Start-up: Diese Firma findet die perfekte Avocado – mit MRT-Technologie
Berlin. „Am Ende des Tages sieht eine Avocado ähnlich wie ein Ei aus“, sagt Pedro Gómez, Mitgründer des Münchener Start-ups Orbem. Bisher hat sich Orbem darauf konzentriert, Eier mit seiner auf Künstlicher Intelligenz (KI) basierten Magnetresonanztomografie-(MRT-)Technologie zu durchleuchten, um das Geschlecht des Hühnerembryos zu erkennen. Mit dem schnellen Bildgebungsverfahren trägt Orbem dazu bei, dass weniger männliche Küken getötet werden.
Doch jetzt will sich Gómez mit Orbem die nächsten Branchen vorknöpfen und beispielsweise auch Wassermelonen und Avocados auf innere Schäden testen. „Bisher existiert keine andere Lösung, die so tief und ohne Schäden Obst und Gemüse analysieren kann“, sagt Gómez. Daher sei das Wachstumspotenzial für Orbem auf diesem Milliardenmarkt sehr hoch. Noch in diesem Jahr sollen die ersten von Orbem gescannten Früchte im Supermarkt zu finden sein.
Um die Erweiterung des Produktportfolios und die Expansion in einen der weltweit größten Agrarmärkte – die USA – finanzieren zu können, erhält Orbem jetzt 55,5 Millionen Euro von Investoren. Die Finanzierungsrunde wird vom niederländischen Deeptech-Investor Innovation Industries angeführt.
„Wir glauben, dass Orbem Marktführer für die Qualitätsüberprüfung in der Industrie werden kann“, begründet Pleuni Hooijman von Innovation Industries das Engagement. Auch der französische Risikokapitalgeber (VC) Supernova Invest sowie Bestandsinvestoren wie General Catalyst und 83North beteiligen sich an der Geldspritze.
„Orbem ist ein Paradebeispiel dafür, wie KI unser Leben zum Besseren verändern kann, indem sie Effizienzsteigerungen erzielt, Abfall reduziert und die Qualität der von uns konsumierten Lebensmittel verbessert“, sagt Gil Goren vom britischen Investor 83North.
Orbem wurde 2019 von den Unternehmern Pedro Gómez und Miguel Molina Romero und der Spezialistin für Reproduktionsbiotechnologie, Maria Laparidou, als Spin-off der TU München gegründet. Seit 2023 ist die Firma mit ihrer Lösung in der Geflügelindustrie aktiv und hat seit der Markteinführung mehr als 170 Millionen Eier getestet.
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Orbem kann Zehntausende Eier pro Stunde über ein vollautomatisches Transportsystem durch die autonom arbeitenden MRT-Geräte schleusen. Dabei bestimmt die Software das Geschlecht anhand der Bilder (In-ovo-Sexing). Danach werden die Eier mit weiblichen Hühnerembryos aussortiert und bebrütet, die anderen nicht.
Dadurch wird verhindert, dass männliche Küken, die keine Eier legen und weniger Fleisch als weibliche bringen, getötet werden – eine lange gängige Praxis, die in vielen Ländern wie Deutschland inzwischen verboten ist. „Wir haben seit unserer Gründung 68 Millionen männliche Küken gerettet“, sagt Gómez. Die Nachfrage nach ethisch produzierten Eiern wachse stetig.
Lösungen für den Gesundheitssektor
In Europa gilt Orbem als Marktführer beim sogenannten nicht invasiven In-ovo-Sexing. Die in fünf Ländern aktive Firma ist nach eigenen Angaben profitabel. Zu den Kunden, die eine Gebühr pro Scan zahlen und meist mehrjährige Verträge haben, gehören unter anderem der deutsche Geflügelzüchter Lohmann und der international tätige Züchter Hendrix Genetics.
Aktuell konzentriert sich Orbem auf die US-Expansion und die Erweiterung des Geschäfts in Richtung Obst- und Gemüse-Scan. Doch dabei soll es nicht bleiben. „Mittelfristig entwickeln wir Lösungen für den Gesundheitssektor, um die MRT-Analyse schneller zu machen“, kündigt Gómez an. Details will er noch nicht verraten.