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Tourismuskrise Trivago baut massiv Stellen ab

Wegen der Corona-Pandemie hat die Hotelsuche kaum noch Einnahmen. Das zwingt das einstige Einhorn neben Kurzarbeit zu drastischen Sparmaßnahmen.
28.04.2020 - 12:19 Uhr Kommentieren
Trivago baut wegen Coronakrise massiv Stellen ab Quelle: dpa
Trivago-Zentrale in Düsseldorf

Vor der Coronakrise herrschte noch Betrieb, mittlerweile stehen viele Büros leer.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Um 23:17 Uhr deutscher Zeit schickte Trivago Montagabend nach Börsenschluss ein alarmierendes Schreiben an seine Aktionäre. Die Düsseldorfer Hotelsuche ist seit 2016 an der Technologiebörse Nasdaq in New York notiert. Durch die Corona-Pandemie sei die weltweite Reisetätigkeit praktisch zum Erliegen gekommen und „somit auch die Nutzung unserer Webseite“, heißt es.

Die Werbepartner von Trivago, Hotels und Buchungsplattformen, haben deshalb ihre Ausgaben auf der Plattform für Hotelpreisvergleiche fast komplett heruntergefahren. „Dies hat zu einem Einbruch unseres Umsatzes von mehr als 95 Prozent in der letzten Märzwoche 2020 im Vergleich zur selben Periode des Vorjahres geführt“, teilt Trivago seinen Aktionären mit.

Das einstige Vorzeige-Unternehmen, das eins der wenigen deutschen Einhörner mit einer Bewertung von mehreren Milliarden Dollar war, sieht sich deshalb zu drastischen Maßnahmen gezwungen: „Um unsere Liquidität zu sichern, haben wir alle Kostenpositionen intensiv überprüft“, erklärt Trivago. In der Düsseldorfer Zentrale ist bereits ein erheblicher Teil der Marketing-, Vertriebs- und Personalteams im April in Kurzarbeit.

Doch diese Sparmaßnahmen reichen offenbar nicht. „Darüber hinaus haben wir signifikante Personalanpassungen vorgenommen. Damit streben wir in Zukunft eine erhebliche Reduzierung unserer Kosten an“, teilte Finanzvorstand Matthias Tillmann mit.

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    Bisher arbeiteten rund 1200 Mitarbeiter im neuen Campus am Düsseldorfer Medienhafen. Er war erst Ende 2018 bezogen worden. Beim Bau hatte sich Trivago die Option auf bis zu 3000 Arbeitsplätze ausbedungen. Doch seit Jahren war die Mitarbeiterzahl rückläufig, nicht alle Großraumbüros sind voll besetzt.

    In Zeiten von Corona arbeiten nun ohnehin alle Beschäftigten im Homeoffice. Das ist ein Novum für das Unternehmen, das immer viel Wert auf Präsenzkultur wie im Silicon Valley legte. Praktisch alle Mitarbeiter aus rund 50 Ländern, Durchschnittsalter etwa 29 Jahre, sitzen deshalb in der Düsseldorfer Zentrale.

    Auch dem Mutterkonzern Expedia geht es schlecht

    Die Coronakrise trifft Trivago zu einer Zeit, in der sich die Düsseldorfer Hotelsuche gerade erst profitabel geschrumpft hatte. Der Umsatz war 2019 das zweite Jahr in Folge zurückgegangen, wie der neue CEO Axel Hefer im Februar mitteilte. Die Erlöse sanken um acht Prozent auf 839 Millionen Euro. Unterm Strich stand Ende 2019 ein Nettogewinn von 17,2 Millionen Euro, nach 21,5 Millionen Verlust ein Jahr zuvor.

    „Es sind raue Zeiten“, sagte Hefer schon im Februar. Er hatte zum Jahreswechsel den Posten von Rolf Schrömgens übernommen, der in den Aufsichtsrat wechselte. Damit hatte sich der letzte der Mitgründer vom operativen Geschäft verabschiedet.

    Wie viele Mitarbeiter von Kurzarbeit und Stellenabbau betroffen sind, dazu wollte sich Trivago auf Anfrage nicht äußern. Es sei allerdings keine Aufnahme etwa von KfW-Krediten geplant, betonte eine Unternehmenssprecherin. Trivago hat nun seine Werbeausgaben auf ein Minimum heruntergefahren. Zugleich haben viele Werbekunden wie Buchungsportale um Zahlungsaufschub gebeten.

    Trivago-Mutter Expedia, der rund 60 Prozent der Anteile gehören, geht es ebenfalls schlecht. Das US-Reiseportal will nun in der Coronakrise 3,2 Milliarden Dollar aufnehmen, um den Geschäftseinbruch in der Reiseindustrie abzufedern. 1,2 Milliarden Dollar davon kommen von den Finanzinvestoren Apollo und Silver Lake. Expedia will Mitarbeiter teilweise in Zwangsurlaub schicken, teilte Chairman Barry Diller am Donnerstag mit. Führungskräfte erhalten ein Viertel weniger Gehalt.

    Trivago war auch zum Jahreswechsel noch immer zu fast 75 Prozent abhängig von den Hotelbuchungsportalen Expedia und dessen Konkurrent Booking. CEO Hefer ist dabei, weitere Einnahmequellen wie Ferienhausanbieter und Vermittler von Urlaubsapartments zu erschließen. Doch vor allem Google machte mit seinem eigenen Hotelvergleich Trivago Kunden abspenstig. „Google wird wohl weiter versuchen, noch mehr Gewinne der Branche abzuschöpfen“, konstatierte Trivago bereits vor der Pandemie.

    Die Nachricht vom Stellenabbau kam am Dienstag nach Börsenschluss in New York. Der Aktienkurs von Trivago erreichte zuletzt 1,73 Dollar. Zum Börsengang hatte er bei elf Dollar gelegen, später sogar bei 24 Dollar. Seitdem ist er rapide eingebrochen. Seine Quartalszahlen will Trivago nun erst bis Anfang Juni vorlegen. Das Unternehmen rechnet mit einer „signifikanten außerplanmäßigen Abschreibung auf den Firmenwert“ durch die Coronakrise.

    Mehr: Trivago schrumpft sich profitabel.

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