Künstliche Intelligenz: Betrug mit KI – Schäden für Firmen vervielfachen sich
Berlin. Die Schäden für Unternehmen durch Betrugsmaschen haben sich in den vergangenen Jahren einer Studie zufolge vervielfacht. Künstliche Intelligenz (KI) mache es Kriminellen immer leichter, Beschäftigte zu täuschen und zu Geldüberweisungen zu bewegen, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Untersuchung des Kreditversicherers Allianz Trade.
„Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel: Die Kriminellen perfektionieren ihre Betrugsmaschen mittels KI und die Unternehmen versuchen, mit ihren Schutzmechanismen Schritt zu halten“, sagte Marie-Christine Kragh, Expertin bei Allianz Trade. Im Durchschnitt liegen die Schäden demnach aktuell im einstelligen Millionen-Euro-Bereich, die Großschäden bewegen sich teilweise sogar im deutlich zweistelligen Millionenbereich.
Allein die Schäden durch den „Fake-President“-Betrug, bei dem sich Kriminelle als Vorgesetzte ausgeben, verdreifachten sich 2024 und stiegen 2025 um weitere 81 Prozent – und das trotz rückläufiger Fallzahlen.
Die häufigste Betrugsmasche ist demnach inzwischen der Bestellerbetrug, der den Zahlungsbetrug abgelöst hat. Hierbei geben sich Kriminelle als ein existierendes, oft renommiertes Unternehmen aus, um bei dessen Lieferanten Waren auf Kredit zu bestellen. Diese Schäden haben sich 2025 mehr als verdoppelt, die Fallzahlen legten um 61 Prozent zu.
Insgesamt stiegen die Schäden durch alle sogenannten Social-Engineering-Betrugsmaschen 2025 um 60 Prozent. Hierbei manipulieren Hacker Beschäftigte mit psychologischen Tricks und unter der Vorspiegelung falscher Identitäten, um sie dazu zu bewegen, sensible Daten preiszugeben oder Firmengeld zu überweisen.
Tools aus dem Darknet
Den Experten zufolge nutzen die Betrüger KI-Werkzeuge, um etwa E-Mails makellos zu formulieren oder mit sogenannten Deepfakes Stimmen und Bilder täuschend echt zu fälschen. Spezialkenntnisse seien dafür oft nicht mehr nötig, sagte der IT-Rechtsexperte Dirk Koch. „Entsprechende Tools gibt es im Darknet quasi von der Stange.“ Dies schaffe eine hohe Glaubwürdigkeit und steigere die Erfolgschancen der Angriffe erheblich.
Eine oft unterschätzte Gefahr gehe jedoch von den eigenen Mitarbeitenden aus. Diese sogenannten „Innentäter“ verursachten 60 Prozent der Fälle und mit 65 Prozent auch die größten Schäden. „Der Mensch bleibt hier die Schwachstelle“, sagte Kragh. Betrüger spielten gezielt mit Emotionen wie Wertschätzung oder Zeitdruck. Als Schutz empfiehlt der Versicherer neben technischen Maßnahmen wie einer Multi-Faktor-Authentifizierung auch organisatorische Regeln wie das Vier-Augen-Prinzip bei Zahlungsfreigaben.