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KI-GipfelUSA und Großbritannien unterschreiben Abschlusserklärung nicht

Zum Abschluss des „AI Action Summit“ werden am Dienstag die politischen Differenzen bei der Zukunftstechnologie deutlich. US-Vizepräsident Vance warnt die EU vor zu viel Regulierung.Larissa Holzki, Gregor Waschinski, Luisa Bomke 13.02.2025 - 08:24 Uhr Artikel anhören
Ursula von der Leyen: Die EU-Kommissionspräsidentin hält es für möglich, dass Europa bei Künstlicher Intelligenz eine Führungsrolle einnimmt. Foto: Bloomberg

Paris. Als Ursula von der Leyen beim „AI Action Summit“ über die Ambitionen Europas bei Künstlicher Intelligenz (KI) sprach, war J. D. Vance im Grand Palais schon auf dem Weg nach draußen. Der US-Vizepräsident hatte in dem prunkvollen Gebäude in Paris kurz zuvor die amerikanische KI zum „Goldstandard“ erklärt und die EU vor zu viel Regulierung der Tech-Branche gewarnt.

Die Kommissionschefin betonte in ihrer Rede auf dem Gipfel am Dienstag dagegen, dass der Wettbewerb um die Führungsrolle bei der KI-Entwicklung keineswegs entschieden und Europa noch im Rennen sei.

Doch die neue US-Regierung sieht das anders, unterzeichnete auch die Abschlusserklärung für eine „nachhaltige und inklusive“ KI nicht. Der internationale Gipfel war am Montag mit Diskussionen von Experten und großen Ankündigungen über Milliardeninvestitionen in europäische KI-Projekte gestartet. Er endete in politischen Differenzen.

Gastgeber Emmanuel Macron wollte mit dem „AI Action Summit“ nicht nur einen weltweiten Dialog über ein Regelwerk für Künstliche Intelligenz anstoßen, sondern die Europäer auch auf den Wettbewerb mit den USA und China einschwören.

Am Rande des Gipfels schlossen sich 60 namhafte europäische Unternehmen zu einer Initiative zusammen, um die Entwicklung und Anwendung von KI in Europa mit Investitionen in Höhe von 150 Milliarden Euro voranzubringen.

EU-Kommission stockt Mittel für KI auf

Von der Leyen sagte am Dienstag zu, diese von privaten Kapitalgebern in Aussicht gestellte Summe durch die InvestAI-Initiative der EU um weitere 50 Milliarden Euro auf insgesamt 200 Milliarden Euro aufzustocken.

Geplant ist demnach unter anderem ein neuer europäischer Fonds mit einem Volumen von 20 Milliarden Euro für KI-Gigafabriken mit großer Rechenkraft. „Wir möchten, dass Europa ein führender Kontinent bei Künstlicher Intelligenz wird“, sagte die Kommissionschefin.

200
Milliarden Euro
Investitionen in Künstliche Intelligenz wurden auf dem KI-Gipfel angekündigt.

Bislang hat Brüssel das Ziel verfehlt, Europa zum führenden KI-Standort zu machen. Laut dem Europaabgeordneten Axel Voss (CDU) hat das mehrere Gründe: Die 2018 eingeführte KI-Strategie der EU ist veraltet, die Umsetzung wurde verzögert und nicht einheitlich verfolgt.

Koordiniert werden sollte die Strategie durch das AI Office, das sich jedoch vor allem mit dem „AI Act“ beschäftigt. Dieser Gesetzesentwurf, eine zentrale Initiative der KI-Strategie, trat am 2. Februar in Kraft.

Weitere EU-Initiativen wie das KI-Innovationspaket und die KI-Fabriken sollen kleine und mittlere Unternehmen unterstützen und Rechenkapazitäten schaffen. Ein wettbewerbsfähiges europäisches KI-Modell ist daraus jedoch noch nicht hervorgegangen.

Mit der Initiative OpenEuroLLM, die mit 54 Millionen Euro gefördert wird, soll nun ein multilinguales Sprachmodell entwickelt werden. Voss kritisiert, dass die EU sich „im föderalen und bürokratischen Klein-Klein verloren“ habe und zuerst reguliert habe, ohne die nötige Infrastruktur zu schaffen.

Europa und USA uneins über Regulierung

Von der Leyen stellte in ihrer Rede am Dienstag auch eine Überprüfung der europäischen KI-Regulierung in Aussicht. „Ich weiß, dass wir es einfacher gestalten und Bürokratie abbauen müssen“, sagte sie. Der „AI Act“ der EU sei aber grundsätzlich der richtige Ansatz. „KI braucht Wettbewerb, aber KI braucht auch Zusammenarbeit, und KI braucht das Vertrauen der Menschen und muss sicher sein“, erklärte die Kommissionschefin.

KI darf nicht als Instrument autoritärer Zensur missbraucht werden.
J. D. Vance
US-Vizepräsident

Dagegen warnte US-Vizepräsident J. D. Vance in seiner Rede vor „exzessiver Regulierung“ gerade auch auf internationaler Ebene, die Fortschritte in der KI „töten“ könnte. „Gerade unsere europäischen Freunde sollten mit Optimismus statt mit Angst auf diese neue Herausforderung blicken.“ Er forderte außerdem, „dass die KI frei von ideologischen Vorurteilen bleiben muss und dass die amerikanische KI nicht als Instrument autoritärer Zensur missbraucht werden darf“.

Der US-Vizepräsident ließ keinen Zweifel daran, dass sich die „America first“-Politik von Donald Trump auch auf den Umgang mit der Künstlichen Intelligenz erstreckt. „Die USA sind die Anführer bei KI, und unsere Regierung will, dass das auch so bleibt“, sagte er. Trump hatte kürzlich seinen „Stargate“-Plan verkündet, der Investitionen von 500 Milliarden Euro in KI vorsieht.

Was Vance derweil von der Konkurrenz aus China hält, machte er am Montagabend beim offiziellen Dinner im Élysée-Palast deutlich. Als der chinesische Vizepremier Zhang Guoqing gegen Ende des Abendessens das Wort ergriff, verließ der US-Vizepräsident den Raum. Das erfuhr das Handelsblatt von einem Teilnehmer des Dinners. Am Dienstag warnte Vance dann in seiner Rede die Verbündeten der USA, mit „autoritären Regimen“ bei KI zu kooperieren.

Kommuniqué ohne USA und Großbritannien

Bemerkenswert war am Ende der Konferenz, welche der teilnehmenden Staaten die gemeinsame Abschlusserklärung unterschrieben. Während China die Absichtserklärung für eine „inklusive und nachhaltige Künstliche Intelligenz für Menschen und den Planeten“ unterzeichnete, fehlte neben den USA auch Großbritannien.

Dabei ist der AI Action Summit eine Folgekonferenz des KI-Sicherheitsgipfels, den der britische Ex-Premierminister Rishi Sunak im November 2023 ausgerichtet hatte. Großbritannien erklärte, man unterzeichne nur etwas, das im eigenen Interesse liege.

Die 60 Unterzeichner verpflichteten sich, die Fortentwicklung und den Einsatz von KI im Einklang mit den Zielen für nachhaltige Entwicklung zu gestalten. Dabei wollen sie unter anderem den Zugang zu KI-Technologien für alle verbessern, eine offene, ethische und sichere KI fördern, faire Marktbedingungen gewährleisten und umweltfreundliche und ressourcenschonende KI entwickeln.

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Konkret gründen die unterzeichnenden Staaten etwa eine Plattform für KI für das öffentliche Interesse und Gemeinwohl, um digitale Ungleichheit zu adressieren. Sie einigten sich darauf, den Dialog über die Umweltauswirkungen von KI weiter zu stärken. Und sie wollen ein Netzwerk an Organisationen schaffen, das die Effekte von KI auf Arbeitsplätze, Ausbildung und Bildung untersucht und besser verständlich macht.

Erstpublikation: 11.02.2025, 17:54 Uhr.

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