Corona-Pandemie: Chroniker erleben digitale Unterversorgung
Videosprechstunden werden vor allem von bessergestellten Patienten in der Corona-Pandemie genutzt.
Foto: dpaDüsseldorf. Chronisch Kranke im ländlichen Raum sind auf eine digitale Gesundheitsversorgung angewiesen. Die Arztpraxis ist kilometerweit entfernt, manchmal fährt der Bus nur stündlich. Die Digitalisierung soll ihre Versorgung verbessern. Eine Umfrage des Berliner Start-ups E-Patient Analytics zeigt, dass aber eher gesunde Großstädter von Gesundheits-Apps und digitalen Programmen profitieren.
Im Rahmen der Studie wurden im vierten Quartal 2020 5.112 Menschen rekrutiert und zu ihrer Nutzung digitaler Gesundheits- sowie Versorgungsanwendungen befragt. Davon waren 58 Prozent gesund, 35 Prozent Chroniker und sieben Prozent zum Zeitpunkt der Befragung akut erkrankt.
Der Lockdown hat laut den Umfrageergebnissen zu einer Kluft in der Bevölkerung geführt. Die Reduktion von Sprechzeiten um bis zu 50 Prozent hätten bessergestellte Gruppen mit Online-Angeboten kompensiert, zeigen die Ergebnisse. „Drei von vier Nutzern der Online-Arztsprechstunde sind zwischen 30 und 50 Jahre alt, sind unterdurchschnittliche Chroniker, leben eher in Ballungsgebieten und sind Akademiker“, sagt Alexander Schachinger, CEO von Patient Analytics. Chronisch Erkrankte ohne einen Uniabschluss erleben während der Corona-Pandemie hingegen eine Unterversorgung.
Im vergangenen halben Jahr gehen Online-Arztbuchungen um acht Prozent zurück, die Nutzung von Medikamenten-Apps sinkt um drei Prozent. Online-Konsultationen sowie Videosprechstunden verzeichnen hingegen ein starkes Wachstum. Digitale Anwendungen, die mit einem Arzt vor Ort verknüpft seien, hätten abgenommen, sagt CEO Schachinger.
2020 wurden 13 Prozent der Befragten von Krankenkassen über digitale Angebote informiert. Ein Jahr später steigt der Anteil um zehn Prozent auf insgesamt 23 Prozent. Bei der Beratung durch Ärzte ist das Gegenteil zu beobachten: Im Jahr 2016 wurden noch 14 Prozent aller Befragten von Ärzten informiert, im Jahr 2021 sind es nur noch zehn Prozent.
Digitale Prävention wird wichtiger
Aus den Umfrageergebnissen leitet Schachinger ab, dass digitale Angebote nicht nur über die Webseiten der Krankenkassen oder den Arzt persönlich empfohlen werden sollten. „Apotheken und Drogeriemärkte könnten künftig als Vertriebs- und Touchpoints für Gesundheits-Apps dienen.“