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Curia App Eine Suchmaschine für Krebspatienten

Wer an Krebs erkrankt, hat viele Fragen. Mit der App Curia – einer Suchmaschine für Krebspatienten – will Innoplexus kompetente Antworten liefern.
15.06.2020 - 10:41 Uhr Kommentieren
Er kam nach seinem IT-Studium durch ein Stipendium nach Deutschland. Quelle: Innoplexus
Gunjan Bhardwaj

Er kam nach seinem IT-Studium durch ein Stipendium nach Deutschland.

(Foto: Innoplexus)

Düsseldorf Die Idee für Curia kam Gunjan Bhardwaj, CEO von Innoplexus, durch das Schicksal seines deutschen Mentors. Als bei ihm Krebs diagnostiziert wurde, recherchierte Bhardwaj nach alternativen Behandlungsmethoden zu Chemo- und Immuntherapie. Auch zu noch anlaufenden klinischen Studien fand er kaum Informationen. Daraufhin entwickelte er die App, die am Dienstag am deutschen Markt startet, wie das Handelsblatt vorab erfuhr. Curia soll Betroffene bei der Recherche unterstützen.

Bhardwaj erinnert sich noch gut: „Im Bereich Krebs herrscht eine große Intransparenz, man fühlt sich völlig machtlos.“ Denn es gibt über 200 verschiedene Krebsarten. Oft fehle Betroffenen und Angehörigen die Energie, sich hinter eine aufwendige Internet-Recherche zu klemmen. Auch Bhardwaj blieb damals erfolglos.

Als er 2015 Innoplexus gründete, wollte er zunächst eine Künstliche Intelligenz (KI) entwickeln, die das Internet nach relevanten Informationen durchsucht. Mittlerweile beschäftigt Innoplexus 250 Mitarbeiter. Investoren sind CS Beteiligungsgesellschaft, FinLab/EOS VC, einige Family Offices und Atai Life Sciences.

Das Unternehmen verfügt aktuell über 18 Patente auf seine KI-Technologien, die hauptsächlich in der Medikamentenentwicklung eingesetzt werden. „Wir testen Wirkeigenschaften von Medikamenten bei neuen Beziehungsweise existierenden Krankheiten in einer Kombination, für die sie bis dato nicht eingesetzt wurden bzw. generieren neuartige Moleküle“, erklärt Bhardwaj.

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    So ist das Unternehmen jüngst auf das Malaria-Medikament Chloroquin gestoßen, das nun für die Behandlung von Covid-19 getestet wird. Durch die KI kann Innoplexus also Hypothesen aufstellen, die dann in klinischen Studien am Menschen getestet werden können.

    Künstliche Intelligenz im Hintergrund

    Das Wissen dafür eignet die KI sich zum Beispiel aus wissenschaftlichen Studien, Zeitungsartikeln, Pharma-Registern, Konzeptpapieren von Kongressen oder Metaanalysen an. Dabei könne die KI jedes Format wie etwa ein PDF oder einen HTML-Code verarbeiten, sagt Gunjan.

    Solch eine KI arbeitet auch im Hintergrund der Curia-App. Nach ihrer Registrierung werden Patienten durch einen Fragebogen geführt. Gefragt werden sie nach der Krebsart, dem Stadium des Krebses, ihrem Alter und dem Geschlecht. Diese Informationen werden nach Angaben des Unternehmens gemäß der Datenschutz-Grundverordnung anonymisiert auf deutschen Servern gespeichert und auf Wunsch gelöscht.

    Curia spielt dann neben zugelassenen auch nicht zugelassene Therapieformen zurück. Damit sind zum Beispiel noch nicht abgeschlossene oder noch anlaufende klinische Studien gemeint. Nutzer können sich außerdem direkt in der App für eine klinische Studie anmelden. Nachdem Innoplexus die Validierung der Anfrage geprüft hat, wird ein Kontakt innerhalb der App zu den Studienkoordinatoren hergestellt. Neben dem Patienten sei dies auch für die Pharmaforschung ein Gewinn, meint Bhardwaj.

    „Denn es ist immer noch sehr schwer, sich über den klassischen Weg für klinische Studien zu bewerben“, sagt Chiara Thanner, Leiterin von Curia. Denn oftmals seien klinische Studien nicht nur schwer zu finden, sondern auch in Fachjargon geschrieben und die Vermittlung liege dann alleine beim Arzt.

    Ein Branchenkenner sieht das anders: „Insbesondere für klinische Krebsstudien – ganz anders als bei klinischen Diabetesstudien – ist es für die Pharmaforschung nicht schwer, Patienten zu rekrutieren.“ Um das Angebot klinischer Studien öffentlich zu verstreuen, können Pharmakonzerne auf ein großes Arzt- und Institutionen-Netzwerk zurückgreifen. Die Motivation der Patienten unterscheide sich auch gravierend, ergänzt er: „Sobald ein Diabetes-Patient richtig auf seine Medikamente eingestellt ist, nimmt er in der Regel nicht mehr an einer klinischen Studie teil. Krebspatienten steht oft der Tod bevor, sie sind engagierter.“

    Alle Informationen in der App werden aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt. Nutzer haben außerdem die Möglichkeit, nach einem Experten zu suchen. „Lungenkrebs ist nicht gleich Lungenkrebs, hier gibt es noch fachlich Unterschiede“, sagt Bhardwaj. Neben den Kontaktdaten bildet die App auch die Distanz zu dem jeweiligen Mediziner ab.

    „Die App ist kostenlos, wir finanzieren sie aus anderen Unternehmensbereichen“, sagt Bhardwaj. An einer Erstattung im Rahmen des Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) sei man nicht interessiert. „Ein Selbstläufer wird diese App aber nicht werden, denn es gibt schon sehr gute Informationsangebote“, sagt ein Branchenkenner.

    Das bestätigt auch die deutsche Krebsgesellschaft (DKG) Handelsblatt Inside. Es gebe Broschüren, Telefonhotlines und Webseiten, die Krebspatienten begleiten. Und auch im Bereich bei kommerziellen Angebote gibt es Konkurrenz: Das Berliner Start-up Viomedo betreibt eine webbasierte Suchmaschine für klinische Studien wie zum Beispiel Prostata- oder Lungenkrebs.

    „Mit der Information, dass eine bestimmte Studie Patienten rekrutiert, ist es ja nicht getan, die Studie muss auch für den Patienten passen“, teil die DKG mit. Ob eine App einen Vorteil gegenüber klassischen Angeboten habe, müsste sich noch zeigen. Eine größere Herausforderung sieht die DKG aber in der Zielgruppe der App: „Krebs ist eine Alterserkrankung – die breite Nutzung von Apps hängt sehr davon ab, ob sie auch für ältere Zielgruppen nutzerfreundlich gestaltet sind.“

    „In der Entwicklung haben wir natürlich sehr darauf geachtet, Curia patientenfreundlich zu gestalten, einerseits in der Wortwahl und mit Hilfe von Erklärungen, als auch im Interface“, sagt Thanner. Sie sehe den Vorteil der App vor allem darin, dass man ein Smartphone mit in die Klinik nehmen kann, um sich dort über die Informationen von Curia direkt mit dem Arzt auszutauschen.

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