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Zoom-Gründer Er hat Zoom gemacht: So formte Eric Yuan den führenden Videodienstanbieter

Trotz der Sicherheitsprobleme boomt das Geschäft von Zoom. Kritik und Probleme wie stundenlange Ausfälle können den Erfolg nicht hemmen.
25.08.2020 - 17:17 Uhr Kommentieren
Der Gründer aus China hat den Videodienst Zoom aufgebaut.
Eric Yuan

Der Gründer aus China hat den Videodienst Zoom aufgebaut.

Düsseldorf Eric Yuan muss sich entschuldigen. Es ist nicht das erste Mal. Zunächst gab es immer wieder Probleme mit der Sicherheit seines Videodienstes Zoom. Dann beugte sich die Firma den Anforderungen von Zensoren aus China. Und schließlich kam es zu einem stundenlangen Ausfall, von dem viele Kunden betroffen waren.

„Wir wissen um unsere Verantwortung“, sagte Yuan am Montag. Die nicht enden wollende Reihe von Problemen hätte vermutlich für andere Unternehmen das Ende bedeutet. Nicht jedoch für Zoom und dem 50 Jahre alten Gründer Eric Yuan. Obwohl etliche Regierungsstellen und auch einige Bildungseinrichtungen auf Distanz zu dem Dienst gegangen sind, hat Yuan seine Firma zum neuen Standard für Videokonferenzdienste etablieren können. Mehr noch, „zoomen“ hat sich bei vielen Menschen im Sprachgebrauch etabliert.

Hartnäckigkeit zeichnet Yuan aus. Bis zum Alter von 27 Jahren lebte er in der Volksrepublik China. Mit einem Bachelorabschluss in Mathematik und einem Masterabschluss in Geoingenieurwesen wollte er aber in den USA Karriere machen. Doch die US-Behörden verwehrten ihm den Weg. Seine Visaanträge wurden wieder und wieder abgelehnt. Yuan gab nicht auf. Beim neunten Versuch hatte er Erfolg, wie er später sagte.

Im Silicon Valley heuerte er beim Videodienstanbieter Webex an. Mehr als 14 Jahre lerne er alle Details des Geschäfts und der Software kennen. Über lange Zeit hatte sich Webex darauf konzentriert, Firmenkunden die Möglichkeit virtueller Präsentationen einzuräumen.

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    Yuan wollte den Dienst jedoch neu denken. „Wir hätten unser eigenes Geschäft kannibalisieren müssen. Dafür gab es nicht genug Unterstützung“, sagte Yuan in einem Interview mit dem US-Magazin „Forbes“. Cisco Systems hatte Webex 2007 übernommen. Unter den neuen Eignern hatte Yuan nach eigener Darstellung nicht genug Freiraum. Er kündigte und gründete seinen eigenen Videodienst.

    Lange ohne Marketingabteilung

    Yuan entspricht nicht dem üblichen Bild der Gründer aus dem Silicon Valley. Er war 41 Jahre alt, als er 2011 unter dem Namen Saasbee sein eigenes Unternehmen anmeldete. Ihm ging es um technische Details, nicht um den großes Auftritt. Er scharte Softwareentwickler um sich. Eine Marketingabteilung hatte das Unternehmen lange nicht. Yuan sagte, er habe das Ziel ausgegeben, sich erst auf Marketing zu konzentrieren, sobald das Unternehmen einen regelmäßigen Monatsumsatz von mindestens einer Million Dollar erreiche.

    Im Jahr 2012 nannte Yuan die Firma um in Zoom und veröffentlichte die erste Version der Software. Sie konzentrierte sich von Anfang an auf die Möglichkeit von Videokonferenzen für Gruppen. Zoom versuchte, sich von Wettbewerbern abzusetzen, indem großer Wert auf die technologische Verlässlichkeit gelegt wurde. Bis heute gilt Zoom als der Anbieter, dem es am besten gelingt, auch mit großen Gruppen von Teilnehmern bei Videokonferenzen umgehen zu können.

    Und Yuan gelang es, das nötige Geld für die technologischen Entwicklungen einzusammeln. Die Plattform Crunchbase.com listet insgesamt sechs Finanzierungsrunden mit einem Volumen von insgesamt 146 Millionen Dollar auf. 2019 ging Zoom dann an die Börse. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Firma bereits als Dienstleister für spezialisierte Firmen etabliert – etwa für Onlineschulungen oder Konferenzen.

    Das änderte sich jedoch grundsätzlich mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie im Jahr 2020. Innerhalb weniger Wochen wurde Zoom zu einem der wichtigsten Programme, um in Zeiten strenger Abstandsregeln Geschäfts- und Privatleben aufrechtzuerhalten. Firmen wickeln Konferenzen über Zoom ab, Yoga-Studios organisieren ihre Kurse per Zoom, und Paare übertragen ihre Hochzeiten. Die Plattform ist zu einem Produkt für die breiten Kundenmassen geworden.

    Mit dem Erfolg geriet Zoom jedoch immer wieder in die Kritik. Mehrmals musste die Firma Sicherheitslücken einräumen. In der Datenschutzerklärung wurden Probleme aufgedeckt. Über Wochen war die Firma damit beschäftigt, Schadensbegrenzung zu betreiben und die größten Probleme auszuräumen.

    Der Dienst ist bis heute umstritten

    Zudem beugte sich Zoom den Zensurwünschen chinesischer Behörden. Die Firma ging sogar so weit, künftige Beschränkungen der Nutzer auf Basis ihres Standorts zuzulassen. Yaqiu Wang von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sagte: „Die Missachtung der Meinungsfreiheit durch das Unternehmen ist besorgniserregend.“

    Bis heute ist der Dienst umstritten. Etliche Firmen haben den Einsatz von Zoom untersagt. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber warnte gegenüber dem Handelsblatt vor dem Einsatz von Zoom.

    Den finanziellen Erfolg von Zoom hat das kaum gebremst. Nach eigenen Angaben nutzen jeden Tag mehr als 300 Millionen Menschen den US-Dienst. Zum Vergleich: Im Dezember hatte Zoom noch zehn Millionen tägliche Nutzer ausgewiesen. In dem im April abgelaufenen Quartal verzeichnete das Unternehmen einen Anstieg des Umsatzes um 169 Prozent auf 328,2 Millionen Dollar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Gewinn stieg von 200.000 Dollar auf 27 Millionen Dollar.

    Mehr: Zensur für Peking: Zoom verspielt Vertrauen

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