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TelekommunikationDeutsche Telekom übertrifft Prognosen – hohe Verschuldung bleibt aber ein Problem

Der Konzern hat die Erwartungen der Börse übertroffen. Gleichzeitig steigt der Schuldenstand auf ein Rekordhoch. Sorgen bereiten zudem die Russlandtochter und T-Systems.Philipp Alvares de Souza Soares 24.02.2022 - 15:33 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Der Telekommunikationskonzern hat ein gutes Geschäftsjahr hinter sich.

Foto: Getty Images

Düsseldorf. Die Deutsche Telekom bleibt auf Wachstumskurs. In den USA und Deutschland, seinen beiden wichtigsten Märkten, konnte der Konzern Millionen Kunden hinzugewinnen, und er rechnet für das laufende Jahr mit weiteren Zuwächsen. Für 2022, so geht aus einer Konzernmitteilung hervor, werde ein bereinigtes Betriebsergebnis ohne Leasingaufwendungen (Ebitda AL) von 36,5 Milliarden Euro angestrebt.

Lässt man Sondereffekte außen vor, entspräche das einem Plus von fünf Prozent. Die Telekom setzt dabei vor allem auf ihre Tochter T-Mobile US, die bereits in den Vorjahren stark gewachsen war. „Für 2022 legen wir die Latte noch mal ein Stück höher“, sagte Firmenchef Timotheus Höttges am Donnerstag in Bonn. Das bereinigte Ergebnis soll dann über 1,25 Euro je Aktie steigen.

Angesichts des Kriegs in der Ukraine äußerte sich Höttges auch zum Geschäft der Telekom in Russland. Die Tochter IT Solutions beschäftigt an Standorten wie Sankt Petersburg mehr als 2000 Mitarbeiter. Es gebe Überlegungen, so der Telekom-Chef, die Kollegen dort mit Visa auszustatten, um sie gegebenenfalls an einen anderen Standort zu verlegen. Die Gehaltszahlungen seien trotz Sanktionen sichergestellt, sagte Finanzchef Christian Illek. Man habe entsprechende Maßnahmen ergriffen.

Mit großen Umsatzeinbußen aufgrund des Kriegs rechnet die Telekom nicht, auch weil der Konzern in der Ukraine nicht aktiv ist. In Russland macht die Telekom nur wenig Geschäft. Der Magenta-Konzern sei „extrem auf die westliche Welt“ fokussiert, sagte Höttges. Ihn beunruhige die aktuelle Lage dennoch sehr, die Bedrohung durch Cyberangriffe steige.

„Uns fehlt teilweise in unserer Disney-World, an der wir in der westlichen Welt gern festhalten würden, der Realitätssinn“, erklärte der Konzernchef. Unabhängig vom Ukrainekrieg sei die Zahl der Cyberangriffe auf Infrastrukturen der Deutschen Telekom in den vergangenen Monaten gestiegen.

Im abgelaufenen Jahr konnte die Telekom ihre Marktführerschaft unter den europäischen Telekommunikationskonzernen weiter ausbauen. Der Umsatz stieg um 7,7 Prozent auf 108,8 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis (Ebit) erhöhte sich 2021 um zwei Prozent auf 13,1 Milliarden Euro. Die Erwartungen vieler Analysten hat die Telekom damit übertroffen.

Maßgeblich verantwortlich war wie in den Vorjahren der stete Erfolg der Tochter T-Mobile US. In den USA wuchs der Umsatz des Konzerns um 11,7 Prozent und erreichte mit über 68 Milliarden Euro eine neue Rekordmarke.

Für Höttges ist das Fluch und Segen zugleich. Er kritisierte am Donnerstag abermals die strenge Regulierung und hohe Fragmentierung auf dem europäischen Telekommunikationsmarkt, die er als „Korsett“ bezeichnete. Mit der Fusion von T-Mobile US und Sprint vor zwei Jahren habe sich die Telekom „freigekämpft“.

Schuldenstand ist weit außerhalb der „Komfortzone“

Andererseits entstand so eine hohe Abhängigkeit, denn in den USA waren hohe Investitionen nötig, die zu großen Teilen über Kredite finanziert wurden. Der Schuldenstand der Telekom stieg – vor allem aufgrund von Investitionen in neues Funkspektrum in den USA – abermals auf rund 132,1 Milliarden Euro und bleibt damit weiter außerhalb der von der Telekom selbst abgesteckten „Komfortzone“.

Im Vergleich zu 2019 haben sich die Verbindlichkeiten um fast 74 Prozent erhöht. Höttges setzt diesbezüglich vor allem auf weiteres Wachstum, um die Schulden künftig durch höhere Gewinne in den USA wieder abbauen zu können. Der Beginn eines nachhaltigen Abbaus wurde mehrfach vertagt. Man sei „zuversichtlich, bis Ende 2024“ in die Komfortzone zurückzukehren, sagte Finanzchef Illek am Donnerstag.

Die konkrete Ausgestaltung der Partnerschaft mit dem japanischen Tech-Investor Softbank, der seit einem komplexen Aktiendeal im Herbst über 4,5 Prozent der Telekom-Anteile hält, bleibt indes weiter nebulös. Die unter dem Namen Magenta Advantage geplanten Partnerschaften mit Softbank-Beteiligungen wie dem E-Scooter-Verleiher Tier oder der Digitalbank Revolut sollten mittelfristig für mehr als eine Milliarde Euro zusätzlichen Umsatz sorgen.

Davon ist die Telekom dem Vernehmen nach noch weit entfernt. Auf Nachfrage blieb Höttges bei diesem Thema vage. „Wir werden mit diesen Partnern in den nächsten Jahren sicher Umsatz machen“, sagte er. Die Partnerschaften seien jedoch nur ein Fragment „in einem Puzzle aus 20.000 Teilen“.

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Im Europageschäft übertraf der Konzern beim Ebitda AL zum ersten Mal die Marke von vier Milliarden Euro. Auch das Funkturmgeschäft kam voran. Der Umsatz stieg 2021 um 5,4 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Inzwischen zählt die Sparte 40.600 Standorte. Die Telekom wirbt im Moment aktiv um Kaufinteressenten. Am Kapitalmarkt geht man von einem Abschluss noch im laufenden Jahr aus.

Die IT-Tochter T-Systems kommt indes nicht auf die Beine. Der Umsatz sank 2021 abermals um 3,4 Prozent auf rund vier Milliarden Euro. Für die Zukunft sieht es weiter düster aus: Der Auftragseingang ging um 8,5 Prozent auf 4,17 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr zurück. Wie Ende vergangenen Jahres bekannt wurde, bereitet die Telekom eine Trennung von T-Systems vor. Insider rechnen mit einer ersten Entscheidung bis zum Sommer.

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