Baukonzern Zech: Der stille Marktführer mit der Großbaustelle
Weil Imtech am neuen Berliner Flughafen arbeitet, ist nun auch der neue Besitzer Zech auf dem Krisen-Airport engagiert.
Foto: dpaDüsseldorf. Mit der Übernahme der deutschen Tochter des insolventen Imtech-Konzerns hat sich Kurt Zech ordentlich was vorgenommen. Immerhin arbeiten dort 2300 Angestellte, sein eigenes Unternehmen hatte bislang nur gut 6000. „Die Übernahme der Imtech-Mitarbeiter ist eine sehr ambitionierte Aufgabe, aber im Augenblick sind wir auf einem sehr, sehr guten Weg“, sagt der 58-jährige Zech-Chef. Er will nun die gesamte Imtech-Verwaltung bis Ende Januar von Hamburg nach Bremen umziehen.
Ein spannendes Projekt für den Baukonzern, der sich in den vergangenen Jahren still und heimlich zu einer Größe in Deutschland gemausert hat. Derzeit arbeitet die Zech Group auf etwa 450 Baustellen und erfüllt rund 4000 Serviceverträge. In den vergangenen Jahren hat Zech den Umsatz von 626 Millionen Euro im Jahr 2009 auf 1,4 Milliarden Euro im Jahr 2014 gesteigert. Der Gewinn betrug 2014 immerhin 69,5 Millionen Euro.
„Wir haben uns neu aufgestellt und durch Projekte wie zum Beispiel den Kö-Bogen oder den neuen Vodafone-Campus in Düsseldorf nach vorn gearbeitet“, erzählt Kurt Zech stolz. Auch vor großen Vergleichen schreckt er nicht zurück: „In diesem Jahr sind wir auf Platz eins vorgestoßen und haben Marktführer Hochtief verdrängt.“ Was Zech meint, ist die Projektentwicklung. Beim Gesamtumsatz liegt die Zech Group deutschlandweit auf Platz acht, Hochtief ist mit 24,3 Milliarden Euro der größte Baukonzern.
Für Zech – und andere Baukonzerne – könnte auch dieses Jahr erfolgreich werden. Heiko Stiepelmann, Sprecher des Hauptverbands der deutschen Bauindustrie, erwartet zum Beispiel: „Wir werden in diesem Jahr besser liegen als 2015.“ Das habe zwei Gründe: erstens die „Investitionswende“ bei der öffentlichen Infrastruktur und zweitens der Wohnungsbau. Der Bedarf an Wohnraum in Deutschland ist groß und durch die inzwischen mehr als eine Million Flüchtlinge noch gestiegen. Karl-Heinz Schneider, Präsident der Bundesvereinigung Bauwirtschaft schätzt, dass jährlich bis zu 400 000 Wohnungen gebraucht werden.
Von der hohen Nachfrage durch Flüchtlinge profitieren aber vor allem Unternehmen wie Jörg Bauer am Bodensee oder Max Bögl in Bayern, die Häuser aus Holz nach dem Baukastenprinzip zusammenstellen und in wenigen Wochen liefern.
Zech macht eher in Beton – das aber erfolgreicher als so manch ein Konkurrent. Bei den Bremern funktioniert, was bei anderen Konzernen nicht mehr klappt: mit Bauen Geld verdienen. „In der gesamten Gruppe haben man seit ewigen Zeiten keine roten Zahlen gemacht. In einzelnen Geschäftsbereichen seien die Zahlen schon mal abgerutscht, „aber in Summe haben wir immer Geld verdient“.
Der Unternehmenschef hat dafür auch eine Erklärung: „Ich glaube, der deutsche Markt ist mittlerweile ein sehr mittelständischer Markt geworden.“ So viele Großprojekte gebe es nicht in Deutschland, und die, die es gegeben habe, seien in den wenigsten Fällen erfolgreich verlaufen. „Die Vorgänge bei den Projekten Berliner Flughafen und Kölner U-Bahn haben natürlich dem Ruf der gesamten Branche sehr geschadet“, klagt er. Zech ist der Überzeugung, dass sich die Bauunternehmen wieder dem Bauen und weniger der Juristerei widmen sollten. „Wir haben bisher Großprojekte fast immer nur auf eigene Rechnung realisiert. Und selbst da gibt es Gelegenheiten für Stress. Aber das hat man besser im Griff, weil alles in der eigenen Gruppe ist.“
Übernahmen als Wachstumstreiber
Zech sieht sich als Familienunternehmer im Vorteil: „Die Kunden legen inzwischen wieder Wert darauf, mit einem Auftrag nicht bei einem anonymen Konzern zu landen.“ Er mache den Job nun seit 38 Jahren, da sei eine gewisse Konstanz da. Deshalb fahre er auch oft selbst mit zu den Kunden. „Die Bedeutung der familiengeführten Bauunternehmen ist größer geworden“, sagt auch ein Branchen-Insider. Zech sei in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen und sehr innovativ. „Zech ist eindeutig ein Aufsteiger.“ Das liege auch daran, dass das Unternehmen in erster Linie für private Auftraggeber arbeite.
Der Treiber des Wachstums sind bei Zech Übernahmen. Der Mittelständler kauft meist Unternehmen aus Insolvenzen heraus – mit entsprechenden Risiken. „Aber da haben wir mittlerweile auch eine große Erfahrung, und das Geschäft verstehen wir sehr gut“, sagt Zech. Die Zech Group ist heute in sechs Sparten unterteilt, in denen die meisten übernommenen Unternehmen eingegliedert sind. Dabei legt Zech Wert darauf, dass die Firmen einen großen Teil ihrer Eigenständigkeit behalten, dazu gehört auch der Name. Nur bei Imtech gibt es eine Ausnahme, aber der Name ist durch die Pleite auch verbrannt.
Mit Imtech hat sich Zech aber auch die wohl berühmteste Dauerbaustelle Deutschlands ins Haus geholt. 150 Leute von Imtech arbeiten dort. Zech glaubt aber nicht, dass er sich dadurch unüberwindbare Probleme eingehandelt haben könnte. Denn Imtech hat nichts mit der missratenen Entrauchungsanlage im Flughafen-Terminal zu tun, sondern lediglich mit den Kabeln der Stromversorgung. „Das ist nicht besonders kritisch, braucht aber Wissen. Genau das haben wir.“
Er macht den Job nun seit 38 Jahren und fährt auch heute noch selbst mit zu den Kunden.
Foto: HandelsblattWissen hat Zech sogar in der Hotelbranche. Die Gruppe betreibt eine Reihe von Hotels, hauptsächlich unter dem Namen Atlantik. Im Jahr 1989 war dem Unternehmen ein Grundstück angeboten worden, auf dem ein anderer Projektplaner ein Hotel vorgesehen, den Bau aber finanziell nicht durchgestanden hatte. Da hat Zech zugegriffen, das Hotel gebaut und sich dann entschlossen, es selbst zu betreiben. Das Haus wurde 1991 eröffnet, nach und nach kamen weitere hinzu. Kurt Zechs Lieblingshotel steht in Keitum auf Sylt. Das Fünf-Sterne-Haus Severin’s ist im Reetdachstil erbaut und hat 22, bald 28 Apartments. „Eine echte Perle“, sagt Zech.
Der 58-Jährige will sich aber noch nicht in der Perle zur Ruhe setzen. „Wir schreiten jetzt Richtung zwei Milliarden Euro Umsatz, und das möchte ich auf jeden Fall noch erreichen und erleben.“