Prozent fallen, prognostizierte der Marktforscher Counterpoint Research. Gerade die südkoreanischen Speicherchiphersteller Samsung Electronics und Hynix sitzen daher auf hohen Lagerbeständen und erleiden Verluste in ihrem Chipgeschäft.
Arm-IPO als Trendsetter für Börsengänge?
Am Markt wird der Börsengang daher auch als Barometer für die Technologieaktien und Start-ups gesehen, deren Bewertungen im vergangenen Jahr stark zurückgegangen sind. Viele Start-ups hatten daher Börsengänge zurückgestellt. Ein guter Börsengang von Arm könnte sie daher ermutigen, selbst den Markt zu testen.
Die Firma ist eng mit der Entwicklung von Smartphones verbunden. Schon 1990 wurde das Unternehmen gegründet als ein Zusammenschluss mehrerer Unternehmen. Apple spielte von Anfang an eine wichtige Rolle.
Arm verfolgte eine Strategie, die anfangs in der Chipindustrie als verpönt galt. Anstatt besonders leistungsfähige Chips zu entwickeln, die aufwendige Rechenoperationen ausführen können, konzentrierte sich Arm auf eine Architektur, die besonders stromsparend ist.
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Heute gilt der Ansatz von Arm als besonders vielversprechend. Unter anderem Apple hat die Technik in seinen iPhones so weiterentwickelt, dass sie herkömmlichen Chips überlegen ist. Apple verbaut die stromsparenden Chips nun nicht mehr nur in Smartphones und Tablets, sondern auch in Mac-Computern.
Zu den Partnern von Arm zählt auch Mercedes-Benz. Der Autobauer will leistungsfähige und energiesparende Chips perspektivisch für selbstfahrende Autos nutzen. Zudem sind Arm-Chips für Anwendungen auf Basis von Künstlicher Intelligenz wichtig.
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„Ein starker Börsengang von Arm wäre nicht nur ein großer Gewinn für Softbank, sondern würde auch die KI-Strategie des Konzerns untermauern, da sie zeigt, dass der Markthype um Künstliche Intelligenz nicht nachgelassen hat“, sagte Kyle Stanford vom Analysehaus Pitchbook.
Arm: Zweiter Gang an die Börse
1998 feierte Arm sein Aktiendebüt. Mehr als zwei Jahrzehnte später nahm Softbank das Unternehmen nach der Übernahme jedoch von der Börse. Zwischenzeitig versuchte der Chipkonzern Nvidia, Arm zu kaufen, scheiterte aber unter anderem an den Bedenken von Wettbewerbsbehörden.
Arm ist nach eigenen Angaben Eigentümer oder Miteigentümer von etwa 6800 Patenten und hat weltweit etwa 2700 Patentanmeldungen beantragt, von denen viele für Schlüsseltechnologien relevant sind, die in vielen der heute hergestellten Chips verwendet werden.