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Start-up-Hilfen Risikokapitalgeber können bei Finanzierungsrunden ab sofort Förderung beantragen

Die KfW Capital gibt die erste Säule eines zwei Milliarden Euro schweren Hilfspakets frei. Kleinere Start-ups müssen sich noch länger gedulden.
14.05.2020 - 15:54 Uhr Kommentieren
Die Förderbank des Bundes organisiert die Start-up-Hilfen. Quelle: dpa
Logo der KfW

Die Förderbank des Bundes organisiert die Start-up-Hilfen.

(Foto: dpa)

Hamburg Die erste Säule der angekündigten Start-up-Hilfen des Bundes ist freigegeben. Die Förderbank KfW teilte am Donnerstag mit, Risikokapitalgeber könnten ab sofort Zuschüsse zu Finanzierungsrunden für Start-ups beantragen. Direkthilfen für Gründer ohne Risikokapitalgeber gibt es hingegen voraussichtlich nicht vor Anfang Juni.

Vor gut sechs Wochen hatte Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) ein zwei Milliarden Euro schweres Hilfspaket angekündigt. 800 Millionen Euro davon sollen über die Förderbanken der Länder ausgeteilt werden. Sie lassen sich derzeit noch in Workshops von der KfW über die genaue Ausgestaltung informieren.

Bereits beantragt werden kann hingegen die Aufstockung von Finanzierungsrunden durch die staatlichen Förderer. Die KfW-Risikokapitaltochter KfW Capital veröffentlichte Details zu dem Programm. Risikokapitalgeber können sich demnach entscheiden, ob sie den Staat nur an Finanzierungsrunden für bereits im Portfolio befindliche Unternehmen beteiligen wollen oder zusätzlich auch an Neuinvestments.

Hintergrund ist, dass Fonds, die einmal die KfW beteiligen, ihr diese Möglichkeit auch für weitere Investments bis Ende das Jahres öffnen müssen. Die Förderer wollen damit verhindern, dass sie nur bei besonders riskanten Deals beteiligt werden. Zudem dürfen die Start-ups nicht schon vor dem Jahreswechsel in Schwierigkeiten gewesen sein.

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    Den Antrag stellen können Risikokapitalgeber aus ganz Europa, die sich akkreditieren lassen oder es schon sind. Ihre Investitionen sollen aber einen „starken Deutschlandbezug“ haben. Die KfW Capital will die Finanzierungsrunden in der Regel mit 50 Prozent aufstocken, die Risikokapitalgeber können jedoch auch mehr oder weniger Beteiligung wählen – allerdings nicht mehr als 70 Prozent. Eine Verwaltungsgebühr dürfen sie dafür nicht nehmen.

    Das Geld fließt an die Start-ups als Wandeldarlehen oder Eigenkapital. Die Hoffnung ist, dass letztlich die KfW Capital durch die Hilfen sogar einen Gewinn machen könnte. Das Paket entspricht den Ankündigungen der vergangenen Wochen. Allerdings ist die ursprüngliche Ankündigung, das Paket solle sich nur an Start-ups richten, die mit mindestens 50 Millionen Euro bewertet worden sind, wohl fallengelassen worden.

    Unklar ist, wie stark die Szene leidet

    Weiterhin offen ist, ob die zwei Milliarden Euro an Hilfen auf den bereits vor der Coronakrise angekündigten Zehn-Milliarden-Euro-Gründerfonds der Bundesregierung angerechnet werden oder nicht. Das dürfte auch davon abhängig sein, wie schwer die Start-up-Szene tatsächlich von der Krise gebeutelt wird. Noch glänzt die Szene nämlich mit regelmäßigen Finanzierungsrunden für Start-ups. Selbst neue Fonds werden in der Krise aufgelegt – vergangene Woche etwa der Münchener Tech-Fonds Vsquarded mit einem Zielvolumen von 65 Millionen Euro.

    Laut einer Studie von Europeanstartups.co sind 65 Prozent der europäischen Gründer von der Krise nicht betroffen oder profitierten sogar davon. Der Start-up-Verband dagegen argumentiert, bis zu 70 Prozent der Gründer fürchteten wegen Corona um ihre Existenz. Ob das zutrifft oder ob das Scheitern von Start-ups nicht das Alltagsgeschäft in der Gründerszene ist, ist unter den Start-up-Finanzierern umstritten.

    Das Interesse der deutschen Risikokapitalgeber an den Hilfen der KfW Capital ist jedenfalls groß. „Einige unserer Start-ups sind durch die Coronakrise massiv betroffen“, sagt etwa Jan Miczaika, Partner bei Holtzbrinck Ventures, dem Handelsblatt bereits am Mittwoch.

    Der Investor hinter Reise-Start-ups wie Flixbus und Tourlane prüft, ob er künftige Finanzierungsrunden aus dem Programm aufstocken lässt. „Das Start-up-Schutzschild der Bundesregierung ist eine sinnvolle Ergänzung der KfW-Programme, die für junge Unternehmen typischerweise nicht greifen“, sagt Miczaika. Ähnlich beurteilte der Münchener Tech-Investor Target Partners die Lage.

    Auch Olaf Jacobi von Capnamic Ventures sah die angekündigten Co-Investments positiv. Vor allem für mittelalte Fonds mit bestehenden Investments und beschränktem Spielraum für Nach-Investitionen sei das geplante Instrument sinnvoll, sagte er. „Viele Fonds rechnen gerade, ob sie das in Anspruch nehmen“, sagte Jacobi.

    Hilfen für kleinere Start-ups stehen noch aus

    Derweil laufen die Workshops zu den Direkthilfen für Gründer ohne Risikokapitalgeber im Rücken. Dazu gibt es Videocalls zwischen der KfW und den Förderbanken, mit dabei ist auch der Verband der Öffentlichen Banken (VÖB). Es geht etwa darum, ob Hilfen direkt an Gründer oder eher über ihre Geldgeber wie Family Offices und Angel-Investoren fließen sollen. Mit einer Umsetzung noch im Mai sei nicht zu rechnen, heißt es aus dem Umfeld der Förderbanken. Jedoch laufe der Prozess deutlich schneller als bei früheren Hilfsprogrammen. Ziemlich sicher sei dabei, dass jedes Bundesland seinen eigenen Weg gehen wird.

    Glück haben diejenigen Gründer, die in einem Land sitzen, das bereits eigene Start-up-Hilfen auf den Weg gebracht hat, ohne auf Berlin zu warten. Weit vorn ist etwa Hamburg. Unternehmen, die nicht älter als acht Jahre sind und nicht mehr als 50 Mitarbeiter beschäftigen, bekommen dort zusätzlich zu den übrigen Corona-Hilfen bis zu 100.000 Euro Soforthilfe. Zurückgezahlt werden muss mit fünf Prozent Zinsen bei einem Verkauf des Start-ups an einen Investor innerhalb der nächsten Jahre.

    Kein Geld sollen auch in dieser Fördersäule Unternehmen bekommen, die schon vor der Krise notleidend waren. Zudem müssen die Start-ups als eine Art Qualitätssiegel eine frühere Förderung etwa durch ein Gründerstipendium oder einen Business-Angel nachweisen.

    Dieses Konzept der Hamburger Investitions- und Förderbank IFB könnte ein Vorbild für andere Länder sein, die bislang Start-ups weniger berücksichtigt haben. Die Start-up-Metropole Berlin, Vorreiter bei hohen Zuschüssen für Soloselbstständige, hat beispielsweise bislang eher maue Hilfen für Gründer angekündigt: Der Stadtstaat will deutlich mehr Stipendien vergeben – hilft damit aber kaum bestehenden Start-ups.

    Die Ungeduld in der Szene wächst – auch weil Details weiter unklar sind. „Das Restaurant um die Ecke hat innerhalb eines Wochenendes Soforthilfen bekommen und kann seine Mitarbeiter auch noch in Kurzarbeit schicken“, sagte der 80-jährige ehemalige Strabag-Chef Peter Jungen dem Handelsblatt. Das sei ja ganz prima. Aber die jüngsten Hoffnungsträger, nämlich die erst in diesem Jahr gegründeten Start-ups gingen in seinem Bundesland womöglich leer aus – schließlich zähle in NRW formal für Hilfen die Zahl der Mitarbeiter am Stichtag 31. Dezember 2019.

    Zwar wolle das Land auch jüngere Unternehmen berücksichtigen, doch das müsse auf Bundesebene klargestellt werden, forderte Jungen. Auch müsse der Staat sehen, dass Unternehmen am Anfang ihrer Entwicklung schlecht Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken können, die ja eigentlich die neuen Produkte erst entwickeln sollen.

    „Wir signalisieren hier doch jungen Gründern, dass sie uns egal sind“, warnte der Kölner, der den Verband der Business-Angels mitgegründet hat und selbst zahlreiche Gründer begleitet. „Dabei ist eine solche Krise gleich zu Anfang eine Katastrophe.“

    Mehr: Die schwächsten Start-ups müssen am längsten auf Hilfe warten

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