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Kommentar Siltronic-Deal ist erst der Anfang: Es ist höchste Zeit, den Hightech-Ausverkauf zu stoppen

Der Münchener Wafer-Hersteller Siltronic wird an einen Konkurrenten in Taiwan verkauft. Weitere solcher Deals dürften folgen. Europa braucht in der Hightech-Industrie mehr Mut und Kapital.
30.11.2020 - 12:55 Uhr 1 Kommentar
Ein Taiwaner Wettbewerber will den Münchener Waferhersteller Siltronic übernehmen. Quelle: Siltronic
Siltronic

Ein Taiwaner Wettbewerber will den Münchener Waferhersteller Siltronic übernehmen.

(Foto: Siltronic)

München Die Investoren haben es offenbar geahnt: Schon vergangene Woche war der Kurs von Siltronic kräftig geklettert. Am Sonntagabend kam schließlich die Bestätigung: Global Wafers aus Taiwan schluckt den Münchener Rivalen Siltronic. 125 Euro je Aktie wollen die Asiaten bezahlen, deutlich mehr, als die im MDax notierten Papiere des Chipzulieferers zuletzt gekostet haben. Knapp vier Milliarden Euro ist den Asiaten Siltronic damit wert.

Für die Anteilseigner ist das ein Segen, vor allem für Großaktionär Wacker Chemie. Für den Hightech-Standort Europa dagegen kommt die Übernahme einer Katastrophe gleich. Wafer sind Scheiben aus Silizium, auf denen Chips entstehen. Geht der Verkauf wie geplant über die Bühne, blutet die Chipbranche auf dem Kontinent weiter aus – zum Schaden der gesamten Industrie. Denn nie waren Halbleiter so wichtig wie heute. Ohne die kleinen elektronischen Bauelemente funktioniert nicht einmal mehr eine Kaffeemaschine, von einem Auto gar nicht zu reden.

Europa aber wird immer abhängiger von asiatischen und amerikanischen Anbietern. Am bedrohlichsten ist momentan wohl die geplante Übernahme des britischen Chipdesigners Arm für 40 Milliarden Dollar durch den US-Hersteller Nvidia. Arm lizenziert seine Technologie an Halbleiterfirmen rund um den Globus.

Aber auch der Verkauf von Siltronic wirft Europa zurück. Statt die eigene Chipindustrie zu stärken, geht das Know-how in fremde Hände über. Jetzt müssen sich die ohnehin schon wenigen verbliebenen bedeutenden Chipproduzenten Europas ihre Scheiben bei fernöstlichen Lieferanten besorgen. Für die großen drei, also Infineon, ST Microelectronics und NXP, sind das keine guten Nachrichten.

Überraschend ist der Verkauf von Siltronic aber nicht. Denn es fehlt schon seit Jahren gleich an zwei Grundbedingungen in Europa, um in dieser Branche mitzuhalten: Kapital und Mut.

Der ehemalige Mutterkonzern von Siltronic, Wacker Chemie, war nicht willens, das risikoreiche und kapitalintensive Chipgeschäft auszubauen. Auch sonst fand sich niemand in Europa, der Geld in die Hand genommen hätte, um den Spieß einmal umzudrehen und in der boomenden Chipindustrie von Taiwan zuzukaufen.

Zugegeben, US-Konzerne haben es leichter. Sie sind an der Börse viel höher bewertet und können so einfacher mit eigenen Aktien bezahlen. Nvidia etwa nimmt kaum Bargeld in die Hand, um sich Arm einzuverleiben.

Klein-Klein reicht nicht

Abhilfe schaffen könnte ein europäischer Fonds, der in großem Stil Hightech-Investments ermöglicht, der Milliarden für strategisch wichtige Bereiche wie die Wafer-Produktion zur Verfügung stellt, für den Chip-Maschinenbau oder für Halbleiteranbieter selbst. Ein Fonds, der sich aus öffentlichem und privatem Geld speist und dafür sorgt, dass Europa Wissen zu- und nicht abfließt.

Die EU sollte solch einen Chipfonds anstoßen, denn nationales Klein-Klein reicht nicht. Dass es geht, zeigt die Heimat von Global Wafers, Taiwan: Vor 30 Jahren noch war das Land hauptsächlich für sein Plastikspielzeug bekannt. Heute stehen auf der Insel die größten und fortschrittlichsten Chipfabriken der Welt.

Mehr: Milliardendeal in der Chipindustrie: Siltronic steht kurz vor Verkauf nach Taiwan

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1 Kommentar zu "Kommentar: Siltronic-Deal ist erst der Anfang: Es ist höchste Zeit, den Hightech-Ausverkauf zu stoppen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "Investoren" die so etwas kurzfristig "erahnen" nannte man früher schlicht Insider.

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