Berater: Neustart von Tammo Andersch klappt nicht wie geplant
Düsseldorf. Der Neustart von Tammo Andersch, 61, und seinem Kompagnon Mirko Liebthal, 46, als unabhängige Restrukturierungsberater und -gesellschafter funktioniert nicht wie geplant. Vier der insgesamt acht Restrukturierer haben die 2024 gegründete Andersch Liebthal GmbH nach Informationen des Handelsblatts nun wieder verlassen und selbst eine Gesellschaft gegründet.
Henning Syllwasschy, Marius Banholzer, Steffen Puhlmann und Eduard Wiens haben gemeinsam und gleichberechtigt mit Florian Hoffmann, der vom Finanzinvestor Hillpoint dazustößt, die neue Gesellschaft Resvion gegründet. Diese versteht sich als Beteiligungsgesellschaft mit Managementteam und will in kleine bis mittelgroße Unternehmen mit einem Umsatz von 50 bis 500 Millionen Euro investieren und diese transformieren.
„Wir sind operative Investoren“, sagt Syllwasschy, 45, auf Anfrage des Handelsblatts. Der Schritt in die Selbstständigkeit sei jetzt relativ rasch erfolgt, weil ein erstes Investment mit Transformationsauftrag bereits erfolgt sei. Die Finanzierung für dieses Geschäft sei über einen finanzkräftigen Partner erfolgt.
Für weitere Investments solle nun ein Fonds aufgelegt werden. „Wir sind gut gestartet, konnten unsere erste Beteiligung tätigen und sehen viele interessante Möglichkeiten am Markt. Unser Fokus liegt auf dem klassischen deutschen Mittelstand mit hohem Transformationsbedarf“, erklärt Banholzer, 38.
Die neue Gesellschaft will dem Beispiel von Aurelius folgen. Der 2005 von zwei Partnern in München gegründete Investor ist inzwischen global in den Segmenten Private Equity, Private Debt und Real Estate tätig. Zu den Beteiligungen zählen bekannte Namen wie die Cateringtochter der Lufthansa LSG, die Kosmetikkette Bodyshop oder das Portal Studienkreis.
Der Ansatz von Tammo Andersch und Mirko Liebthal ist ein anderer. Sie wollen den Stakeholdern sanierungsbedürftiger Firmen als Sparringspartner zur Seite stehen. Als Restrukturierungsgesellschafter bringen sie ihre Kompetenz bei Sanierungen ein und vermitteln etwa in festgefahrenen Situationen zwischen Geldgebern, Eigentümern und Mitarbeitern. Unter Umständen werden sie dabei auch am Unternehmen beteiligt, Geldgeber wollen sie aber keine sein.
Vor allem Andersch wollte dabei von seinem guten Namen profitieren. Er gilt als einer der „Altmeister“ der Branche. Nach seiner Karriere bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hatte er seine eigene auf Restrukturierung spezialisierte Beratung namens Andersch Consulting gegründet, diese groß gemacht und 2019 an den US-Beratungskonzern FTI Consulting verkauft.
Bislang hat nach Informationen des Handelsblatts die Andersch Liebthal GmbH aber keinen klassischen Sanierungsauftrag mit Beteiligung erhalten: Der Betrieb sei bisher nicht über „profitable Anbahnungsgeschäfte“ hinausgekommen, heißt es. Nach Aussage von Andersch selbst ist die Firma „gut im Markt unterwegs“, ob es eine Beteiligung gebe oder nicht, wollte er auf Anfrage nicht sagen.
Mit Blick auf Resvion sagte Andersch: „Die Verselbstständigung der Kollegen ist gewollt und gewünscht.“ Der Abgang der vier Mitstreiter sei eine gesellschaftsrechtliche Trennung, es werde aber weiter ein partnerschaftlicher Umgang gepflegt, und es sei auch eine Zusammenarbeit denkbar. Ähnlich kommentiert die Trennung Syllwasschy: „Es ist kein Porzellan zerschlagen worden.“