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Soziale Netzwerke Das große Aufräumen: Warum immer mehr Plattformen Nutzern härtere Grenzen setzen

Nach Facebook gehen nun auch Twitter, Snapchat, Youtube und Twitch härter gegen Hass und Hetze vor. Selbst im „Sündenpfuhl“ des Internets tut sich was – zum Leidwesen der Trump-Fans.
02.07.2020 - 16:41 Uhr Kommentieren
Der Republikaner nutzt soziale Netzwerke für seinen Wahlkampf. Insbesondere auf Reddit sammelten sich seine Anhänger und verbreiteten von dort lustige, aber auch hetzerische Bilder. Jetzt will der Betreiber stärker eingreifen. Quelle: action press
US-Präsident Trump

Der Republikaner nutzt soziale Netzwerke für seinen Wahlkampf. Insbesondere auf Reddit sammelten sich seine Anhänger und verbreiteten von dort lustige, aber auch hetzerische Bilder. Jetzt will der Betreiber stärker eingreifen.

(Foto: action press)

Düsseldorf Sie verbreiten Verschwörungstheorien über seine Gegner, feiern Massenmorde an Muslimen und nennen ihn Gottkaiser. Hunderttausende Fans von US-Präsident Donald Trump haben sich auf der Plattform Reddit im Forum „The_Donald“ zusammengefunden. Viele Videos und Bilder, die der Politiker über Twitter und Facebook an Millionen Menschen verbreitet, stammen ursprünglich aus dieser Gruppe.

Doch damit ist es vorbei: Diese Woche löschte Reddit rund 2000 Foren, Subreddits genannt, wegen der Verbreitung hasserfüllter Inhalte. Auch das inoffizielle Forum der Trump-Fans ist nicht mehr online. Als Reaktion auf die „Black Lives Matter“-Proteste in den USA hat das Unternehmen neue Nutzungsbedingungen beschlossen und diese sogleich umgesetzt. „Remember the Human“, „Denk an den Menschen“, lautet nun der erste Satz des Regelwerks.

Ausgerechnet Reddit. Ausgerechnet die Plattform, die bislang so gut wie nichts getan hat gegen Hass, Frauenfeindlichkeit und Rassismus, die das amerikanische Ideal der Meinungs- und Redefreiheit in seiner Extremform verkörpert, schreitet nun ein.

Es ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die Betreiber von sozialen Netzwerken und Onlineplattformen ihre Politik überdenken – mindestens genauso wie Facebook, das derzeit mit einem Boykott großer Anzeigenkunden umgehen muss.

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    Seit Twitter-Chef Jack Dorsey Ende Mai erstmals einen Beitrag von US-Präsident Donald Trump in seinem Netzwerk mit einer Warnung versehen ließ, überschlagen sich die Entwicklungen. In der heißen Phase des US-Wahlkampfs müssen Technologieunternehmen heikle Entscheidungen treffen. Ihre Richtlinien, das ist seit dem Datenskandal mit Cambridge Analytica klar, können sich auf das Wahlergebnis auswirken.

    In dieser Gemengelage streikten zunächst Hunderte Facebook-Mitarbeiter gegen die Haltung ihres Chefs, der den strittigen Beitrag von Trump stehen lassen wollte. Und auch Unternehmen kritisieren weltweit eine Entgleisung der Debatte im Netz und streichen deswegen Werbekampagnen.

    Angst um die Anzeigenkunden

    Wer nicht agiert, muss reagieren: In den vergangenen Tagen und Wochen haben auch Twitter, Snapchat, Youtube und Twitch angekündigt, Inhalte von Donald Trump und seinen Anhängern zu löschen oder zumindest weniger prominent anzuzeigen, wenn diese gegen die Regeln verstoßen. Ob das geschieht, um die Plattform besser zu machen, wie Reddit-Gründer Steve Huffman betont, oder aus Angst, wie Facebook Anzeigenkunden zu verlieren, ist dabei nicht immer klar.

    In der Vergangenheit haben Social-Media-Plattformen immer wieder Inhalte gelöscht, auch im großen Stil. Doch so synchron haben sie noch nie agiert. Ein Überblick: Facebook hat jüngst Hunderte Nutzerkonten und Seiten der rechten Boogaloo-Bewegung entfernt, Youtube ist gegen Kanäle aus dem Umfeld des Ku-Klux-Klans vorgegangen. Und Twitter hat in den vergangenen Wochen mehrere Tweets des Präsidenten mit Warnhinweisen versehen oder gelöscht.

    Doch auch kleinere Unternehmen werden aktiv. So hat das Videoportal Twitch, das bei Computerspielern beliebt ist, Trumps Nutzerkonto vorübergehend gesperrt und einige Inhalte gelöscht – unter anderem den Mitschnitt eines Wahlkampfauftritts, in dem der Republikaner behauptete, Mexiko schicke Vergewaltiger in die USA. Politiker müssten sich wie alle Nutzer an die Regeln halten, erklärte das Tochterunternehmen von Amazon. Zuvor hatte Twitch versprochen, auch gegen Angriffe innerhalb der Community stärker vorzugehen.

    Der Online-Dienst Snapchat, der für sich selbst löschende Nachrichten bekannt ist, hebt Beiträge von Donald Trump nicht mehr im „Discover“-Bereich hervor, wo das Unternehmen redaktionell ausgewählte Inhalte wie Nachrichten zusammenfasst und seinen Nutzern empfiehlt. „Wir werden kein Verstärker für Stimmen sein, die rassistische Gewalt und Ungerechtigkeit anfachen“, erklärte es Anfang Juni. Das Nutzerkonto des Präsidenten ist weiter vorhanden.

    Snap umgeht damit eine Diskussion über Zensur: Der Präsident hat weiter die Möglichkeit, sich an seine 1,5 Millionen Fans zu wenden, allerdings ohne zusätzliche Verstärkung.

    Zuckerberg will sich nicht erpressen lassen

    Die meisten Werbetreibenden richten ihren Boykott derzeit ausschließlich gegen Facebook. Mit dem Energiekonzern Eon schloss sich am Donnerstag ein weiterer Dax-Konzern der Aktion an – es gehe darum, ein Zeichen „gegen Hassrede, Diskriminierung und Intoleranz“ zu setzen, erklärte der Energieversorger. Zuvor hatten sich bereits unter anderen Volkswagen, SAP, Beiersdorf und Henkel ähnlich geäußert.

    Allerdings könnte es auch Twitter, Youtube und andere Plattformen treffen. In einer Umfrage des Verbands World Federation of Advertisers, der nach eigenen Angaben 90 Prozent der weltweiten Werbeausgaben repräsentiert, erwägt jede dritte große Marke, die Ausgaben für Social Media auszusetzen – was die Aktionen der Unternehmen erklärt.

    Unter dem Druck der Werbekunden bewegt sich auch Facebook-Chef Mark Zuckerberg, der in der Vergangenheit immer wieder betont hat, er wolle nicht der „Richter über die Wahrheit“ sein und so wenig eingreifen wie möglich. Aufrufe zur Gewalt und Beiträge, die Menschen von politischen Wahlen abhalten könnten, sollen künftig sofort gelöscht werden – selbst wenn sie vom US-Präsidenten kommen. Und sollte Trump die Regeln gegen Hassrede verletzten, will Zuckerberg das kennzeichnen.

    Das Eingeständnis bedeutet allerdings nicht, dass der Facebook-Chef seine Einstellung verändert hätte. Zwar hat Zuckerberg am Freitag erklärt, auch Politikern künftig etwas mehr Grenzen zu setzen und zu markieren, wenn Trump die Facebook-Richtlinien verletzt. Aber Mitschnitte aus einer internen Sitzung mit Mitarbeitern zeigen, wie er wirklich über den Protest denkt.

    „Die Wahrheit ist, dass eine Handvoll Werbetreibende, selbst wenn es Dutzende werden sollten, die die Plattform verlassen, wirtschaftlich keinen großen Unterschied machen“, sagte er laut dem Fachdienst „The Information“ zu seinen Mitarbeitern. Weil es auch intern Kritik an seinem Umgang mit Falschinformationen gibt, gelangten Mitschnitte aus solchen Gesprächen zuletzt häufiger an die Presse.

    „Normalerweise tendiere ich dazu zu denken: Wenn jemand dir droht, dann bringt er dich in eine Situation, in der es in mancher Hinsicht noch viel schwerer ist zu tun, was er will“, sagte Zuckerberg demnach. „Es sieht aus, als würdest du kapitulieren, und das setzt langfristig Anreize für andere, sich auch so zu verhalten.“ Und das will der Gründer um jeden Preis vermeiden.

    Aber sogar Zuckerberg räumt ein: „Natürlich schadet es unserer Reputation, wenn anerkannte Marken da draußen sagen, dass unsere Plattform kein sicherer Ort für ihre Marke ist.“

    Mehr: Chefs von US-Techfirmen sollen offenbar vor Kongress aussagen.

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