Softwarehersteller: SAP droht neuer Ärger in den USA – Bericht über Ermittlungen
Bei der Untersuchung gehe es darum, ob SAP mit dem IT-Dienstleister Carahsoft und anderen illegal zusammengearbeitet habe, um die Preise für Verkäufe an das Militär und andere Teile der Regierung festzulegen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg.
Der Dax-Konzern bestätigte am Mittwoch, dass es eine zivilrechtliche Untersuchung durch das US-Justizministerium gebe. SAP habe von Anfang an mit der Behörde kooperiert. „Zum jetzigen Zeitpunkt haben wir keine Informationen darüber, was zu den jüngsten Ereignissen im Zusammenhang mit Carahsoft geführt hat.“
An der Börse kam die über die Ermittlung schlecht an. Die SAP-Aktie notierte Mittwochmittag rund drei Prozent im Minus bei 200 Euro. Noch tags zuvor hatte das Papier des wertvollsten Dax-Konzerns mit rund 207 Euro einen neuen Rekordstand erreicht.
Erst am Jahresanfang hatte SAP ein jahrelanges Korruptionsverfahren in den USA beigelegt: Der Softwarehersteller zahlte wegen Verstößen gegen den Foreign Corrupt Practices Act (FCPA), der Bestechung im Ausland verbietet, mehr als 220 Millionen Dollar an Strafe und Gewinnabschöpfung.
Die Untersuchung läuft schon seit zwei Jahren
Die aktuelle zivilrechtliche Untersuchung läuft seit mindestens 2022. Dabei geht es laut Bloomberg um die Frage, ob die Unternehmen die Vermarktung von SAP-Produkten im öffentlichen Sektor „über ein Jahrzehnt hinweg“ manipuliert haben. Die Ermittler prüften auch die Rolle anderer Firmen wie Accenture, hieß es in dem Bericht.
Die Details sind jedoch offen: Die Nachrichtenagentur wertete Gerichtsakten aus, die umfangreich geschwärzt waren. Die Folgen lassen sich damit nur schwer bewerten, zumal derartige Untersuchungen in den USA nicht selten ohne die Feststellung von Fehlverhalten enden.
Carahsoft ist als sogenannter Reseller tätig und verkauft Software von zahlreichen Anbietern an Geschäftskunden im öffentlichen Sektor weiter. Das Unternehmen verbuchte nach eigenen Angaben von 2019 bis 2022 knapp 13 Milliarden Dollar Umsatz, ein Plus von 84 Prozent in diesem Zeitraum.
Die Vermarktung von SAP-Technologie ist ein wichtiger Teil des Geschäfts. Laut den Gerichtsakten habe Carahsoft mit Bundesbehörden der USA mehr als 600 Verträge im Wert von mehr als 990 Millionen Dollar geschlossen, berichtete Bloomberg.
Bei SAP lag die Verantwortung für Compliance – also die gute Unternehmensführung – bis Ende August bei Marketingvorständin Julia White, die den Dax-Konzern jedoch verlassen musste. Nach Beendigung ihres Vertrags übernahm Vorstandschef Christian Klein diese Aufgabe.