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  4. Start-up: Therapie-App Selfapy kämpft um Erstattungsfähigkeit

Digital HealthPsychotherapie-App Selfapy bekommt sechs Millionen Euro von Investoren

Das Start-up will die Versorgungslücke bei der Psychotherapie schließen und von Krankenkassen als erstattungsfähig eingestuft werden. Dafür braucht es teure Studien.Britta Rybicki 30.01.2020 - 10:00 Uhr

Von links: Katrin Bermbach, Farina Schurzfeld und Nora Blum:

Foto: Selfapy

Düsseldorf. Der Weg zur Dusche ist zu anstrengend, Freunde und Familie fühlen sich unendlich weit weg an, das Haus wird nicht mehr verlassen und die freie Zeit weinend am Küchentisch verbracht. Das sind Symptome einer Depression, unter der laut einer Studie der Depressionshilfe etwa 5,8 Millionen Deutsche leiden. Doch die Wartelisten bei Psychotherapeuten sind lang. Das Berliner Start-up Selfapy will mit seiner gleichnamigen App, diese Versorgungslücke schließen.

Über die App können Nutzer verschiedene Online-Kurse buchen, die auf einer Verhaltenstherapie basieren. Sie richten sich an Patienten mit Burnout, Depressionen, Angst- und Essstörungen. Die Kurse beinhalten Texte und Videos. Bei Bedarf kann ein Psychotherapeut dazu gebucht und die Sitzungen per Videochat gehalten werden. Anwender zahlen zwischen 150 und 300 Euro im Monat. Bislang kooperiert das Unternehmen mit 16 Krankenkassen über Selektivverträge.

Nun aber will Selfapy in die Regelversorgung. Das kürzlich in Kraft getretene Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) ermöglicht, dass die gesetzlichen Krankenkassen bestimmte Gesundheits-Apps auch ohne Selektivvertrag erstatten müssen. Um in die Erstattungsfähigkeit zu kommen, müssen Hersteller mindestens mit einer Pilotstudie einen „positiven Versorgungseffekt“ nachweisen oder aufzeigen, wie sie das nach einer Erprobungsphase tun wollen.

Vor allem um sich darauf umfassend vorzubereiten, hat Selfapy nun sechs Millionen Euro von Investoren eingesammelt, wie Handelsblatt Inside vorab erfuhr. „Durch die Verabschiedung des DVG ist es sogar noch wichtiger unser Online-Programm nach den höchsten medizinischen Standards auszurichten und bereitzustellen“, sagt Farina Schurzfeld, Mitgründerin von Selfapy.

Investoren sehen Potenzial

„Bei Selfapy wird die Akzeptanz bei den Patienten durch eine hohe Abschlussrate eindrucksvoll belegt“, sagt Cornelius Maas, Investmentmanager bei der Beteiligungsgesellschaft SHS, die erstmals in Selfapy investiert hat. Damit bezieht er sich darauf, dass Teilnehmer den Kurs abschließen. Altinvestoren wie Think.Health Ventures, VC Fonds Kreativwirtschaft Berlin und der High-Tech-Gründer-Fonds sind ebenfalls an der sechs-Millionen-Finanzierungsrunde beteiligt.

Neben der Erstattung durch die Krankenkassen müssen auch Ärzte von der Lösung überzeugt werden – ein weiterer Gruund, warum Selfapy sich um Studien zur App kümmern will. Eine erste Studie zur Selfapy-App der Charité in Berlin soll schon bald veröffentlicht werden. Um diese Aussagen belastbarer zu machen, plant das Start-up weitere klinische Studien. „Wir stehen außerdem in den Startlöchern mit der Uni Heidelberg und Gießen“, verrät Blum.

Wettbewerber wie Get.On sind da deutlich weiter. Das Unternehmen, das an der Leuphana Universität Lüneburg und der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg entstand, bietet inzwischen mehr als 14 webbasierte Programme zur Förderung der psychischen Gesundheit und zum Umgang chronischer Erkrankungen an. 25.000 Teilnehmer haben die Programme nach Angaben von Get.On bereits durchlaufen.

Während Get.On den Nutzen der verschiedenen Programme in über 30 wissenschaftlichen Studien nachgewiesen hat und bei der Anerkennung der eigenen Apps als Kassenleistung deshalb gute Karten haben dürfte, fehlen diese Selfapy noch komplett. Zudem hat Selfapy mit rund 20.000 Patienten eine geringere Reichweite als Get.On.

Dass Wettbewerber wie Get.On weiter sind, setzt Selfapy-Gründerin Nora Blum jedoch nicht unter Druck: „Als Universitätsausgründung haben sie schon viele klinische Studien umgesetzt. Für Start-ups wie uns sind sie hingegen sehr teuer.“

Mitarbeit: Maike Telgheder

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Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem exklusiven Fachbriefing Handelsblatt Inside Digital Health. Zweimal in der Woche analysieren wir dort die neuesten Entwicklungen im Bereich digitale Gesundheit.

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