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Verkauf an Global Wafers Milliardendeal in der Chipindustrie: Siltronic steht vor Verkauf nach Taiwan

Großaktionär Wacker Chemie steht in fortgeschrittenen Verhandlungen über den Verkauf seiner Anteile. Die Konsolidierung nähme mit der Übernahme Fahrt auf.
29.11.2020 Update: 30.11.2020 - 14:23 Uhr 1 Kommentar
Der Hersteller von Wafern aus Reinstsilizium könnte einen neuen Eigentümer bekommen. Quelle: Siltronic
Siltronic

Der Hersteller von Wafern aus Reinstsilizium könnte einen neuen Eigentümer bekommen.

(Foto: Siltronic)

München, Tokio Der Münchener Chipzulieferer Siltronic steht vor dem Verkauf nach Taiwan. Der Aktienkurs schoss deshalb am Montag in die Höhe: Die im MDax notierten Papiere kletterten um mehr als neun Prozent auf gut 124 Euro. Das ist etwas weniger, als der Wettbewerber Global Wafers aus Taiwan den Anteilseignern in einem Übernahmeangebot in Aussicht gestellt hatte.

Global Wafers teilte vor Börsenbeginn mit, dass der Konzern den Siltronic-Aktionären 125 Euro je Aktie biete. „Beide Unternehmen ergänzen sich in ihren Fähigkeiten und könnten nach dem Zusammenschluss mehr in den Ausbau ihrer Kapazitäten investieren“, begründete Global Wafers den Vorstoß.

Bereits am Sonntagabend hatte Siltronic mitgeteilt, dass die Gespräche über einen Zusammenschluss kurz vor dem Abschluss stünden. Großaktionär Wacker Chemie habe zugesagt, den Taiwanern seinen Anteil von 30,8 Prozent der Siltronic-Aktien zu überlassen.

Siltronic gehörte bis vor fünf Jahren zu dem Münchener Chemiekonzern. Das Unternehmen produziert sogenannte Wafer. Die Scheiben aus Silizium sind die Grundlage für Halbleiter.

Die Offerte bewertet Siltronic mit 3,75 Milliarden Euro. Das entspreche einer Prämie von 48 Prozent gegenüber dem Durchschnittskurs der letzten 90 Tage. Der Kurs ist zuletzt kräftig geklettert, am Freitag ging es gut fünf Prozent nach oben. Mit 13,55 Euro schlossen die Papiere auf dem höchsten Stand seit etwa zwei Jahren.

Vor Abschluss der Transaktion sollen die Siltronic-Investoren eine Dividende von zwei Euro je Aktie erhalten. Auf Basis der Zahlen für 2019 bringen es beide Unternehmen gemeinsam auf rund drei Milliarden Euro Umsatz. Global Wafers erzielte dabei mit knapp 7000 Mitarbeitern Erlöse von rund 1,7 Milliarden Euro. Siltronic kam mit 3700 Beschäftigten auf 1,3 Milliarden Euro.


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Analysten sahen die Siltronic-Aktien zuletzt positiv. Der Wafermarkt sei weiter von einem Überangebot geprägt, was aber nicht mehr lange anhalten dürfte, urteilte Analyst Achal Sultania von der Credit Suisse am Freitag.

In Erwartung beginnender Preiserhöhungen im dritten Quartal 2021 hob der Experte seine Schätzungen für die Umsatz- und Gewinnentwicklung im Jahr 2022 an. Die Bewertung der Aktien bleibe attraktiv. Sein Kursziel: 124 Euro.

Die Chipindustrie rückt zusammen

Siltronic und Global Wafers folgen mit ihrem Zusammenschluss ihren Kunden. Denn auch die Chipindustrie konsolidiert sich. Zuletzt schluckte der Prozessorproduzent AMD den Rivalen Xilinx für 35 Milliarden Dollar. Zudem will Nvidia den Chipdesigner ARM für 40 Milliarden Dollar übernehmen. Im Frühjahr schloss der Dax-Konzern Infineon die Akquisition des US-Konkurrenten Cypress ab. Kaufpreis: neun Milliarden Euro.

Dazu kommt: Immer mehr Halbleiterhersteller beziehen ihre Chips von Auftragsfertigern, allen voran TSMC. Die Taiwaner produzieren unter anderem für Apple und Qualcomm – und werden immer größer. Dem wollen die fusionierten Wafer-Produzenten bald eigene Größe entgegensetzen.

Global Wafers ist eine börsennotierte Tochter des Halbleiterspezialisten Sino-American Silicon Products (SAS). Das Unternehmen hat Global Wafers an die Börse gebracht, um durch Zukäufe schneller in der Waferproduktion expandieren zu können. Der Kauf von Siltronic ist ein weiterer Schritt bei dem Versuch, die beiden japanischen Marktführer Shin-Etsu Chemical und Sumco zu überholen.

Bisher liegt Global Wafers mit einem Anteil von 17 Prozent auf dem dritten Platz. Durch den Deal würden die Taiwaner ihren Marktanteil auf 30 Prozent und damit knapp unter den Wert von Shin-Etsu steigern. Außerdem würde das Unternehmen auf einen Schlag auch einen besseren Zugang zu den europäischen Chipherstellern Infineon, ST Microelectronics und NXP bekommen.

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Großaktionär Wacker Chemie fließen durch den Deal knapp 1,2 Milliarden Euro zu. Das gab der Aktie am Montag einen kräftigen Schub. Analysten sehen den Verkauf positiv. Nach der Transaktion wäre die Bilanz des Spezialchemiekonzerns äußerst sattelfest, so Chetan Udeshi von JP Morgan. Daher sei im kommenden Jahr eine ordentliche Sonderausschüttung drin.

Siltronic soll eigenen Angaben zufolge die Geschäftsstrategie im Wesentlichen fortführen können. Zudem seien Standortschließungen oder betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland bis Ende 2024 ausgeschlossen. Beide Seiten wollen den Zusammenschluss in der zweiten Dezemberwoche besiegeln.

Der Deal muss zwar noch von den Kartellbehörden abgesegnet werden. Aber Doris Hsu, CEO der SAS-Gruppe und Global Wafers, sagte am Montag, sie sei „vorsichtig zuversichtlich“, dass der Kauf „alle erforderlichen behördlichen Prüfungen durchlaufen wird“.

Mehr: Siltronic-Deal ist erst der Anfang: Es ist höchste Zeit, den Hightech-Ausverkauf zu stoppen

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1 Kommentar zu "Verkauf an Global Wafers: Milliardendeal in der Chipindustrie: Siltronic steht vor Verkauf nach Taiwan"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Es werden zig Milliarden für unnütze Corona Hilfen ausgegeben (statt u.a. die Bevölkerung mit genügend kostenlosen FFP2 Masken auszustatten, vgl Süd Korea), aber einen Rentenfond wie Norwegen, um die günstig bewerteten, wichtigen Unternehmen in Deutschland vor dem billigen Verramschen zu schützen und die Renten abzusichern, dafür ist kein Geld da.
    Die schlechte Leistung der deutschen Politiker ist auch hier zu erkennen: Ideologie und Bürokratie geht vor pragmatischen Lösungsansätzen.

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