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Videokonferenzdienst Zoom-Quartalszahlen übertreffen Erwartungen – Aktienkurs schnellt nachbörslich in die Höhe

Mit exorbitanten Wachstumsraten belegt Zoom, wie stark sich die Arbeitswelt verändert. Die Digitalisierung wirkt sich bereits auf Unternehmensentscheidungen aus.
01.09.2020 - 03:55 Uhr Kommentieren
Zoom-Aktie: Videokonferenz-Anbieter rechnet damit. seine Gewinne bis zum Ende des Jahres halten zu können.  Quelle: Reuters
Zoom-Logo

Zoom-Aktie legte nach Börsenschluss zum Teil bis zu 24 Prozent zu.

(Foto: Reuters)

San Jose Auf den ersten Blick scheinen die beiden Meldungen von Montag wenig miteinander zu tun zu haben: Zum einen präsentierte der Videokonferenzdienst Zoom aus dem kalifornischen San Jose nach Wall-Street-Schluss seine Quartalszahlen. Der Kurs, der bereits während des normalen Handels um 8,5 Prozent gestiegen war, schnellte daraufhin nachbörslich um bis zu 24 Prozent in die Höhe.

Zum anderen kaufte sich keine 100 km weiter nördlich der Webdienst Pinterest aus San Francisco für 89 Millionen Dollar Ablösesumme aus einem lang laufenden Mietvertrag für eine neue Unternehmenszentrale in San Francisco heraus. Pinterest habe sich so aus künftigen „Mindestmietverpflichtungen“ von 440 Millionen Dollar für das noch nicht errichtete Gebäude befreit, heißt es vom Unternehmen. Pinterest steckt das Geld jetzt in seine Expansionspläne, die eine „diversifizierte und geografisch verteilte“ Belegschaft vorsehen. Pinterest bleibt einfach im alten Hauptquartier, das noch 2018 als hoffnungslos zu klein galt.

Doch statt zusammengepfercht im teuren San Francisco werden Tausende Pinterest-Mitarbeiter in Zukunft rund um den Globus und mit digitalen Arbeitsplattformen kommunizieren und zusammenarbeiten. Eine davon könnte Zoom sein.

Der Büroalltag gerät aus den Fugen. Der Wandel zur volldigitalen Arbeitswelt scheint sich als Trend auch für die Zeit nach Corona zu verfestigen, wie Zoom jetzt eindrucksvoll demonstriert.

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    Als Videodienst für professionelle Anbieter gestartet, erlangte Zoom mit Ausbruch der Pandemie ungeheuren Zuspruch auch bei Privatleuten. Das ist eine explosive Mischung, wie Microsoft schon seit Jahrzehnten weiß. Wer Microsoft Windows im Büro nutzt, nutzt es auch zu Hause. Wer sich mit Kollegen auf Zoom trifft, organisiert da auch schnell das Familientreffen. Man weiß ja, wie es geht, und die Basisversion ist zudem kostenlos.

    So konnte Zoom im zweiten Quartal 2020 seinen Umsatz gegenüber dem Vorjahr auf 663 Millionen Dollar vervierfachen. Optimistische Analysten hatten mit 500 Millionen gerechnet.

    Macht der Videokommunikation

    Für das Gesamtjahr 2020 hatten Analysten den Umsatz im Schnitt bei 1,181 Milliarden Dollar vermutet. Zoom selbst sagt jetzt, es würden wohl eher 2,39 Milliarden werden. Es wird auch ein bereinigter Gewinn von 2,49 Dollar pro Aktie erwartet – eher ungewöhnlich für junge Start-ups. Der Nettogewinn von 185 Millionen Dollar im Quartal ist bereits weit höher als der Nettogewinn in ganz 2019 mit 101 Millionen.

    Zoom hat jetzt nach eigenen Angaben 370.000 Geschäftskunden mit jeweils mehr als zehn Mitarbeitern. 988 Kunden (200 mehr als im Vorjahr) geben jeweils mehr als 100.000 Dollar im Jahr für den Service aus.

    „Nachdem die Unternehmen die wichtigsten Maßnahmen ergriffen hatten, um den Geschäftsbetrieb am Laufen zu halten, arbeiten sie jetzt an einer Zukunft, in der sie von überall her lernen, leben und arbeiten können“, so Zoom-CEO Eric Yuan. Ein Beispiel sei Pinterest.

    Die Zoom-Zahlen legen auch nahe, dass Videokommunikation noch bedeutender ist als etwa der Chat mit Mitarbeitern. So ist der Wettbewerber Slack im ersten Quartal 2020 zwar um eindrucksvolle 50 Prozent gewachsen, doch mit Zoom kann er nicht mithalten. Slack wird am 8. September Zahlen für das zweite Quartal vorlegen. Analysten sind uneins, ob die Kollaborationsplattform an die Erfolge von Zoom anknüpfen kann. 21 Analysten sehen laut Yahoo Finance für Slack derzeit nur begrenztes Potenzial mit einem Kursziel von 34,29 Dollar, bei einem aktuellen Kurs von gut 33 Dollar.

    Das liegt zum Teil daran, dass Slack keine Teilnahme an Videokonferenzen über mobile Endgeräte mit iOS oder Android ermöglicht und auf seine PC-Version verweist, wo man Drittanbieter mit Videofunktionen einbinden kann – zum Beispiel Zoom. Slack hat jüngst Schlagzeilen mit einer Klage bei der EU gegen Microsoft wegen Wettbewerbsbehinderung gemacht.

    Microsofts Kollaborations- und Videodienst „Teams“ wächst ebenfalls schneller als Slack, was Slack auf die „illegale“ automatische Anbindung von Teams an Microsoft Office zurückführt. Microsoft kontert, die Kunden wollten eben Gesamtlösungen wie Teams und keinen Baukasten.

    Zoom kann das egal sein. Die Aktie ist am Montag binnen eines Tages von rund 300 auf über 400 Dollar gestiegen. Daran ändern auch datenschutzrechtliche Bedenken nichts.

    Mehr: Er hat Zoom gemacht: So formte Eric Yuan den führenden Videodienstanbieter.

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