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Cum-Ex-SkandalVerurteilter Freshfields-Partner erhielt Abfindung von zwei Millionen Euro

Ulf Johannemann wurde zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Trotzdem bekam er zum Abschied viel Geld von seiner Kanzlei. Eine Rückforderung muss er nicht fürchten.Volker Votsmeier 11.02.2024 - 14:27 Uhr
Das Landgericht Frankfurt hat Ulf Johannemann (hinten Mitte) zu einer Haftstrafe verurteilt. Foto: dpa

Köln. Der wegen Beihilfe zu schwerer Steuerhinterziehung verurteilte ehemalige weltweite Steuerchef von Freshfields Bruckhaus Deringer, Ulf Johannemann, wurde von seiner Kanzlei großzügig abgefunden. Wie die „Financial Times“ zuerst berichtete, erhielt der Steueranwalt bei seinem Ausscheiden eine Abfindung von rund zwei Millionen Euro. Eine Sprecherin von Freshfields wollte dazu keinen Kommentar abgeben.

Die Trennung erfolgte vor mehr als vier Jahren. Am 21. November 2019 hatte Freshfields mitgeteilt, Johannemann habe die Kanzlei auf eigenen Wunsch verlassen. Nur einen Tag später holten ihn Frankfurter Kriminalbeamte aus seinem Haus ab und nahmen ihn in Untersuchungshaft. Johannemann soll Vermögen verschoben haben, und die Ermittler sahen eine Fluchtgefahr. Kurz vor Weihnachten wurde die U-Haft gegen eine Kaution von vier Millionen Euro außer Vollzug gesetzt.

Am 30. Januar 2024 verurteilte das Landgericht Frankfurt Johannemann zu einer dreieinhalbjährigen Haftstrafe. In seiner Urteilsbegründung bescheinigte der Vorsitzende Richter Werner Gröschel dem früheren Spitzenjuristen „eine hohe kriminelle Energie“.  Der von ihm mitzuverantwortende Steuerschaden sei „aberwitzig hoch“. Johannemann habe „ganz zentrale Tatbeiträge“ geleistet. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Johannemann war wichtigster Berater der Maple Bank, die zwischen 2006 und 2011 Cum-Ex-Geschäfte betrieb und insgesamt 374 Millionen Euro Steuern hinterziehen wollte. Das Prinzip dieser Geschäfte bestand darin, Aktien mit (cum) und ohne (ex) Dividendenanspruch kurz vor dem Ausschüttungstag zwischen verschiedenen Beteiligten hin- und herzuschieben. Ziel war es, sich eine nur einmal gezahlte Kapitalertragsteuer doppelt erstatten zu lassen.

Erst in der Schlussphase des Strafprozesses hatte Johannemann seine Taten gestanden und schwere Fehler eingeräumt. Er habe als Berater versagt, sagte er vor Gericht. „Ich hätte nicht schweigen dürfen, sondern es schon viel früher zum Schwur kommen lassen müssen“, so Johannemann.

Johannemann war kein Einzelfall

Freshfields war bei diesem Geschäft zulasten der Allgemeinheit für zahlreiche Banken tätig. Die Kanzlei beriet mehr als zwei Dutzend Finanzinstitute. Die Staatsanwaltschaften ermitteln gegen weitere ehemalige Partner. Ein anderer Freshfields-Jurist ist bereits angeklagt.

Trotz der Verurteilung Johannemanns beabsichtigt die Kanzlei offenbar nicht, die Abfindung zurückzufordern, berichten mit der Sache vertraute Personen. Eine mögliche Klage hätte wenig Aussicht auf Erfolg. Außerdem wolle man das Thema hinter sich lassen.

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Die Beratung der Maple Bank kam die Kanzlei bereits teuer zu stehen: Mit dem Insolvenzverwalter des Instituts einigte sich die Sozietät auf eine Zahlung von 50 Millionen Euro. Außerdem überwies Freshfields zehn Millionen Euro an die Justiz, um eine Beteiligung an dem Maple-Strafverfahren abzuwenden.

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