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Bilanzcheck Deutsche Post geht mit reichlich Cash durch die Krise

Zu Beginn der Corona-Pandemie hortete der Logistikkonzern Liquidität. Weil es nicht so dramatisch gekommen ist wie befürchtet, sitzt die Post nun auf Milliarden.
25.08.2020 - 11:12 Uhr Kommentieren
Deutsche Post: Diese Auswirkungen hat die Coronakrise auf den Logistikkonzern Quelle: dpa
Paketbote von DHL

Die Post profitiert vom boomenden Onlinehandel während der weltweiten Kontaktbeschränkungen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Im Vorstand der Deutschen Post gibt man viel auf Geschwindigkeit. 93 Prozent aller Briefsendungen erreichen laut Post-Chef Frank Appel den Empfänger bereits einen Werktag nach der Einlieferung. Im weltweiten Expressgeschäft setzt der „gelbe Riese“ eigene Flugzeuge und gecharterte Hubschrauber ein, um Eilsendungen pünktlich abliefern zu können. Zur Eigenwerbung sponsert die Post Formel 1, Formel E und die Motorrad-Rennsportserie Moto-GP.

Allein die Aktionäre werden das Konzern-Credo in diesem Jahr kaum spüren. Nicht nur die Hauptversammlung verschob der Dax-Konzern, weil er die Corona-Entwicklung zunächst abwarten wollte, um dreieinhalb Monate auf den 27. August. Auch mit der Auszahlung der Dividende lassen sich die Bonner Zeit. Erst am 1. September gibt es diesmal die Ausschüttung, nur Fresenius (2. September) und Volkswagen (5. Oktober) trödeln im Kreis der Dax-Konzerne noch länger.

Grund zur Klage haben die Anteilseigner von Europas größtem Logistikkonzern dennoch nicht. 1,15 Euro für jedes Papier will ihnen die Deutsche Post auszahlen, fast so, als gäbe es keine Corona-Pandemie. Auch im Vorjahr erhielten die Aktionäre schon 1,15 Euro, auch wenn Appel ihnen zunächst 1,25 Euro in Aussicht gestellt hatte. Dann kam Corona.

Für die Deutsche Post ist dieses Hin und Her in diesem Jahr bezeichnend. In der Corona-Pandemie hatte der Konzernchef, der beim Brexit oder den Flüchtlingsproblemen zu Gelassenheit und Optimismus aufrief, auf strikte Vorsicht umgeschaltet.

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    Eher ungewöhnlich für Appel: Schon Ende Februar deutete er an, dass die Prognose für 2020, die einen Betriebsgewinn (Ebit) von mehr als fünf Milliarden Euro vorsah, kaum noch zu halten sei. Am 7. April kassierte er sie komplett.

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    Im zweiten Quartal 2020 aber übertraf der Konzern den Betriebsgewinn des coronafreien Vorjahreszeitraums um 18,6 Prozent, sodass Appel nun wieder ein Ebit von 3,5 bis 3,8 Milliarden Euro für das laufende Jahr in Aussicht stellt. „Wer solche Zahlen für uns im April vorausgesagt hätte“, sagte Finanzchefin Melanie Kreis Anfang August, „wäre damals wahrscheinlich nur auf ungläubiges Kopfschütteln gestoßen.“

    Üppiger Sicherheitspuffer

    Die verzögerte Dividendenzahlung, mit der man offenbar Zeit gewinnen wollte, ist keineswegs die einzige Folge dieser Fehleinschätzung. Auch die umfangreiche Kreditaufnahme erscheint rückblickend übertrieben.

    So begab die Deutsche Post im Mai gleich drei neue Anleihen jeweils in Höhe von 750 Millionen Euro – mit Kupons zwischen 0,375 und 1,0 Prozent. Die berichteten Finanzschulden trieb dies seit Jahresbeginn von 17 auf 19,2 Milliarden Euro nach oben.

    Mit den Maßnahmen verschaffte sich die Deutsche Post einen üppigen Sicherheitspuffer. Die Liquidität im Konzern stieg seit dem Jahreswechsel von gut 2,9 auf fast 4,6 Milliarden Euro – Mitte 2019 hatte sie bei gerade einmal 2,2 Milliarden gelegen. Hinzu kommt, dass sich die kurzfristigen finanziellen Vermögenswerte ebenfalls seit Jahresbeginn von knapp 400 Millionen auf fast 1,1 Milliarden Euro erhöhten.

    Die Vorsorge gegen einen möglichen Engpass hinterließ in der Halbjahresbilanz bislang noch keine Spuren. Die gezahlten Zinsen waren im ersten Halbjahr 2020 mit 276 Millionen Euro sogar um 23 Millionen Euro niedriger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das aber wird sich ändern, denn der Nachschlag im Mai wird die Konzernkasse jährlich mit 16 Millionen Euro zusätzlich belasten.

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    Auf die Liquidität wurde aber bislang kaum zurückgegriffen, ein zwei Milliarden Euro schwerer Kreditrahmen der Banken blieb unberührt, die Nettofinanzverschuldung verharrte seit Jahresbeginn bei 13,5 Milliarden Euro – und nahm im Vergleich zum 30. Juni 2019 um 1,05 Milliarden Euro ab.

    Allerdings machte sich hier nicht nur die hohe Summe flüssiger Mittel bemerkbar. Zugute kam der Post, dass ihre Dividendenausschüttung auf das zweite Halbjahr verschoben wurde. Ansonsten wäre die Kasse am 30. Juni um gut 1,4 Milliarden Euro erleichtert worden.

    Zudem schonte die Liquidität, dass im ersten Halbjahr 2020 nur 1,1 Milliarden Euro für Investitionen ausgegeben wurden, während es im Vorjahreszeitraum noch 1,9 Milliarden Euro waren. Hinzu kommt: Gab die Deutsche Post im ersten Halbjahr 2019 fast die Hälfte (743 Millionen Euro) für neue Frachtflugzeuge der DHL Express aus, ging das Geld diesmal hauptsächlich (682 Millionen Euro) in den Kauf von Geldmarktfonds.

    Auch im operativen Geschäft lief es gut

    Andererseits musste die Deutsche Post im ersten Halbjahr 2020 weitgehend auf Einnahmen aus Unternehmensverkäufen verzichten. Nur vier Millionen Euro weist die Kapitalflussrechnung unter diesem Punkt aus, während im entsprechenden Vorjahreszeitraum noch 657 Millionen Euro zusammenkamen. Einen Großteil davon – nämlich 653 Millionen Euro – hatte der Konzern im Februar 2019 eingenommen, indem er sein Lagereigeschäft in China verkaufte.

    Diese Lücke aber konnte der Mittelzufluss aus operativer Geschäftstätigkeit mehr als ausgleichen. Er stieg im ersten Halbjahr 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum kräftig um 879 Millionen auf knapp 2,4 Milliarden Euro – was angesichts des Einbruchs beim Betriebsgewinn auf den ersten Blick erstaunt. Der nämlich war im ersten Halbjahr 2020 um 424 Millionen Euro gesunken.

    Bei genauerem Hinsehen aber wird deutlich: Das Ebit im Vergleichszeitraum war durch einen außerordentlichen Buchgewinn von 439 Millionen Euro aus dem China-Verkauf aufgebläht. Im ersten Halbjahr 2020 dagegen buchte der Konzern hohe außerordentliche Aufwendungen, die jedoch nicht zahlungswirksam wurden.

    Deutsche Post Bilanzcheck: Mit viel Cash durch die Coronakrise Quelle: dpa
    Streetscooter

    Der Elektrotransporter kostete die Deutsche Post allein im vergangenen Jahr 115 Millionen Euro.

    (Foto: dpa)

    Der Löwenanteil davon: Aufwendungen für den Produktionsstopp des Streetscooters. Ende Februar 2020 hatte der Vorstand beschlossen, die Ende 2014 gekaufte und anschließend massiv ausgebaute Streetscooter GmbH größtenteils abzuwickeln. Die Elektroautos hatten dem Konzern, so ist der Fußnote einer Analystenpräsentation zu entnehmen, 2019 einen Verlust von 115 Millionen Euro hinterlassen.

    Den Aachener Elektrofahrzeughersteller will man seither in einen Bestandsflottenbetreiber umwandeln, die Produktion aber einzustellen. Auf 400 Millionen Euro sollen sich die nicht zahlungswirksamen Aufwendungen – vor allem wohl Abschreibungen – in diesem Jahr summieren. Bis zum 30. Juni waren davon laut Halbjahresbericht bereits 324 Millionen Euro verbucht.

    Hinzu kommt, dass im diesjährigen Halbjahres-Ebit die planmäßigen Abschreibungen mit 162 Millionen Euro über dem Vorjahreswert lagen, weil die Deutsche Post dank umfangreicher Investitionen inzwischen mit einem höheren Anlagevermögen arbeitet.

    Renditen trotzen der Coronakrise

    Weitere – nicht Cash-wirksame – 99 Millionen Euro schrieb der Konzern aufgrund der Lockdown-Maßnahmen ab. Betroffen war hier vor allem der Unternehmensbereich Lagerlogistik („Supply Chain“), der unter der Krise der Automobilkundschaft litt. Hinzu kam die vollständige Abschreibung einer Unternehmensbeteiligung im Unternehmensbereich E-Commerce Solutions.

    Unterm Strich kam Finanzchefin Kreis damit ihrem Ziel deutlich näher, die Ertragsqualität der Deutschen Post zu verbessern. Mit einem um 22 Prozent reduzierten Betriebsgewinn (Ebit) schaffte sie es im ersten Halbjahr 2020, den freien Cashflow von minus 803 Millionen auf plus 196 Millionen Euro signifikant zu verbessern.

    Beachtlich erscheint in diesem Zusammenhang, wie widerstandfähig sich die Kapitalrenditen der einzelnen Konzernsparten bislang gegenüber der Coronakrise erwiesen haben. So verbesserte sich die Kapitalverzinsung insbesondere in der Brief- und Paketsparte, getrieben durch den boomenden Onlinehandel während der weltweiten Kontaktbeschränkungen, von 13,7 auf 20,1 Prozent. Selbst im sonst unter Druck stehenden Speditionsgeschäft stieg die Rentabilität, vor allem, weil sich die Renditen in der Luftfracht steil nach oben bewegten.

    Einen deutlichen Einbruch gab es nur in der Lagerlogistik und – verborgen in den Zahlen des Geschäftsberichts – bei einem in Auflösung befindlichen Tochterunternehmen: dem einstigen Hoffnungsträger Streetscooter.

    Mehr: Ex-Finanzchef soll in den Aufsichtsrat der Deutschen Post

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